Bundesliga

Jetzt zählt auch Polter zu Unions Lebensversicherung

Aufsteiger Union hat bislang nur neun Tore erzielt, alle durch Angreifer. Polters Treffer in München ist vor allem für ihn wichtig.

Sebastian Polter (Mitte) erzielt per Elfmeter den Anschlusstreffer für Union beim FC Bayern.

Sebastian Polter (Mitte) erzielt per Elfmeter den Anschlusstreffer für Union beim FC Bayern.

Foto: Matthias Koch via www.imago-images.de / imago images/Matthias Koch

Berlin. Der Tag nach der Beinahe-Sensation beim FC Bayern stand bereits ganz im Zeichen des DFB-Pokals. Das Regenerationstraining absolvierte der Bundesliga-Aufsteiger im Heimstetten nahe München, am Nachmittag ging es dann in Richtung Breisgau, wo am Dienstag (18.30 Uhr, Sky) der SC Freiburg in der zweiten Runde wartet.

Und er offenbarte einen nicht unzufriedenen Oliver Ruhnert. „Nach dem neunten Spieltag auf einem Nichtabstiegsplatz zu stehen, und dies nach einem solchen Programm, das kann sich sehen lassen“, sagte Unions Geschäftsführer Profifußball in der TV-Sendung „Doppelpass“ bei Sport1: „Das würden wir auch nach dem 34. Spieltag nehmen.“

Sieben Punkte hat Union im ersten Saisonviertel geholt, das gleich sechs der sieben Europapokal-Starter für die Mannschaft von Trainer Urs Fischer bereithielt. Immerhin. Denn Union ist auch die Mannschaft, die bislang am wenigstens Tore in dieser Saison erzielt hat: neun, genau wie Mitaufsteiger 1. FC Köln.

Andersson und Bülter mit jeweils drei Toren

Es mutet schon ein wenig kurios an, dass es trotz der Torarmut vor allem die Stürmer sind, die Union bislang in dieser Saison am Leben halten. Alle neun Treffer gingen auf das Konto der Angreifer Sebastian Andersson, Marius Bülter (je drei Tore), Anthony Ujah, Marcus Ingvartsen und nun auch Sebastian Polter.

Das belegt, wie sehr sich Union auf seine Abteilung Attacke verlassen kann. Auch wenn sich vor allem Fischer gern noch öfter auf sie verlassen können würde. „Du verschießt einen Elfmeter, so eine Chance musst du nutzen“, monierte der Union-Coach, „und dann vergibst du eine Riesenchance durch einen Konter, wo du ein Tor schießen musst.“

Gemeint war Anderssons Fehlschuss nach knapp einer Stunde sowie eine schlampig zu Ende gespielte Umschaltsituation zehn Minuten später. Mittendrin: Sebastian Polter, der ein wenig mit seinem Teamkollegen Sheraldo Becker haderte.

Bayern-Trainer Kovac lobt Union

„Ich kann ein zweites Tor machen, wenn wir etwas präziser spielen. Sheraldo muss dann entweder mit direktem Zug zum Tor gehen und den Ball selber einschießen. Oder wenn er sich so entscheidet, wie er es getan hat, muss er den Ball einfach besser quer spielen. Das weiß er und das haben wir im Training auch schon oft besprochen, ohne das jetzt bei ihm anzumahnen.“

Ausgerechnet den Rekordmeister bringt Polter ins Schwitzen – eine größere Plattform, um Pluspunkte zu sammeln, kann es nicht geben. Selbst Bayern-Trainer Niko Kovac musste eingestehen: „Union hat es uns sehr schwer gemacht“, auch weil die Köpenicker „außerordentlich gut“ verteidigt hätten.

Kovac selbst geht es ein wenig wie Fischer, denn es ist zuallererst Robert Lewandowski, der die Bayern bislang im Meisterrennen hält. Kovac kann sich auf den Ausnahmestürmer verlassen, doch er betonte auch: „Wir können es trotzdem noch besser machen. Es sind immer enge Spiele, wo wir nur ein Tor Vorsprung haben. Wir hätten heute das Spiel gut und gerne mit drei, vier Toren Unterschied gewinnen müssen. Irgendwann gehen nicht nur zwei Bälle rein, sondern vielleicht vier, fünf, sechs – und dann sieht die Welt wieder ganz gut aus.“

Polter spielte bislang nur 92 Minuten

Derart vermessen ist Polter nicht. Aus gutem Grund, hofft er doch auf mehr Einsatzzeit als die bislang 92 Minuten. am besten schon am Dienstag im Pokal gegen Freiburg. „Natürlich möchte ich jedes Spiel spielen, doch der Trainer entscheidet. Ich kann meine Spielzeit nur versuchen zu nutzen, das habe ich in München mit einem Tor auch getan und auch sonst mit einem ordentlichen Spiel, glaube ich“, so Polter.

Polter brennt für mehr Einsätze, schon weil sein Vertrag am Saisonende ausläuft und er sich für einen neuen empfehlen möchte. Auch der Kontrakt von Konkurrent Andersson endet kommenden Sommer. Doch der schwedische Nationalspieler passt aufgrund seiner spielerischen Qualitäten besser ins Konzept von Trainer Fischer und damit in die Startelf.

Vertrauen, dass Andersson in Augsburg mit dem ersten Tor in der Bundesliga (nach Vorlage Polter) und damit dem ersten Punktgewinn für die Köpenicker rechtfertigte. Und gegen Dortmund sicherte er den ersten Sieg im Oberhaus überhaupt ab.

Manager Ruhnert: „Polter hat wahnsinnigen Wert für Union“

Auch in Sachen Elfmeter war Andersson erster Schütze. Muss Trainer Fischer nach den Strafstößen von München nun über eine neue Reihenfolge nachdenken? „Es schießt der zuerst, der auf dem Platz steht“, sagte Polter dazu. Das war in der Regel nun mal Andersson.

Dennoch scheint Union weiter auf Polter setzen zu wollen, wie Oliver Ruhnert verriet. „Polter gehört zu den Spielern, die für Union einen wahnsinnigen Wert bedeuten“, sagte Unions Kaderplaner. Mit seinem ersten Bundesliga-Tor für Union – dem achten insgesamt (zwei für den VfL Wolfsburg, fünf für den 1. FC Nürnberg) – habe sich Polter „einen Traum erfüllt. Er ist sicherlich einer von denen, die dafür verantwortlich sein sollen, dass wir die Liga halten“, so Ruhnert.

Steht demnach eine Vertragsverlängerung für Polter bevor? „Wenn er noch mehr Tore schießt, habe ich ja keine andere Wahl“, ließ Ruhnert wissen.

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