Bundesliga

Union ist bereit für den nächsten Coup

Aufsteiger Union hat zu Hause gezeigt, dass er gegen gute Gegner bestehen kann. Nun kommt Spitzenreiter Gladbach in die Alte Försterei.

Union-Verteidiger Christopher Lenz im Zweikampf mit Bayerns Kingsley Coman.

Union-Verteidiger Christopher Lenz im Zweikampf mit Bayerns Kingsley Coman.

Foto: firo Sportphoto/Marcel Engelbrecht / picture alliance / augenklick/firo Sportphoto

Berlin. Beim Duell zwischen dem 1. FC Union und Borussia Mönchengladbach von einer Premiere zu sprechen, ist nur die halbe Wahrheit. Vor allem aus der Sicht der Berliner wird man sich gern an jenen kalten Abend im Februar 2001 erinnern, das DFB-Pokalhalbfinale, der Erfolg im Elfmeterschießen, den tanzenden Ronny Nikol.

Für Urs Fischer, Unions Trainer, höchstens eine nette Episode aus der Vereinsgeschichte, für die Begegnung zwischen seiner Mannschaft und dem Spitzenreiter der Bundesliga am Sonnabend (15.30 Uhr, Alte Försterei), nicht wirklich eine Motivationshilfe. „Eines habe ich gelernt: Wenn ich von vor 20 Jahren spreche, kommt das nicht gut an. Ich hüte mich davor, Geschichten aus der Vergangenheit zu erzählen“, sagte Fischer.

Nur eines schwingt aus jener Zeit mit: Union war als Drittligist (und designierter Zweitligist) klarer Außenseiter gegen den damaligen Zweitligisten, der zurück ins Oberhaus drängte. Außenseiter, aber nicht chancenlos – eine Konstellation, die auch für die Partie am Sonnabend gilt.

Union Berlin wird „von den Gegnern wahrgenommen“

Das liegt zum einen in der sportlichen Entwicklung beim Aufsteiger begründet. Union hat an defensiver Stabilität gewonnen, wie auch Neven Subotic festgestellt hat. „Wir sind richtig in der Bundesliga angekommen. Wir werden wahrgenommen von den Gegnern und fühlen uns auch als Mannschaft auf dem Platz in der Bundesliga komplett zu Hause“, sagte der erfahrene Innenverteidiger.

Es galt, sich mit der höheren Spielklasse, den besseren Gegnern und der immens gestiegenen Aufmerksamkeit anzufreunden. „Das brauchte Zeit“, erklärte Subotic, „wir haben viele Spieler, die zum ersten Mal in der Bundesliga sind. Und wenn man das, was man aus dem Fernsehen kennt, plötzlich anfasst und erkennt: Ah, das ist eigentlich ganz normaler Fußball, nur ein bisschen besser, dann merkt man auch, dass es kein großer Unterscheid zu dem ist, was man schon aus der Zweiten Liga oder unteren Ligen kannte.“

Union Berlin besteht zu Hause gegen große Gegner

Vor allem in den Heimspielen hat sich Union nach dem 0:4-Debakel zum Auftakt gegen RB Leipzig eine gewisse Sicherheit zurückerspielt, die es jedem Gegner schwer macht, in der Alten Försterei mal locker aufzutrumpfen. Das weiß man auch beim Gegner aus Mönchengladbach.

Trainer Marco Rose nennt die Alte Försterei, die auch gegen die Gladbacher mit 22.012 Zuschauern restlos ausverkauft sein wird, ein „enges, aber schickes Stadion“ und den Gegner eine Mannschaft mit einer „unglaublichen Bereitschaft“.

Gerade die Nähe der Zuschauer und die Dynamik, die durch die Unterstützung von den Rängen entstehen kann, haben bereits drei Gegner bitter zu spüren bekommen. Titelanwärter Borussia Dortmund wurde – durchaus beeindruckt – mit 3:1 niedergekämpft. Der SC Freiburg, spielerisch und tabellarisch die Überraschungsmannschaft dieser Saison, wurde beim 2:0 vor allem mit fußballerischen Mitteln besiegt. Und im Derby gegen Hertha BSC zeigte Union Nervenstärke, nicht nur beim entscheidenden Elfmeter durch Sebastian Polter kurz vor Schluss.

Union-Gegner hat sich ebenfalls entwickelt

„Wir gehen auf die Gegner zu, wissen, dass es gute Vereine sind, lassen uns dadurch aber nicht wirklich beeinflussen oder werden besonders nervös. Das ist auch ein wichtiger Schritt für jeden einzigen Spieler“, verdeutlichte Subotic.

Das macht die Aufgabe gegen den Tabellenführer dennoch nicht leichter, zumal auch die Gladbacher in den vergangenen Wochen einen Schritt nach vorn gemacht haben. Auslöser war – ähnlich wie bei Union – ein 0:4. Im ersten Spiel der Europa League wurde die Borussia Mitte September vom österreichischen Klub Wolfsberger AC vorgeführt.

„Ihr Gesicht hat sich seitdem verändert“, sagte Trainer Fischer. Von seiner Mannschaft forderte er: „Sie muss nach wie vor versuchen, nach vorn zu verteidigen. Zu Null zu spielen, ist nahezu unmöglich.“ 24 Tore haben die Gladbacher in elf Saisonspielen erzielt, allein 16 davon gehen auf das Konto der Angreifer.

Union Berlin muss auf Thuram aufpassen

Vor allem Marcus Thuram, den Sohn des Weltmeisters von 1998 Lilian Thuram, gilt es auszuschalten. Der Franzose erzielte bislang fünf Tore. Doch auch Plea Alassane, Patrick Herrmann (je vier Tore) oder Embolo Breel (drei Tore) zeigten sich schon treffsicher.

So warnt Unions Trainer Fischer vor dem „schnellen Umschaltspiel und die Gefahr nach Standards. Schlussendlich ist es aber ein Heimspiel. Wir versuchen natürlich, dem Gegner auch unsere Stärken zu zeigen und unser Spiel daraus zu machen.“

Max Eberl, der Gladbacher Sportdirektor, weiß genau, was seine Mannschaft am Sonnabend erwarten wird. Die Erinnerungen an seinen persönlichen Auftritt in der Alten Försterei seien „nicht die besten“, wie er verriet. Nachvollziehbar, zählte Eberl 2001 doch zu jenen Gladbachern, die im Pokalhalbfinale einen Elfmeter verschossen haben.

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