Stürmerhoffnung

Unions Mees vertritt einen Spitzenjahrgang

Unions Stürmer Joshua Mees, 2014 Meister mit Hoffenheims A-Jugend, ist beim Zweitligisten bereit für den nächsten Karriereschritt.

Unions neuer Stürmer Joshua Mees wechselte aus Regensburg an die Alte Försterei

Unions neuer Stürmer Joshua Mees wechselte aus Regensburg an die Alte Försterei

Foto: Britta Pedersen / picture alliance/dpa

Berlin.  Es gibt diese Jahrgänge, mit denen man einen besonderen Geschmack verbindet. Vor allem beim Wein, wo es oft heißt: Je älter, desto besser. Der nüchterne Blick auf den Profifußball bestätigt derweil, dass vor allem jüngere Jahrgänge mehr denn je gefragt sind. Sehr begehrt ist die Hoffenheimer Auslese von 2014.

Joshua Mees bestätigt dies, auch wenn er nicht der erste ist, der aus dem A-Jugend-Meisterjahrgang zum Profi reifte. „Von der Mannschaft sind inzwischen acht Spieler in den ersten beiden Ligen bzw. im Ausland“, sagt Mees. Nadiem Amiri zum Beispiel schaffte bei Hoffenheim den Durchbruch, Philipp Ochs kehrte über Bochum zur TSG zurück, Baris Atik kickt in Dresden, Russell Canouse, damals Kapitän, spielt bei Washington D.C. United in der US-Profiliga MLS. Und Grischa Prömel seit 2017 für den 1. FC Union, wie nun auch Mees.

Aufstrebende Profis aus der Hoffenheimer Schule, gereift unter einem gewissen Julian Nagelsmann. „Er hat versucht, jeden einzelnen besser zu machen, und immer gepredigt: Wenn die Mannschaft erfolgreich ist, ist es auch jeder einzelne. Er hat nicht ganz unrecht gehabt“, erklärte der 22-Jährige.

Das Zweitliga-Niveau bestätigen – mindestens

Dass sich der 1. FC Union nun jemanden wie Mees hat angeln können, bringt beide Seiten in eine gute Position. Der Berliner Fußball-Zweitligist bekommt einen technisch wie taktisch hervorragend ausgebildeten Angreifer, Mees selbst kann während seiner Vertragslaufzeit bis 2021 zeigen, „dass ich mindestens dieses Niveau habe. Ich habe sicher noch Potenzial nach oben.“ Für ihn geht es darum, im Minimum seine Zweitliga-Tauglichkeit, die er in der vorigen Saison in Regensburg nachgewiesen hat, zu bestätigen. Am liebsten natürlich noch mehr.

Der Start verlief jedoch holprig. Mees konnte zuletzt wegen muskulärer Probleme kaum unter dem neuen Coach Urs Fischer trainieren. Inzwischen kämpft er sich auch dank Fitness-Trainer Werner Leuthard wieder heran. Leuthard, der schon unter Fischer (in Basel) und Felix Magath (Bayern, Schalke, Wolfsburg) arbeitete, kommt zu Union, wenn der Verein seine Hilfe braucht.

Sich herankämpfen – für Mees nicht das erste Mal. „Ich habe schon erlebt, wenn man nicht voll durchziehen kann, das ist immer blöd, vor allem, wenn man zu einem neuen Verein kommt“, weiß der Blondschopf: „Als ich in Hoffenheim zu den Profis kam, wurde ich zum SC Freiburg ausgeliehen und konnte dort keine Vorbereitung mitmachen.“ Wegen permanenter Rückenschmerzen aufgrund einer zu spät entdeckten Fehlstellung hieß es für ihn: Reha. Er absolvierte kein einziges Profispiel für die Breisgauer, die 2016 in die Bundesliga aufstiegen. Und er musste folglich auch mitansehen, wie Prömel, sein ehemaliger Teamkollege des Hoffenheimer Meisterjahrgangs, bei den Olympischen Spielen in Rio mit der deutschen Mannschaft Silber gewann.

In Regensburg erste Profi-Saison

Erst 2017 schaffte er den lange erhofften Sprung zu den Profis – in Regensburg. 22 Einsätze, sechs Tore, Rang fünf, Mees scheint angekommen im Profizirkus. Doch er weiß, dass es bei Union für ihn wieder bei Null losgeht. „Wenn man gut spielt und seine Einsatzzeiten bekommt, kommt der Rest von allein. Wenn die Mannschaft gut spielt, ist man automatisch an mehr Toren beteiligt“, lässt Mees in bestem Nagelsmann‘schen Duktus wissen.

Es spricht für ihn, wenn er neben „Dynamik und Dribbling“ auch „einen guten Zug zum Tor“ als seine Stärke deklariert – und sie zugleich als Schwäche anführt. Sich wie selbstverständlich auch in seinen Stärken verbessern zu wollen, bringt Mees aus Hoffenheim mit: „Ich kann mich noch mehr in Situationen bringen, um zum Torabschluss zu kommen oder die Mitspieler einzubinden. Die Defensivarbeit ist natürlich immer zu verbessern.“

Bei Union hat man nichts dagegen, sollte Mees dem Jahrgang 2018/19 einen besonderen Geschmack verleihen.

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