Zweite Liga

Joshua Mees macht’s möglich für Union

Der Stürmer bringt Zweitligist Union die zuletzt vermisste Abgezocktheit vor dem Tor zurück – und hat noch lange nicht genug.

Union-Stürmer Joshua Mees klatscht mit Trainer Urs Fischer ab

Union-Stürmer Joshua Mees klatscht mit Trainer Urs Fischer ab

Foto: Matthias Kern / Bongarts/Getty Images

Berlin.  Joshua Mees wirkte, als sei ihm die plötzliche Aufmerksamkeit nicht ganz geheuer. Dabei bot das 4:0 gegen Fürth am Sonntag genug Anlass für den Stürmer des 1. FC Union, den Moment ausgiebig zu genießen. Schließlich war der 22-Jährige mit zwei Toren und einer Vorlage der Mann des Spiels. Und er hatte lange darauf warten müssen, um endlich seine Qualitäten zu zeigen, wegen derer ihn der Berliner Fußball-Zweitligist im Sommer aus Regensburg geholt hatte.

„Ich habe mir vorgenommen, wieder in Situationen zu kommen, um Tore zu schießen und vorzubereiten. Das hat vergangene Saison gut geklappt, daran will ich anknüpfen“, sagte Mees und klang jetzt nicht wie jemand, der seine Mannschaft gerade von einer kleinen Last befreit hat: der der fehlenden Abgezocktheit vor dem Tor, die eine Ursache für die zuvor vier Unentschieden in Folge gewesen ist.

So lobte denn auch Trainer Urs Fischer den ehemaligen Hoffenheimer. Mees habe „gezeigt, wozu er fähig ist. Um Tore zu erzielen, braucht es ein Fundament. Aber natürlich braucht er auch Spielpraxis“, sagte der Schweizer. Dass Mees dieses Fundament erst jetzt hat legen können, statt schon viel öfter Spielpraxis zu sammeln, ist seinem unglücklichen Start bei den Köpenickern geschuldet. Die Erwartungen an den Stürmer aus dem Hoffenheimer A-Jugend-Meisterjahrgang 2014 waren groß, doch sein „guter Zug zum Tor“ (Mees über Mees) kam wegen einer Oberschenkelverletzung, erlitten nach dem ersten Saisonspiel gegen Erzgebirge Aue (1:0), erst jetzt gegen Fürth richtig in Schwung.

„Jetzt ist er bei Union angekommen“

Doch mit seiner Schnelligkeit und der Umsetzung des vom Trainer geforderten Spiels konnte Mees im „schönen Konkurrenzkampf“ (Fischer) richtig punkten. „Gerade für einen Stürmer ist es gut, wenn man gleich am Anfang des Spiels ein Tor erzielt“, erzählte Mees, „aber auch in den vergangenen Wochen war es so, dass wir Chancen hatten. Nur müssen wir auch das 1:0 machen. Dieser Knackpunkt hat vielleicht gefehlt.“ Sturmkollege Sebastian Polter, wie Mees zweifacher Torschütze gegen Fürth, sah dies ähnlich: „Wir haben das im Training auch so einstudiert, dass der Stürmer einrückt. Wenn man da nicht hinläuft, kann man auch kein Tor schießen. Ich glaube, er ist spätestens jetzt bei Union angekommen.“

Dass für ihn nach 67 Minuten am Sonntag bereits Schluss gewesen ist, nimmt Mees gelassen hin, erst recht nach den schwierigen Vorwochen. In der zweiten Halbzeit plagten ihn zudem Magenprobleme, „aber es war schon in der Pause abgesprochen, dass wir schauen, wie lange es noch geht“, so Mees. Sein Soll für das Fürth-Spiel hat er jedenfalls erfüllt, auch wenn er nicht als zweite nominelle Spitze neben Polter aufgestellt war. „Im Moment fühlt er sich außen wohl, das gibt ihm auch eine gewisse Sicherheit. Aber er hat auch Qualitäten hinter der Spitze“, sagte Fischer: „Wir hatten auch noch keine Chance, Mees als Spitze zu bringen, wegen der Verletzungen.“

Zeigt die Formkurve des gebürtigen Saarländers weiter nach oben, dürfte es nicht bei den bislang drei Startelfeinsätzen bleiben. „Ich hoffe, ich kann so weitermachen“, sagte Mees. Dann wird es ihm auch gelingen, den Moment nach einem erfolgreichen Spiel einfach zu genießen.

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