Bundesliga

Unions Innenverteidigung wird zur Großbaustelle

Bei Union ist vor dem Pokalspiel in Halberstadt das frühere Prunkstück Innenverteidigung größte Baustelle. Doch es gibt Lichtblicke.

Unions Innenverteidiger Keven Schlotterbeck (l.) hält Jospeh Aidoo von Celta Vigo in Schach.

Unions Innenverteidiger Keven Schlotterbeck (l.) hält Jospeh Aidoo von Celta Vigo in Schach.

Foto: Matthias Kochvia www.imago-images.de / imago images / Matthias Koch

Berlin. Training statt freier Tage, nur weil im Härtetest gegen Celta Vigo verloren wurde? Das wäre für Urs Fischer dann doch ein wenig „oldschool“, wie der Trainer des 1. FC Union wissen ließ. Stattdessen schaltet der Aufsteiger in die Fußball-Bundesliga rund zwei Wochen vor dem Ligastart gegen RB Leipzig (18. August, 18 Uhr, Alte Försterei) in den Wettkampfmodus.

Am Sonntag wartet beim Nordost-Regionalligisten Germania Halberstadt (15.30 Uhr, Friedensstadion) die erste Prüfung auf die Köpenicker, folglich startet Fischer mit seiner Mannschaft erst am Dienstagnachmittag in die Vorbereitung auf dieses Spiel.

Zwei Tage Pause, bevor es ernst wird. „Es ist wichtig, dass die Jungs runterfahren“, sagte Fischer mit Blick auf die Vorbereitungsphase: „Die fünf Wochen waren doch sehr intensiv, die Jungs sollen sich erholen.“

Friedrich ist gesperrt, Hübner noch nicht fit

Auf die Mannschaft wartet dann der erste Matchplan, auf Trainer Fischer eine nicht unwichtige Baustelle, ausgerechnet in jenem Mannschaftsteil, der in der vergangenen Spielzeit noch das Prunkstück gewesen ist: die Innenverteidigung.

Marvin Friedrich und Florian Hübner hatten in der Aufstiegssaison maßgeblichen Anteil daran, dass Union seinen Bundesliga-Traum verwirklichen konnte. Hübner absolvierte inklusive der Relegation gegen den VfB Stuttgart 29 Einsätze für die Berliner, Friedrich gar alle 36.

Beide werden jedoch im ersten Pflichtspieleinsatz am Sonntag zuschauen müssen. Friedrich ist gesperrt. Der 23-Jährige sah bei Unions bislang letztem Pokalspiel bei Borussia Dortmund (2:3 n.V.) Ende Oktober vergangenen Jahres Gelb-Rot kurz vor Ende der Verlängerung. Sein Trikottest am Dortmunder Christian Pulisic verursachte zudem jenen Elfmetertreffer von Marco Reus, der Union das Aus in Runde zwei gebracht hatte.

Auch Subotic braucht noch Zeit

Und Hübner ist immer noch nicht wieder fit. Der 28-Jährige laboriert seit Wochen an einer Knieverletzung, die er sich in einer der ersten Trainingseinheiten bei einem Zweikampf mit Grischa Prömel zugezogen hatte.

Laut Fischer ist Hübner zwar „auf gutem Weg zurück. Er konnte schon wieder trainieren. Ich hoffe, dass er in der Woche Teile des Mannschaftstrainings mitmachen kann.“ Den Abschlusstest gegen Celta Vigo (0:3) verfolgte Hübner in Zivil von der Tribüne aus. In den fünf Testspielen zuvor stand er keine Minute auf dem Platz.

Auch Neven Subotic wird für Halberstadt keine Option sein. Immerhin absolvierte der Ex-Dortmunder nach überstandener Knieverletzung (noch beim AS Saint-Étienne erlitten) beim vorletzten Test gegen den VfL Wolfsburg (1:1) seine ersten 30 Minuten im Union-Trikot und signalisierte, dass er wieder da ist. Doch bei ihm tritt Trainer Fischer noch auf die Bremse: „Er ist noch nicht so weit. Es braucht einfach seine Zeit, wenn du dreieinhalb Monate ausfällst. Das bekommst du nicht in zwei Wochen hin.“

Schlotterbeck macht auf sich aufmerksam

Einer, der bislang einen guten Eindruck hinterlassen hat, sei es im Training oder auch in den Testspielen, ist Keven Schlotterbeck. Vom Bundesliga-Konkurrenten SC Freiburg für ein Jahr ausgeliehen, spielte Schlotterbeck gegen Erzgebirge Aue (1:1) an der Seite von Friedrich komplett durch, kam gegen Wolfsburg 60 Minuten zum Einsatz, zuletzt gegen Celta Vigo 80 Minuten.

Sicher ist bei ihm noch Luft nach oben, doch gerade gegen den spanischen Erstligisten hat er seine Sache mehr als ordentlich erledigt. Schlotterbeck hat sich für den Pflichtspielstart definitiv empfohlen.

Neben dem Schwaben hat Nicolai Rapp Pluspunkte sammeln können. In der vergangenen Winterpause von Erzgebirge Aue gekommen, war der 22-Jährige in der vergangenen Rückrunde nur selten ein Kandidat für den Spieltagskader. Nun wird er jedoch gebraucht.

Auch Rapp steht bereit

Gegen Wolfsburg spielte er eine Stunde, gegen Celta Vigo als einer von drei Profis (außerdem Torwart Rafal Gikiewicz und Kapitän Christopher Trimmel) komplett durch. Dass Rapp neben Schlotterbeck auch in Halberstadt auflaufen wird, ist keineswegs unwahrscheinlich.

Einer, der etwas dagegen haben dürfte, ist Lars Dietz. Der 22-Jährige kam im Januar 2018 von Borussia Dortmund II zu Union mit dem Anspruch, spielen zu wollen – und wurde vom damaligen Trainer André Hofschneider kein einziges Mal berücksichtigt.

Überhaupt absolvierte der Innenverteidiger noch keinen Pflichtspieleinsatz für die Köpenicker. Was auch daran liegt, dass er sich für die Saison 2018/19 an die Sportfreunde Lotte ausleihen ließ. Beim Drittligisten zählte er trotz zweier Verletzungen (Muskelfaseriss, Syndesmosebandriss) zum Stammpersonal, spielte dort auch im defensiven Mittelfeld.

Dietz wirkt inzwischen robuster

Die Vorbereitungswochen haben gezeigt, dass ihm der Lotte-Abstecher gut getan hat. Dietz wirkt um einiges robuster, ist auch in den Zweikämpfen gefestigter und sicherer. Trotz seiner Entwicklung könnte für ihn die Bundesliga noch zu früh kommen.

Ein erneute Ausleihe, um vielleicht auf Zweitliga-Niveau mehr Erfahrungen zu sammeln, ist eine Option. Die Möglichkeit, sich im Pokalspiel in Halberstadt weiter ins Gedächtnis von Trainer Fischer zu spielen, will sich Dietz trotzdem nicht entgehen lassen.

Mehr über Union lesen Sie hier.