Bundesliga

Union muss in Augsburg ein anderes Gesicht zeigen

Aufsteiger Union braucht in Augsburg einen Nachweis seiner Bundesliga-Tauglichkeit. Das kann laut Trainer Fischer aber noch dauern.

Union (hier Grischa Prömel) muss sich beim Spiel in Augsburg in die Saison kämpfen

Union (hier Grischa Prömel) muss sich beim Spiel in Augsburg in die Saison kämpfen

Foto: Britta Pedersen / picture alliance/dpa

Berlin. Für Unterhaltung in Augsburg ist gesorgt. Die Fan-Initiative „Augsburg calling“ lädt Anhänger des 1. FC Union und des FC Augsburg rund um das erste Auswärtsspiel des Bundesliga-Aufsteigers aus Berlin zu einem bunten Rahmenprogramm ein.

Am Freitagnachmittag werden geladene Gäste vom Augsburger Oberbürgermeister Kurt Gribl empfangen, es folgen am Sonnabend ein Frühshoppen im Altstadt-Café, eine gemeinsame Stadionrunde der Fans, bevor die Partie um 15.30 Uhr angepfiffen wird, und ein Ausklingen im Rosenaubiergarten mit Livemusik.

Das Gemeinschaftsprojekt will damit Zeichen setzen für Verständigung und gegen Gewalt und Rassismus. Gut 2500 Union-Fans werden in Augsburg zur Auswärtspremiere der Köpenicker im Oberhaus erwartet.

Union braucht Punkte für die Moral

Da haben die Fans wenigstens etwas zu lachen, werden die Defätisten unter den Union-Sympathisanten nun anmerken. Nachvollziehbar, waren die bisherigen 90 Minuten der Mannschaft von Trainer Urs Fischer doch alles andere als Beleg für die Erstliga-Tauglichkeit der Köpenicker.

Doch genau darum geht es für die Profis nach dem 0:4-Debakel zur Premiere gegen RB Leipzig vor einer Woche. Die Trimmel, Prömel und Co. müssen bei den Schwaben den Nachweis erbringen, dass sie in der Lage sind, die gestiegenen Anforderungen in der Bundesliga zu erfüllen.

Und im besten Fall sollte auch noch etwas Zählbares mitgebracht werden. Ein Punkt, der die Moral hebt, des Selbstbewusstsein stärkt, im günstigsten Fall sogar die ersten drei Zähler auf dem Weg zum Klassenerhalt. „Um sich aufzubauen, braucht es in Augsburg eine andere Vorstellung als gegen Leipzig, von der wir sagen können, mit der können wir leben“, forderte Fischer: „Ob das mit einem Punkt belohnt wird…“

Union muss schneller werden

Adaption, die Anpassung an die neue Liga, ist das Thema, das den Schweizer Coach und seine Mannschaft in den nächsten Tagen und Wochen begleiten wird. Und das alle schnellstmöglich zu einem positiven Ergebnis führen muss.

Es geht um Schnelligkeit, sowohl der gedanklichen, als auch der Handlungsschnelligkeit. Beides hatte Union gegen Leipzig zu oft vermissen lassen. In Augsburg, das ist schon jetzt klar, sollte dies nicht noch einmal passieren.

„Dieses Adaptieren wird uns noch eine Zeit lang begleiten“, ist sich Fischer sicher: „Es wird nicht das letzte Mal sein, dass wir unsere Lehren ziehen müssen.“

Trainer Fischer fordert Wachsamkeit

Es gilt, die fehlende Schnelligkeit zu erhöhen. Eine Aufgabe, die nicht so einfach ist. „Du musst die Spieler im Training immer wieder in Drucksituationen bringen, Szenen kreieren, wie du sie auch im Spiel antriffst“, erklärte Fischer.

Seine Spieler auch immer wieder darauf hinzuweisen, „auch bei stehenden Bällen wachsam zu sein“, so Fischer, gehöre dazu. Auch hier gab es gegen Leipzig „immer wieder Probleme, weil wir zu wenig konzentriert waren, zu wenig den Blick in Richtung Ball hatten“.

In einem großen Kader mit ausreichend Konkurrenzkampf, wie man ihn bei Union vorfindet, sollten entsprechende Trainingsmaßnahmen möglich sein. Die Sache hat dennoch einen ganz entscheidenden Haken. „Das Spiel ist immer noch das Spiel“, sagte Fischer. Den Rahmen, den eine Bundesliga-Partie mit sich bringt, kann man eben nicht simulieren.

Gegner Augsburg ist schon angeschlagen

Insofern kommt der FC Augsburg gelegen, ein Gegner, der eher auf Augenhöhe der Köpenicker sei, wie Mittelfeldspieler Christian Gentner unter der Woche wissen ließ. Ein Gegner, der nach dem überraschenden Aus im DFB-Pokal (1:2 bei Regionalligist SC Verl) und dem mageren Auftritt in Dortmund (1:5) schon richtig in den Seilen hängt.

Von einem „kleinen Gegner“ zu sprechen, verbietet sich jedoch. Spätestens nach den letzten Transfers, die die Schwaben getätigt haben. Den endgültigen Abgang von Marvin Friedrich zu Union hat der FCA jedenfalls mehr als gut kompensiert.

So präsentierte Augsburg mit dem kroatischen WM-Zweiten Tin Jedvaj (23, Bayer Leverkusen), vor allem aber mit dem Schweizer Stephan Lichtsteiner (35) zwei neue Abwehrspieler, die ohne Zweifel eine gute Portion Qualität mitbringen.

Lichtsteiner macht Unions Aufgabe nicht leichter

Vor allem Lichtsteiner kann mit seiner Erfahrung – ähnlich wie man es sich bei Union mit Neven Subotic erhofft – einiges bei den Augsburgern bewirken. Der 105-malige Schweizer Nationalspieler lief zuletzt für den FC Arsenal auf, davor stand er sieben Jahre bei Juventus Turin unter Vertrag. Das macht Unions Aufgabe nicht einfacher.

Dennoch steht außer Frage: Union muss in Augsburg ein anderes Gesicht zeigen. Und zwar nicht, um sich nach der „Ohrfeige“ (Fischer) gegen Leipzig gleich die nächste Watschn gegen Augsburg abzuholen. Sportlich, wohlgemerkt, denn die Fantreffen der Initiative „Augsburg calling“ sind bekannt für ihren freundschaftlichen Charakter.

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