Bundesliga

Robert Andrich ist Unions neuer Stabilisator

Union-Zugang Andrich hat in den ersten Bundesligaspielen angedeutet, wie wertvoll er für den Aufsteiger sein kann. Nun kommt Dortmund.

Unions Robert Andrich (r.) setzt sich gegen die Leipziger Willi Orban (l.) und Lukas Klostermann durch.

Unions Robert Andrich (r.) setzt sich gegen die Leipziger Willi Orban (l.) und Lukas Klostermann durch.

Foto: O.Behrendtvia www.imago-images.de / imago images / Contrast

Berlin. Ist er nun bereits ein Bundesligaspieler oder eher doch noch nicht? Robert Andrich muss nicht lange überlegen und lässt sich bei seiner Antwort zunächst von den Fakten leiten. „Ich würde schon sagen, ich bin Bundesligaspieler. In dem Sinne, dass ich in der Bundesliga gespielt habe“, erklärt der Mittelfeldspieler des 1. FC Union also.

Doch er macht auch eine ebenso kleine wie notwendige Einschränkung bei seiner Beurteilung. „Dann gibt es noch erfahrene Bundesligaspieler wie Christian Gentner oder Manuel Schmiedebach, die 200, 300 Spiele absolviert haben. Das ist dann schon noch eine andere Klasse“, sagt Andrich.

Die Intention dahinter ist klar. Der gebürtige Potsdamer will jede Auslegung seiner Worte in Richtung „Ich habe es geschafft“ verhindern. Völlig zu Recht. Zwei Partien hat Union im Oberhaus bestritten, gegen RB Leipzig (0:4) und beim FC Augsburg (1:1). Robert Andrich spielte jeweils 90 Minuten durch. Das erfüllt den von Andrich angesprochenen statistischen Teil, macht aus ihm aber noch lange keinen gestandenen Erstligaprofi.

Andrich muss nicht im Mittelpunkt stehen

Dennoch ist der Weg richtig, den der 24-Jährige bei Union eingeschlagen hat. Zumindest scheint es so. Dass Andrich für Trainer Urs Fischer bei Unions ersten Bundesliga-Auftritten nicht verzichtbar gewesen ist, spricht für den Mittelfeldspieler.

Von dem erfahrenen Gentner (34) mit seinen mehr als 370 Bundesliga-Einsätzen war immer die Rede, wenn es um die Besetzung der Schaltzentrale bei den Köpenickern ging, auch von den Aufstiegshelden Grischa Prömel (24), Manuel Schmiedebach (30) oder Felix Kroos (28). Andrich flog meist unter dem Radar.

„Es ist mir schon ganz lieb, wenn andere ein bisschen höher gehandelt werden“, kommt Andrich mit seiner Rolle gut zurecht. „Ich muss nicht unbedingt so im Mittelpunkt stehen. Wenn man seine Leistungen bringt und mit der Mannschaft Erfolg hat, kommt das von allein.“

Nervosität weiß Andrich zu überspielen

Wirklich Erfolg hat Union mit bislang einem Zähler aus zwei Partien noch nicht gehabt. Aber Andrich hat angedeutet, wie wichtig er für die Mannschaft im Kampf um den Klassenerhalt sein kann. Als Beleg sollen die ersten Momente seiner und Unions Bundesliga-Premiere dienen.

„Natürlich habe ich mich gefreut“, sagt Andrich, als Trainer Fischer ihn und nicht Schmiedebach neben Prömel ins defensive Mittelfeld beorderte: „Erstes Spiel, dann gleich gegen Leipzig“, für Andrich gab es genug Grund für Lampenfieber.

„Klar, dass man auch ein bisschen nervös ist“, gibt Andrich zu, „aber ich kann das schon ein bisschen überspielen.“ Unaufgeregt und sachlich seinen Job erledigen, das ist Andrichs Ding. Eine Art, die nicht immer bei allen gut ankam.

Über Hertha und Heidenheim zu Union

„Meine Spielweise wirkt so, dass alles immer ein wenig ruhiger ist. Früher hat man sogar phlegmatisch gesagt“, berichtet Andrich. Nun ist phlegmatisch negativ belastet. „Wenn die Ergebnisse nicht stimmen, dann schon“, sagt Andrich. Erst bei guten Resultaten verwandelt sich behäbig in ruhig oder gleichgültig in ausgleichend.

Den Weg, den Andrich eingeschlagen hat, berührt das nicht. Vom FV Turbine Potsdam ging es über Hertha BSC, Dynamo Dresden, den SV Wehen Wiesbaden und den 1. FC Heidenheim im Sommer an die Alte Försterei. Die ersten beiden Spiele haben gezeigt, dass seine „bemerkenswerte Entwicklung“ (Geschäftsführer Oliver Ruhnert) bei Union weitergehen kann.

Auch wenn er sich im Zentrum oder sogar hinter den Spitzen wohler fühlt, Trainer Fischer hat ihn bislang vor allem als Stabilisator im defensiven Mittelfeld auserkoren. „Auf der Position ist wichtig, dass Grischa und ich die Mannschaft so weit wie möglich zusammenhalten“, umreißt er sein Aufgabengebiet beim Aufsteiger.

Prömel fehlt verletzt gegen den BVB

Das Duo wird es jedoch nicht geben, wenn Union am Sonnabend im Topspiel des dritten Spieltages Borussia Dortmund empfängt (18.30 Uhr, Alte Försterei). Prömel muss gegen den Mitfavoriten um die Meisterschaft zuschauen, laut Trainer Fischer wegen einer „Verletzung am Bein“.

Gentner, der nach seinen Rückenproblemen am Donnerstag wieder „das komplette Training bestreiten konnte“ (Fischer), könnte nun an Andrichs Seite rücken. Auch Schmiedebach oder Kroos stünden bereit.

Dass nicht nur wegen des hochkarätigen Gegners mehr Verantwortung auf Andrich zukommen wird, steht außer Frage. Es gilt, die Fehler zu minimieren, die Union zum Auftakt gegen Leipzig begangen hat. Zu oft standen die einzelnen Mannschaftsteile zu weit auseinander.

Andrich will von den Besten lernen

Platz, den Leipzig gnadenlos zu nutzen wusste. Und den auch Dortmund nutzen wird. „Das wird auf jeden Fall ein Riesenspiel, ähnlich wie gegen Leipzig“, freut sich Andrich auf das Duell mit Marco Reus und Co.: „Wir wollten ja in die Bundesliga. Jetzt sind die Spiele da, und an denen müssen wir wachsen. Da lernt man von den Besten.“

In Ehrfurcht zu erstarren braucht Andrich jedenfalls nicht. Schließlich ist er Bundesligaspieler.

Mehr über Union lesen Sie hier.