Zweite Liga

Union muss sich in neuer Rolle beweisen

Die Gejagten aus Köpenick: Zweitligist Union muss zum Hinrundenfinale gegen Bochum zeigen, dass er nicht nur als Jäger bestehen kann.

Union-Trainer Urs Fischer treibt seine Mannschaft voran

Union-Trainer Urs Fischer treibt seine Mannschaft voran

Foto: Joachim Sielski / dpa

Berlin.  Wenn es eine Rolle gibt, in der sich der 1. FC Union in den vergangenen Jahren gefallen hat, dann die des Jägers. Ambitioniert, den Favoriten der Zweiten Liga nach Möglichkeit so dicht wie möglich im Nacken sitzend, immer in der Gewissheit, etwas erreichen zu können, aber nie zu müssen.

Beginnend mit dem Heimspiel gegen den VfL Bochum am Sonnabend (13 Uhr, Alte Försterei) muss sich die Mannschaft von Trainer Urs Fischer nun allerdings mit der Rolle des Gejagten auseinandersetzen. Angesichts des Abstandes zum Spitzenduo Hamburger SV (Herbstmeister nach dem 2:1 in Duisburg) und 1. FC Köln gilt es vor allem, den dritten Platz zu sichern und die Angriffe der direkten Verfolger – so wie Bochum – abzuwehren.

Eine Rolle, die sich die Köpenicker mit ihrer Serie, als einziger Zweitligist noch ungeschlagen zu sein, selbst erspielt haben. Dem Team steht damit der nächste Schritt in der Entwicklung bevor, auf einem Weg, der den Klub dauerhaft in den Top 20 des deutschen Fußballs etablieren soll, so wie es Klubchef Dirk Zingler schon vor Jahren ausgerufen hatte – gern als dauerhafter Gast in der Bundesliga.

Die Verfolger reichen bis Rang elf

Hinunter bis Platz elf ginge der Kampf um den Relegationsplatz drei, ließ Unions Trainer Urs Fischer wissen, und konnte dabei ein gewisses Maß an Erstaunen nicht verbergen. „Ich hätte nicht gedacht, dass es noch einmal so eng zugeht“, sagte der Schweizer mit Blick auf die vergangene Spielzeit, in der gefühlt zwei Drittel der Liga bis Saisonende um den Klassenerhalt spielten.

Die Ausgeglichenheit ist geblieben, nur der Blick hat sich in die andere Richtung gewendet, nach oben. „Es spricht für die Zweite Liga, wenn du in jedem Spiel ans Limit gehen musst und viele Entscheidungen erst in der Nachspielzeit fallen“, erklärte Fischer. Dass seine Mannschaft selbst davon schon profitieren konnte, zum Beispiel beim späten Sieg gegen Kiel (2:0) oder dem noch späteren Unentschieden gegen Heidenheim (1:1), soll hier nicht unerwähnt bleiben.

Es ist auch ein Beleg dafür, dass die Profis unter Fischer nicht nur an sich glauben, sondern auch daran, die Rolle des Gejagten ausfüllen zu können. „Den Weg, den wir eingeschlagen haben, nämlich von Spiel zu Spiel zu schauen, sind wir bislang gut gefahren“, sagte Fischer.

„Es gibt keinen Grund für Euphorie“

Ein Weg, der alle Beteiligten bei Union bislang auf dem Boden hält. „Ich habe nicht das Gefühl, dass eine Wahnsinns-Euphorie ausgebrochen ist“, gab Fischer einen kurzen Einblick ins Seelenleben des Klubs: „Es gibt auch keinen Grund dafür, alle haben schon Situationen erlebt, wo du oben standest und innerhalb kürzester Zeit hat sich alles gedreht.“ Der Saisonendspurt 2017, in den Union als Spitzenreiter gestartet war und nach dem dann doch nur der vierte Platz heraussprang, ist noch in guter Erinnerung.

Das soll sich in dieser Spielzeit ändern. Voraussetzung dafür ist ein Sieg gegen Bochum, nicht nur um den Abstand zum VfL selbst zu vergrößern, sondern auch die anderen Jäger wie den FC St. Pauli, Holstein Kiel oder Heidenheim mindestens auf Distanz zu halten.

Doch Fischer wäre nicht Fischer, würde er nicht auch vor diesem Gegner eindringlich warnen: „Für mich zählt Bochum zu den spielstärksten Mannschaften. Sie versuchen, viel Ballbesitz zu haben, Schwierigkeiten spielerisch zu lösen.“ Und sie werden ihre Niederlage vom vergangenen Montag gegen St. Pauli (1:3) „wettmachen wollen. Wir brauchen einen ganz guten Tag, wir werden ganz sicher gefordert werden“, so der Union-Trainer.

Zwischenziel ist das Überwintern auf Rang drei

Das Zwischenziel muss sein, auf Relegationsplatz drei zu überwintern. Weil die so gern zitierte Momentaufnahme Tabellenstand durch die Winterpause fünfeinhalb Wochen dauern wird.

„Wenn es so ist, gibt dir das natürlich ein gutes Gefühl“, so der Coach, der für einen guten Jahresabschluss explizit den Rückrundenstart in Aue (23. Dezember) miteinbezieht – wohl wissend, dass es in der Winterpause viel Zeit zum Nachdenken gibt: „Wenn du nicht punktest, hast du das über die Ferienzeit auch ein bisschen im Kopf. Wenn es wieder losgeht, das erste Training, Freundschaftsspiele, das erste Rückrundenspiel – dann liegt der Fokus schon wieder woanders.“

Bei Union hätte wohl keiner etwas dagegen, wenn dieser Fokus weiter vom Status des gejagten Drittplatzierten begleitet werden würde. Mindestens.

© Berliner Morgenpost 2019 – Alle Rechte vorbehalten.