Zweite Liga

Union hat endlich mal so richtig Glück

Zweitligist Union schafft gegen Fürth den höchsten Saisonsieg, ohne so richtig zu überzeugen. Polizeieinsatz im Fanblock der Gäste.

Union feiert den fünften Saisonsieg, mittendrin die Torschützen Polter (Nr. 9) und Mees (Nr. 8)

Union feiert den fünften Saisonsieg, mittendrin die Torschützen Polter (Nr. 9) und Mees (Nr. 8)

Foto: Matthias Kern / Bongarts/Getty Images

Berlin.  Von den Rängen schallte es „Keiner wird es wagen, unsren FCU zu schlagen“, auf dem Rasen nahmen die Profis des 1. FC Union die Ovationen freundlich lächelnd entgegen. Von Überschwang oder gar Euphorie war nichts zu sehen, trotz eines 4:0 (3:0) gegen die SpVgg Greuther Fürth. Die Freude über den ersten Erfolg nach vier Unentschieden in Serie, verbunden mit dem Sprung auf Relegationsplatz drei, konnte man dem Berliner Fußball-Zweitligisten nicht absprechen. Der Umgang mit dem höchsten Saisonsieg war aber von Realismus geprägt.

„Die erste Halbzeit hat mir nicht so gut gefallen, da haben wir keinen Zugriff bekommen. Fürth war die bessere Mannschaft“, sagte Trainer Urs Fischer. Das mag angesichts des komfortablen Vorsprungs von 3:0 durch die Tore von Joshua Mees (5., 10.) und Sebastian Polter (29.) vermessen klingen. Doch Unions Vorsprung – und damit auch der Sieg – basierte auf einer bislang nicht gekannten Effektivität und einer Reihe von glücklichen Umständen, nicht auf spielerischer Überlegenheit.

Beim Führungstreffer durch Mees, der auf der linken Außenbahn spielte, stand Vorlagengeber Marcel Hartel (er ersetzte den gesperrten Grischa Prömel im defensiven Mittelfeld) vor seiner Hereingabe im Abseits. Noch dazu wurde der Angriff über Fürths linke Seite initiiert, wo die Ordnung nach dem frühen Ausfall von Maximilian Wittek noch nicht wieder hergestellt war. Wittek war nach zwei Minuten mit Unions Suleiman Abdullahi zusammengeprallt und musste mit klaffender Kopfwunde ausgewechselt werden. Das 2:0, bei dem Mees eine Vorlage von Kapitän Christopher Trimmel verwertete, fiel, als Fürth in Unterzahl spielte: Daniel Keita-Ruel musste an der Seitenlinie behandelt werden. Und beim dritten Tor stand Polter beim Schuss von Mees im Weg – um den Ball schließlich entscheidend abzufälschen.

Schmiedebach entgeht einem Platzverweis

„Wir haben gerade vor der Pause zu viele Zweikämpfe nicht so geführt, wie wir es eigentlich sollten. Dennoch stand ein 3:0 zur Pause“, sagte Polter: „Manchmal muss man das Glück auch erzwingen.“ So wie in der 39. Minute, als Manuel Schmiedebach sich nicht anders zu helfen wusste, als dem Fürther David Atanga beim Konter in Höhe der Mittellinie von hinten in die Beine zu treten. Schiedsrichter Daniel Schlager (Hügelsheim) zeigte Gelb, obwohl ein Platzverweis angebracht gewesen wäre.

Oder wie beim vierten Treffer nach knapp einer Stunde. Die Fürther David Raum und Torwart Sascha Burchert waren sich vor dem eigenen Tor nicht einig, Abdullahi stolperte den Ball in die Mitte, wo Polter nur noch einzuschieben brauchte (56.). „Unser größter Schwachpunkt war, dass Fürth gut umschalten konnte. Das wollten wir unbedingt verhindern“, erklärte Trimmel.

Dass nicht mehr passierte, lag daran, dass sich auch die Gäste trotz des gefälligeren Spiels keine großen Chancen herausspielen konnten. Und wenn doch, waren Ken Reichel (in der 16. Minute gegen Keita-Ruel) und Torwart Rafal Gikiewicz (hielt vier Minuten vor der Pause einen Kopfball von Sebastian Ernst) zur Stelle.

Auseinandersetzung zwischen Union-Ordnern und Fürth-Fans

Einen Wermutstropfen gab es am Sonntagnachmittag jedoch. Wenige Minuten nach Spielbeginn schritt die Polizei in den mit 300 Fürther Anhängern gefüllten Fanblock ein. Es kam zu einer Prügelei, nach einigen Minuten hatte die Polizei das Geschehen im Griff. Laut Union-Mitteilung soll es zuvor zwischen dem Ordnungspersonal des Klubs und einigen Fürthern zu Auseinandersetzungen gekommen sein.

„Wir wissen, dass das ein sensibler Bereich ist und werden uns die Vorkommnisse genau anschauen. Uns fällt auch kein Zacken aus der Krone, sollte sich herausstellen, dass von unserer Seite da etwas schief gelaufen ist. Es war mit Sicherheit nicht die Absicht bei der Organisation dieses Spiels, dass solche Situationen entstehen“, sagte Christian Arbeit, Unions Geschäftsführer Kommunikation.

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