Zweite Liga

Polter und Lasogga – zwei torreiche Halunken

HSV gegen Union ist auch das Duell der Stürmer Sebastian Polter und Pierre-Michel Lasogga. Beide sind für ihre Klubs unverzichtbar.

Stürmer Sebastian Polter ist nicht nur wegen seiner Tore Publikumsliebling

Stürmer Sebastian Polter ist nicht nur wegen seiner Tore Publikumsliebling

Foto: Jörg Carstensen / dpa

Berlin.  Große Mannschaften und ihre Erfolgsgeschichten sind nicht zuletzt auch die Geschichten bestimmter Spieler, die diese Mannschaften prägen. Die herausstechen, den Unterschied ausmachen können, immer da sind, wenn sie gebraucht werden, mit vollem Einsatz und meist ohne Rücksicht auf die eigene Gesundheit. Mit Blick auf das Spitzenspiel der Zweiten Liga am Montagabend im Volksparkstadion zwischen dem Hamburger SV und dem 1. FC Union (20.30 Uhr, Sky) fallen einem da unweigerlich zwei Namen ein: Pierre-Michel Lasogga und Sebastian Polter.

Beide sind Vollblutstürmer, die in diesen Wochen gerade dabei sind, ihre Mannschaften jeden Spieltag einen kleinen Schritt weiter in Richtung Bundesliga zu schießen. Doch nicht nur wegen seiner Tore und seiner Spielweisen ist das Duo für beide Klubs so wertvoll. Polter und Lasogga sind die Figuren, mit denen sich die Fans identifizieren können. Weil sie neben ihren Leistungen auf dem Platz, die nicht gerade von filigraner Technik, sondern eher von harter Arbeit und von Kampf geprägt sind, auch jenes Maß an Volksnähe mitbringen, die es braucht, um die Menschen rund um den Klub mitzunehmen.

Und – natürlich – nähren sie mit dem Gesamtpaket auch die Hoffnungen, dass im Falle des HSV die sofortige Rückkehr bzw. Union endlich der Sprung ins Oberhaus des deutschen Fußballs gelingen kann. Wenn Lasogga, 26 Jahre alt, geboren in Gladbeck, angesprochen auf seine Internet-Seifenoper bei bild.de zu verstehen gibt: „Wir sind so, wie wir sind. Wir verstellen uns nicht“, so unterstreicht das seine Authentizität. So grell und laut, gern auch mal prollig, wie Lasogga in der Serie im Kreise seiner Familie (angeführt von Mutter und Beraterin Kerstin) dargestellt wird, agiert der HSV-Torjäger auch auf dem Rasen, mit vollem Körpereinsatz, mal robust, mal rüpelhaft und den eigenen Treffer laut mit den Anhängern auf den Rängen feiernd.

Wie die personifizierte Aufstiegsgarantie

Ähnliches lässt sich auch über Polter sagen. Wie die personifizierte Aufstiegsgarantie hatten ihn die Union-Fans bei seiner Rückkehr im Januar 2017 empfangen, fast schon wie einen Messias. Seitdem vergeht kaum ein Gespräch, in dem der 27-Jährige, in Wilhelmshaven zur Welt gekommen, nicht von dem Glauben spricht, etwas Großes erreichen zu können. Dafür arbeitet er akribisch, in jeder Trainingseinheit, nach auskuriertem Achillessehnenriss vom März dieses Jahres vielleicht sogar noch ein wenig akribischer.

„Die Einstellung, die er mitbringt, ist beispielhaft“, sagte Union-Trainer Urs Fischer über seinen Stürmer. Ebenso wie der Schweizer hatte auch Coach Hannes Wolf in Hamburg einen ordentlichen Anteil daran, dass beide Profis richtig in Schwung gekommen sind.

Immer wieder verwies Fischer bei jedem Comeback-Gerücht Polters im Sommer auf die Schwere der Verletzung, auf die Zeit, die es brauche, bis der 1,92-Meter-Mann endlich wiederhergestellt sei. Der Schweizer konnte dies tun, weil Zugang Sebastian Andersson in die Bresche gesprungen war mit seinen vier Treffern.

Rückkehr mit dem Tor des Monats

Und als es dann für Polter endlich für zumindest einen Teileinsatz reichte, bedankte sich Unions Nummer 9 mit dem Tor des Monats für das frühe Vertrauen, das Fischer Polter gegeben hatte. Der Fallrückzieher gegen Kiel (2:0) als Startschuss für eine Leistungskurve, die seit jenem Septemberabend nur noch eine Richtung kennt: steil nach oben. Spätestens mit seinem Doppelpack zuletzt gegen Fürth (4:0) ist Polter wieder richtig im Ligaalltag angekommen. „Es fehlt schon noch ein bisschen was“, gibt er zu, „zwei Tore übertünchen natürlich vieles.“

Sein Sturmkonkurrent Andersson bleibt dennoch derzeit nur die Reservistenrolle. Weil, wie Trainer Fischer durchaus erstaunt feststellte, „es im Moment sehr gut läuft“ für Polter, „fast zu optimal. Nach so einer Verletzung in ein Loch zu kommen, wäre normal. Aber er hatte es noch nicht.“

Seit Trainer Wolf im Oktober in Hamburg das Kommando übernommen hat, geht es auch für den 1,89 Meter großen Lasogga nur nach oben. Last-Minute-Tor im Spitzenduell gegen Köln (1:0), zuletzt Führungstor in Aue (3:1) – zwei Treffer, die aus dem Vertrauen resultieren, das Wolf Lasogga als erste Amtshandlung gegeben hat: Statt wie in den letzten Spielen unter Wolf-Vorgänger Christian Titz nur Joker zu sein, ist der Ex-Herthaner nun in der Startelf gesetzt.

Polter hat vier Treffer auf dem Konto, Lasogga sieben

„Ich bin froh, dass es bislang so gut funktioniert hat“, ließ Wolf nun wissen. Und dass es „keine faire Entscheidung“ gewesen sei. Sie war der Kürze der Vorbereitung auf das erste Spiel unter Wolf geschuldet, „da musste ich mich schnell festlegen“. Wolfs Bauchgefühl hat ihn offenbar nicht im Stich gelassen. Lasogga war in jedem der vier Pflichtspiele unter Wolf mindestens an einem Tor direkt beteiligt, sein Konto steht derzeit bei sieben Liga-Treffern und drei Vorlagen.

Fischer weiß um die Gefährlichkeit des Hamburger Sturmführers. „Ich glaube, er hat seit Saisonbeginn nicht so eine schlechte Phase, nur beginnt er die Spiele jetzt“, sagte Unions Trainer: „Und dass er im Strafraum gefährlich ist, weiß man seit Längerem. Er steht immer am richtigen Ort, geht aber auch immer konsequent dahin, wo ein Strafraumstürmer hingehen muss. Die ganze Mannschaft ist gefragt, ihn in den Griff zu bekommen.“ Gleiches gilt für die Hamburger bei Polter (vier Saisontreffer, eine Vorlage).

Ob als Vollstrecker, ob als sogenannter Wandspieler, der lange Bälle halten kann und die Mitspieler in Szene setzt, oder einfach nur als Unruheherd in des Gegners Defensive – Polter ist bei Union derzeit ebenso wenig wegzudenken wie Lasogga bei den Hamburgern. „Man muss hart dafür im Training arbeiten, um genau da zu stehen“, erklärte Polter. Am Montagabend wird sich zeigen, wer härter gearbeitet hat.

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