Bundesliga

Union sieht einfach zu viel Rot

Aufsteiger Union schwächt sich mit drei Platzverweisen in fünf Spielen selbst. Überhartes Spiel oder doch eher mangelnde Qualität?

Union-Stürmer Sebastian Polter (M.) sieht in Leverkusen Rot von Schiedsrichter Robert Hartmann.

Union-Stürmer Sebastian Polter (M.) sieht in Leverkusen Rot von Schiedsrichter Robert Hartmann.

Foto: Ulrich Hufnagel / picture alliance / U. Hufnagel

Berlin. Natürlich musste Sebastian Polter beim Spielersatztraining ran. Profis mit Kurzeinsätzen am Spieltag bleibt dies nicht erspart. Wobei Polters Teileinsatz in Leverkusen eher ein Teilcheneinsatz gewesen ist.

Der Tritt von hinten auf den linken Knöchel von Julian Baumgartlinger, die völlig korrekte Rote Karte als Folge für den Stürmer des 1. FC Union fünf Minuten nach seiner Einwechslung – beides beschäftigte Polter auch noch am Sonntagvormittag. Und zwar derart, dass Trainer Urs Fischer ihn aus dem emotionalen Tal herauszuholen versuchte.

„Ich habe ihn nochmal darauf angesprochen: Hey, studierst du immer noch? Da sagt er: Ja, natürlich Coach. Und ich sage ihm: Es muss aus dem Kopf, das ist schon vorbei“, erzählte Fischer. Natürlich sei dies „so einfach gesagt. Nur du wirst es nicht rückgängig machen können“, machte der Schweizer deutlich.

Kein Team kassiert öfter Rot als Union

Wenn der Fußball-Bundesligist es könnte, er würde es sicherlich tun. Nicht nur beim Platzverweis von Polter, auch bei denen von Keven Schlotterbeck (in Augsburg) und Neven Subotic (gegen Bremen). Dreimal Rot in fünf Spielen – „das ist zu viel“, monierte Fischer.

Keine andere Mannschaft musste in dieser Saison öfter ein Spiel in Unterzahl beenden als Union. Eine Entwicklung, die es umgehend zu stoppen gilt, wenn die Köpenicker den Kampf um den Klassenerhalt nicht noch schwerer machen wollen, als er ohnehin schon ist.

Und eine Entwicklung, die Fragen aufwirft. Ist Unions Spielweise zu hart? Fehlt es der Mannschaft an Qualität, um solche ahndungswürdigen Fouls zu verhindern?

Fischer fordert Aggressivität

Mit Blick auf das 0:2 in Leverkusen lässt sich die erste Frage mit Nein beantworten. „Wir hatten zwei Foulspiele in der ersten Halbzeit, das ist zu wenig für unser Gesicht.“ Jenes, das Fischer sehen will: Es ginge nicht darum, den Gegner wegzutreten, „es geht um eine gewisse Aggressivität, diese Stärke konnten wir nicht auf den Platz bringen“.

Eklig soll seine Mannschaft sein, so wie gegen Dortmund (3:1), den Gegner ständig stören, ihn „zermürben“. Unfair ist Union dadurch noch längst nicht, wie insgesamt vier Gelbe Karte belegen. Ist also doch die fehlende Qualität eines Aufsteigers in Form von übermotiviertem Spiel der Grund?

Fakt ist: Alle drei rotwürdigen Fouls wurden weit weg vom Union-Tor begangen. Unmittelbare Gefahr, ein Gegentor zu kassieren, bestand in allen drei Situationen nicht.

Absicht ist keinem Unioner zu unterstellen

Bei Rot Nummer eins traf Schlotterbeck im Mittelkreis den Augsburger Florian Niederlechner mit gestrecktem Bein am linken Knie. „Er versucht, nach vorn mit langem Bein zu verteidigen. Aber wenn du die Bilder anschaust, sieht es gefährlich aus“, sagte Fischer.

Die Gelb-Rote Karte für Subotic resultierte aus einem rüden Check gegen den Bremer Leonardo Bittencourt, der in der Bande neben dem Spielfeld endete. Fischer dazu: „Bei uns kommt relativ schnell die Bande, deshalb sieht es gravierender aus. Nur: Der Spieler kann doch nicht drei Meter vor dem Seitenaus den Druck rausnehmen. Das ist dann schon ein bisschen unglücklich.“

Und bei Platzverweis Nummer drei versucht Polter noch in der gegnerischen Hälfte, „Druck auszuüben. Ich kann meinen Jungs dafür keinen Vorwurf machen, aber wir müssen versuchen, solche Situationen besser zu lösen“, so Fischer. Fazit: Keinem ist Absicht zu unterstellen, übermotiviert war das Trio in jedem Fall.

Polter drohen drei Spiele Sperre

Bei Polter kommt noch die persönliche Situation hinzu. Der Publikumsliebling ist nur Joker. Seinem Wunsch, von Beginn an spielen zu wollen, hatte Fischer entgegengehalten, Polter wüsste, wo er sich zu verbessern habe.

„Klar muss man das mit einbeziehen, dass die Situation für ihn nicht einfach ist. Es ist ja klar, dass er sich mehr wünscht, er will von Beginn an spielen“, sagte Fischer. Dennoch hat sich Polter „immer korrekt verhalten, im Training immer Gas gegeben“, erklärte der Coach: „Jetzt wird er beim Stand von 0:2 eingewechselt und hat noch eine halbe Stunde Zeit. Natürlich ist da vielleicht auch ein bisschen Übereifer dabei.“

Das wird Folgen haben. Polter wird mindestens zwei Spiele gesperrt, wenn nicht sogar drei. Das bedeutet mehr Spielersatztraining, als dem Angreifer lieb ist.

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