Bundesliga

Union zwischen Ernüchterung und Erkenntnis

Der 1. FC Union hat gegen Leipzig schmerzhaft erfahren müssen, was ihn in der Bundesliga erwartet. Darauf kann der Aufsteiger aufbauen.

Die Union-Fans feiern ihre Mannschaft, die Spieler bedanken sich nach der Niederlage gegen Leipzig.

Die Union-Fans feiern ihre Mannschaft, die Spieler bedanken sich nach der Niederlage gegen Leipzig.

Foto: Andreas Gora / dpa

Berlin. Das Debakel beim Bundesliga-Debüt, dieses 0:4 gegen RB Leipzig im ersten Erstliga-Spiel der Vereinsgeschichte, es hat Spuren hinterlassen. Auf der einen Seite waren da die vielen Fans, die die Premieren-Niederlage mehr oder weniger als notwendiges Beiwerk einer ersten Bundesliga-Party hinnahmen. Noch 20 Minuten nach dem Abpfiff hatten sie am Sonntagabend ihre Mannschaft, vor allem aber sich selbst gefeiert.

Auf der anderen Seite war da die Mannschaft um Trainer Urs Fischer, deren Gefühlslage auch am Tag danach noch zwischen Enttäuschung, sogar Ernüchterung und Erkenntnis schwankte. Weil es wegen des Ergebnisses, vor allem aber wegen des Auftritts in den ersten 90 Minuten nichts zu feiern gab.

Die Euphorie, die Vorfreude auf die Bundesliga ist mit einem Schlag knallharter Realität gewichen. Schon am späten Sonntagabend nach dem Spiel begann Fischer mit seiner Analyse, am Montagvormittag setzte er sie fort.

Unions Profis sahen sich gut vorbereitet

So sprach der Schweizer Coach von Naivität oder zu wenig Vorsicht im Spielaufbau, einer „Kettenreaktion von Fehlern, die zu Gegentoren führen“ und vom schwindenden Selbstvertrauen nach Ballverlusten. Vor allem aber davon, dass seine Profis nicht das haben abrufen können, was man vom Aufsteiger erwarten durfte.

„Du siehst die Mannschaft sieben Wochen in der Vorbereitung, siehst, wie sie gegen den Ball arbeitet, welche Organisation sie hat“, erklärte Fischer. Seine Spieler hätten eigentlich so weit sein sollen, im ersten Spiel zumindest einen ansehnlichen Auftritt hinzulegen.

„Wir haben uns lange genug für die Bundesliga vorbereitet und gedacht, dass wir Leipzig Paroli bieten können“, war sich nicht nur Mittelfeldspieler Grischa Prömel sicher. Die 90 Minuten vom Sonntag sprachen eine andere Sprache, weil, so Fischer, seine Spieler „viele Dinge eben nicht auf den Platz gebracht haben. Das ist auch das, was uns und die Jungs am meisten enttäuscht, dass sie das nicht abrufen konnten, was wir eigentlich von ihnen gewohnt sind“.

Union muss das richtige Tempo finden

Union offenbarte große Lücken zwischen den Mannschaftsteilen, Räume, die Gegner Leipzig eiskalt auszunutzen wusste. Auch das richtige Tempo hat der Aufsteiger noch nicht gefunden. Der Spielaufbau wirkte nicht selten überhastet und war damit fehlerhaft, Torwart Rafal Gikiewiczs ungenauer Abwurf führte sogar zum zweiten Gegentor.

Dafür fehlte es an anderer Stelle an Handlungsschnelligkeit. Beispiel Sebastian Andersson, der sich bei Unions größter Torchance soviel Zeit für den Abschluss nahm wie noch zu Zweitliga-Zeiten – und es damit Leipzigs Verteidiger Ibrahima Konaté ermöglichte, ihn noch locker abzugrätschen.

Hinzu kam ein Zweikampfverhalten, das jedem Gegner in die Karten spielt. „Wir waren immer die ein, zwei Meter zu langsam, dann wird es schwierig. So kannst du keine Zweikämpfe führen“, stellte Mittelfeldspieler Grischa Prömel fest.

Union bekommt Unterschied zur Zweiten Liga zu spüren

Bei der Suche nach Erklärungen bleiben die Antworten, die Fischer und Co. fanden, rar. „Es wäre ja auch einfach, wenn man immer auf alles eine Erklärung hätte. Das Entscheidende ist: So darfst du dich nicht verhalten“, sagte Fischer. Mutig sein, nach vorn verteidigen, Dinge, die Fischer als „Basics“ bezeichnet – sie alle fehlten am Sonntag gegen Leipzig.

Die Köpenicker bekamen bitter zu spüren, was sie erwartet in der Bundesliga: Mehr Qualität, als sie bislang gewohnt gewesen waren – in allen Bereichen. Dies gilt nicht nur für Gegner des Kalibers Champions-League-Teilnehmer, sondern auch für jene, bei denen sich Union durchaus etwas Zählbares erhoffen darf.

„Das haben wir erwartet, deshalb hatten wir es im Vorfeld ja auch angesprochen“, erläuterte Fischer. Doch weil es eben keine Erfahrungswerte für die Köpenicker gab, zahlten sie gleich am ersten Tag ordentlich Lehrgeld. „Es geht darum, sich so schnell wie möglich zurechtzufinden. Und es ist ein Unterschied zur Zweiten Liga, wie wir am Sonntag gesehen haben. Wenn du dann anfällig für Fehler bist, bekommst du die Quittung“, so Fischer.

Union-Trainer Fischer: „Schnell zurechtfinden“

Die Erkenntnis aus dem Leipzig-Spiel: Liefert Union noch öfter solche Leistungen ab, machen es sich die Köpenicker auf dem nicht leichten Weg zum Klassenerhalt nur selbst unnötig schwerer.

„Für mich ist das Wichtigste, dass wir einsehen, dass es so nicht geht. Und da sind wir ehrlich genug und können in den Spiegel schauen“, sagte Fischer: „Ich wiederhole mich: Wir müssen uns schnellstmöglich zurechtfinden. Das können wir besser, das müssen wir besser machen. Punkt.“ Am besten schon am Sonnabend im ersten Auswärtsspiel beim FC Augsburg.

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