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Berliner Derby: Unions Gikiewicz bändigt vermummte Fans

Nach dem Schlusspfiff können Ausschreitungen nur durch das beherzte Eingreifen der Union-Spieler verhindert werden.

Union-Spieler halten vermummte Fans vom Sturm des Gästeblocks ab.

Union-Spieler halten vermummte Fans vom Sturm des Gästeblocks ab.

Foto: Annegret Hilse / Reuters

Berlin. Rafal Gikiewicz hatte auf einmal mehr Arbeit als in den über 90 Spielminuten zuvor. Hektisch sprang der Torwart des 1. FC Union nach links, dann nach rechts, er breitete die Arme aus, fuchtelte wild umher. Mit Vehemenz drängte der Fußballprofi ein paar schwarz gekleidete Union-Anhänger zurück, die nach Spielschluss den Zaun zum Spielfeld überstiegen hatten und nun auf die andere Seite des Stadions wollten. Dorthin, wo die Fans von Hertha BSC standen und immer wieder Pyro-Raketen zündeten. Vom normalen Anhang wurde Gikiewicz dafür gefeiert.

Die Eskalationsstufe stieg kurz nach dem Abpfiff des ersten Berliner Bundesliga-Derbys zwischen Union und Hertha noch einmal an. Doch gerade den Profis der Köpenicker war es zu verdanken, dass es im Stadion zu keinen Ausschreitungen kam. „Wir Spieler sind in der Pflicht, unsere eigenen Fans davon abzuhalten, irgendwelche Dummheiten zu machen“, sagte Torschütze Sebastian Polter, der zusammen mit seinen Kollegen die vermummte Pseudo-Kampftruppe vor dem eigenen Fan-Block bändigte und vom Sturm des Gästeblocks abhielt.

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Hertha-Anhänger jagen Raketen über den Platz

Der pyrotechnische Schlagabtausch zwischen beiden Fanlagern dominierte teilweise sogar das Geschehen im Stadion an der Alten Försterei. „Ich kann die Emotionen verstehen. Es geht aber manchmal über die Grenzen hinaus. Heute waren viele Väter mit kleinen Kindern im Stadion. Wenn die mit Angst nach Hause gehen, das darf nicht sein“, sagte Hertha-Trainer Ante Covic. Die Anhänger seiner Mannschaft hatten sich damit hervorgetan, die Pyros nicht nur im eigenen Block zu zünden, sondern sie auch weit auf den Platz zu schießen und damit andere gezielt zu gefährden. Das führte zu Beginn der zweiten Hälfte sogar fast zum Spielabbruch. „Die oberste Priorität war, das Spiel zu Ende zu bringen. Wir waren in Kontakt mit der Polizei. Mir ging es um die Sicherheit der Spieler“, sagte Schiedsrichter Deniz Aytekin. Fünf Minuten hatte er das Spiel unterbrochen.

Vor der Partie hatten die Fans beider Lager sich schon früh getroffen. Die Herthaner veranstalteten einen Fanmarsch im Friedrichshain und bescherten den dort ansässigen Flaschensammlern ein einträgliches Geschäft. Nur vereinzelt wurden auch Flaschen geworfen auf dem Weg vom Boxhagener Platz zum S-Bahnhof Warschauer Straße, ein paar Böller knallten. Aber alles war friedlich. Auch die Unioner marschierten, natürlich durch Köpenick. Ebenso alles ohne besondere Vorkommnisse.

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Union-Fans mit martialischen Spruchbändern

Im Stadion deutete sich die erhöhte Pyro-Aktivität vor allem bei den Hertha-Fans aber schnell an. Schon zur Präsentation der Choreografien schossen die ersten Raketen durch die Gegend. Wobei die Herthaner sich wohl durchaus angestachelt fühlten durch die martialische Darbietung der Union-Fans. Auf den Bannern hieß es: „Die Prophezeiung des Orakels von Coepenick. Angekommen im Fußballolymp, nach einer schier endlosen Odyssee, schlägst du nun deine größte Schlacht. Deinem Gegner wird dies fortan bedeuten, erst die Sünde, nun der Tod. Spreeathen ist Weiß und Rot.“

Während die Ultras, einige auf Union-Seite sollen sich laut Polizei sogar den Einlasskontrollen im Stadion entzogen haben, sich mal wieder selbst feierten, halfen sich die normalen Fans vor dem Spiel. Wenn sich der eine oder andere Herthaner nicht auskannte im Stadion, bekam er Unterstützung von Unionern.

Union als Klub will nun alles Bildmaterial zur Verfügung stellen, um bei der Aufklärung der Vorfälle direkt nach Spielende zu helfen. Es blieben bis zum Redaktionsschluss die einzigen Auffälligkeiten, der Abzug der Fans aus dem Stadion verlief ohne Zwischenfälle. Die Polizei teilte am späten Sonnabendabend mit, dass sie unter anderen wegen Pyrotechnik-Einsatzes Strafermittlungsverfahren einleiten werde.

Kommentar: Ein Abend zum Vergessen für Hertha BSC