Bundesliga

Kroos ist Unions Antreiber aus der zweiten Reihe

Felix Kroos muss bei Union oft mit der Bank zufrieden sein. Gegen Spitzenreiter Mönchengladbach ist er aber als Andrich-Ersatz gefragt.

Union Berlins Felix Kroos (r.) stoppt Bayerns Kingsley Coman.

Union Berlins Felix Kroos (r.) stoppt Bayerns Kingsley Coman.

Foto: Angelika Warmuth / dpa

Berlin. Um diese Position kommt man beim 1. FC Union nicht herum. Nicht nur weil der Part im defensiven Mittelfeld einer der wichtigsten im modernen Fußball ist, sondern weil dafür auch neues Personal nötig ist. Zumindest am Sonnabend, wenn Bundesliga-Spitzenreiter Borussia Mönchengladbach um 15.30 Uhr in der Alten Försterei zu Gast sein wird.

Die Frage, die Union-Trainer Urs Fischer bis dahin beantworten muss: Wer ersetzt Robert Andrich im defensiven Mittelfeld? Wegen seiner fünften Gelben Karte, kassiert beim 3:2 vor zwei Wochen in Mainz, muss der gebürtige Potsdamer nun zuschauen.

Andrich, erst zu Saisonbeginn vom Zweitligisten 1. FC Heidenheim zu Union gewechselt, hat sich vor der Abwehr zu einer festen Größe gemausert. Elf Bundesliga-Spiele haben die Köpenicker absolviert, Andrich fehlte bislang keine Minute. Das wird sich gegen die Gladbacher ändern.

Kroos und Schmiedebach können hoffen

Das Anforderungsprofil gegen die offensivstarke Borussia umschrieb Trainer Fischer wie folgt: „Du musst gegen den Ball Arbeit verrichten, aber dir auch zutrauen, etwas zu kreieren. Mit dem Ball den Mut haben, etwas zu entwickeln.“

Folglich kommen zwei Kandidaten in Frage für den Andrich-Ersatz: Felix Kroos und Manuel Schmiedebach. Vor allem Kroos darf sich Hoffnungen machen, auch weil Schmiedebach eher der Kategorie Abräumer zuzuordnen ist. Kroos wiederum ist mit einer ausgezeichneten Technik ausgestattet.

Einziges Problem: Kroos musste bislang vornehmlich mit der Bank Vorlieb nehmen. Vier Einsätze stehen für den Mittelfeldmann in dieser Spielzeit zu Buche, nur einer von Beginn an, der beim FC Bayern (1:2). „Pflichtspiele wie in München muss man irgendwie genießen. Das war auch der Fall“, sagte Kroos. Zufrieden kann er mit der Situation jedoch nicht sein.

Kroos’ Vertrag bei Union Berlin endet 2020

„Natürlich möchte ich mehr spielen“, machte Kroos deutlich und meinte damit nicht nur Testspiele wie zuletzt gegen den Zweitligisten Holstein Kiel (3:0). „Aber ich kann auch so meinen Teil dazu beitragen, dass wir erfolgreich sind. Ich will in der zweiten Reihe vorangehen und die Jungs mitziehen.“

Das klingt sehr genügsam und wirkt in der Branche Profifußball durchaus irritierend. Kroos ist 28 Jahre alt, wenn man so will im allerbesten Fußballer-Alter. Da steht vor allem eines im Vordergrund: Einsatzzeiten sammeln, am besten in jedem Spiel und am liebsten in der Bundesliga. Da ist Kroos keine Ausnahme, zumal sein Vertrag, erst vergangenen Sommer verlängert, am Saisonende schon wieder ausläuft.

Doch der gebürtige Greifswalder war auch immer jemand, der die Situation so annimmt, wie sie ist und versucht, daraus das Beste zu machen. „Der Trainer weiß, was er von mir bekommt“, so Kroos. Und meint nicht zuletzt den Part abseits des sportlichen Geschehens, in den Tagen zwischen den Bundesliga-Spielen.

Kroos ist bei Union Berlin glücklich

Dass „keiner aus der Reihe schießt“, wie Kroos das Innenleben der Union-Mannschaft beschreibt, ist auch ein wenig auf ihn zurückzuführen. Dass die Teamchemie stimmt, „dafür sind auch wir verantwortlich“. Mit „wir“ meint Kroos jene Profis, die schon seit einigen Jahren dabei sind: Kapitän Christopher Trimmel zum Beispiel, der Kroos 2018 als Union-Kapitän ablöste, oder einen Sebastian Polter, auch einen Michael Parensen.

Letztere Zwei sind wie Kroos Spieler, die bislang im Oberhaus nur selten erste Wahl bei Fischer gewesen sind, aber trotzdem ihren Platz, ihre Funktion innerhalb des Mikrokosmos Spielerkader angenommen haben. „Ich bin absolut positiv. Ich lasse es auch nicht mehr zu, dass der Fußball mich unglücklich macht“, sagte Kroos.

Diesen Charakterzug anzunehmen, hat einige Zeit gedauert. „Ich musste es erst lernen, den Fußball nicht mit nach Hause zu nehmen“, erzählte Kroos. Auch deshalb sagte er zu seiner Wahl, Union nicht nach dem Aufstieg zu verlassen, um woanders sein Stammplatz-Glück zu suchen: „Ich bin komplett glücklich mit der Entscheidung, für Union Berlin in der Bundesliga zu spielen. Schließlich habe ich dafür auch dreieinhalb Jahre gearbeitet. Jedes Bundesliga-Spiel mit Union ist besser, als wenn ich woanders 34 Spiele machen würde.“

Kroos hofft mit Union Berlin auf mehr Siege

Große Gedanken, wie es 2020 für ihn weitergeht, macht er sich noch nicht. Im Gegensatz zur aktuellen Lage des Aufsteigers. „Natürlich können wir mit dem Stand zufrieden sein. Es bringt uns aber auch nichts, wenn wir ab sofort kein Spiel mehr gewinnen“, verdeutlichte Kroos.

Ein Sieg gegen Mönchengladbach, wenigstens aber ein Punktgewinn würden ein weitere Schritt in Richtung Klassenerhalt bedeuten. Und in jedem Fall das Selbstvertrauen bei Union nach zuletzt vier Siegen in fünf Pflichtspielen weiter steigern. Gut möglich, dass Felix Kroos seinen Teil dazu beitragen kann, von Beginn an.

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