Fussball

Union ist der Meister der Rotation

Urs Fischer tauscht gern und häufig die Startelf. Das fordert von Unions Profis viel Verständnis und Stressresistenz

Sebastian Polter (M.) soll Unions Offensive wiederbeleben

Sebastian Polter (M.) soll Unions Offensive wiederbeleben

Foto: Matthias Koch / imago/Matthias Koch

Berlin.  Die Frage, ob Felix Kroos (27) am Sonntag zur Startformation des 1. FC Union bei Jahn Regensburg (13.30 Uhr, Sky) zählt, stellt sich mit großer Wahrscheinlichkeit nicht. Der Mittelfeldspieler leidet an einer Fußverletzung. Nichts Dramatisches, aber nach einem Schlag klagt der Spielgestalter über Probleme am Sprunggelenk, die einen Einsatz unrealistisch erscheinen lassen. „Marc Torrejon und Felix Kroos werden uns wohl fehlen. Ansonsten sind alle fit“, sagt Trainer Urs Fischer.

Wäre er gesund, Kroos hätte vielleicht gespielt. Vielleicht aber auch nicht. Neun Mal stand er in dieser Saison auf dem Feld, dreimal wurde er ein-, fünf Mal ausgewechselt. Zweimal wurde er gar nicht berücksichtigt. Was für Kroos gilt, der in den Jahren zuvor unumstrittener Stammspieler war, gilt für die meisten Fußballer im Kader des Berliner Zweitligisten. Gewiss ist unter Trainer Fischer nur die Ungewissheit. Der Schweizer ist ein großer Anhänger der Rotation.

Nur zweimal dieselbe Aufstellung

Das Personal richtet er stark am Gegner aus. Das führt dazu, dass Spieler innerhalb von sieben Tagen von der Tribüne in die Startformation rücken können und umgekehrt. Von den elf Saisonspielen bestritt Union nur zwei mit ein und derselben Startaufstellung. Ansonsten nahm Fischer im Vergleich zur Begegnung davor immer mindestens einen Wechsel vor. Lediglich vier Spieler im Kader (Gikiewicz, Friedrich, Trimmel und Prömel) durften bisher jedes Spiel über die volle Distanz bestreiten. Der Rest wurde mindestens einmal ein oder ausgewechselt.

Gegen Regensburg wird Fischer wieder einige Änderungen im Vergleich zum Pokal-Spiel in Dortmund (2:3) vornehmen. Akaki Gogia könnte ins Team rücken. Oder Joshua Mees, der gegen seinen Ex-Klub besonders motiviert sein dürfte. Auch Sebastian Polter besitzt nach seinen zwei Toren gegen den BVB gute Chancen, zum ersten Mal in dieser Saison zur Startelf zu gehören. Favorit auf den Platz von Kroos im zentralen Mittelfeld ist Robert Zulj, der diese Rolle schon in Dortmund ausfüllte. Im Zentrum und auf den offensiven Flügeln ist die Auswahl besonders groß. Dort besitzt Fischer diverse Möglichkeiten. Marcel Hartel und Simon Hedlund sind polyvalente Optionen.

Rotation wird akzeptiert im Team

Fischers Wechselspiel ist nicht nur für die Gegner verwirrend, es fordert auch von den eigenen Spielern ein hohes Maß an Verständnis und Stressresistenz. Nicht jedem liegt diese latente Unsicherheit, was die eigenen Aussichten angeht. Dass Fischers Rotation bisher trotzdem recht erfolgreich funktioniert, liegt vor allem an der Authentizität des Schweizers. Er könne gut erklären, warum ein Spieler gegen einen bestimmten Gegner nicht berücksichtigt wird. Außerdem kann es gut sein, dass man danach wieder ohne Umschweife von Beginn an spielt, heißt es aus der Mannschaft. So fühle sich jeder gebraucht, auch wenn das vor allem bei dem vormals Etablierten mit einem Verlust an Privilegien verbunden ist.

„Wir versuchen immer, die beste Mannschaft aufs Feld zu bekommen“, sagt Fischer. In seinen ersten vier Monaten als Trainer des 1. FC Union ist ihm das fast immer gelungen.