Fußball

Die Remis-Könige von Köpenick

Union kommt in Regensburg nicht über ein 1:1 hinaus - erspielt das achte Unentschieden der Saison. Das mögliche Siegtor wird aberkannt

Ein Ringen um jeden Zentimeter: Unions Verteidiger Florian Hübner (Nr. 19) im Zweikampf mit Regensburgs Sargis Adamyan.

Ein Ringen um jeden Zentimeter: Unions Verteidiger Florian Hübner (Nr. 19) im Zweikampf mit Regensburgs Sargis Adamyan.

Foto: dpa/Weige

Berlin. Florian Hübner schimpfte, als habe ihm jemand etwas gestohlen. Unions Verteidiger verzog dabei das Gesicht zur Grimasse und schrie vornüber gebückt Richtung Rasen. Eigentlich war die Tirade nach Abpfiff dem hinter ihm stehenden Schiedsrichter Sascha Stegemann gewidmet. Aber einem Unparteiischen direkt in die Visage zu brüllen, empfiehlt sich nicht. Selbst wenn man sich im Recht fühlt.

Hübner und der 1. FC Union fühlten sich bei ihrem Ärger im Recht. Nur 1:1 (1:1) nach den Treffern von Sebastian Polter (45. Minute) und Jann George (45.+1) spielte das Team von Trainer Urs Fischer am Sonntag beim Tabellenneunten Jahn Regensburg. Es war das vierte Unentschieden in Serie für die Köpernicker, die zu den Remis-Königen im deutschen Fußball mutieren. Im zwölften Saisonspiel war es bereits das achte Unentschieden. Zwar bleibt der Berliner Zweitligist damit ungeschlagen, aber für ganz oben reicht die Eichhörnchentaktik nicht.

Mit einem Sieg hätte Fischers Elf als Tabellenführer übernachten können, bevor am Montag die Erstligaabsteiger Hamburger SV und Köln (20.30 Uhr/Sky) im Spitzenspiel aufeinander treffen. Doch daraus wurde nichts. Und das, obwohl Union glaubte, den Siegtreffer erzielt zu haben. Linksverteidiger Ken Reichel traf nach 84 Minuten in einer unterhaltsamen und intensiven Partie zum 2:1. Doch Schiedsrichter Stegemann entschied sich nach längerem Debattieren mit seinem Linienrichter, das Tor wegen einer vermeintlichen Abseitsposition von Marcel Hartel zu annullieren. Eine 50:50-Entscheidung, mit der wohl auch jeder Videoschiedsrichter Schwierigkeiten gehabt hätte. Da es in Liga zwei aber keinen gibt, blieb es bei Stegemanns Nein. „Das macht einen natürlich sauer. Wir haben in den letzten Spielen auch öfter mal keinen Elfmeter für uns bekommen“, ärgerte sich Polter, wollte dann aber nicht gen Rasen fluchen. „Das sind Entscheidungen des Schiedsrichters, das müssen wir akzeptieren“, sagte er.

Am Ende war das Remis auch durchaus leistungsgerecht. Union, das von Platz drei auf vier abrutscht, trat zwar vorn verbessert im Vergleich zu den letzten Ligaspielen gegen Dresden (0:0) und Paderborn (0:0) auf. Hinten aber zeigten sich die Berliner anfälliger als sonst. Zudem mussten die Köpenicker die Partie in Unterzahl beenden, nachdem Grischa Prömel Gelb-Rot gesehen hatte (77.). „Wir kamen über 90 Minuten nicht ins Spiel“, ärgerte sich Trainer Fischer. „Regensburg hat es uns schwer gemacht. Wir müssen mit einem Punkt leben. Wir haben das mit der Ruhe nicht hinbekommen.“

Der Schweizer hatte nach dem starken Pokalauftritt gegen Borussia Dortmund am Mittwoch (2:3 n.V.) das halbe Team ausgetauscht. Für Kapitän Christopher Trimmel, Hartel, Kenny Prince Redondo, Sebastian Andersson und Christopher Lenz spielten Reichel, Akaki Gogia, Joshua Mees und zum ersten Mal von Beginn auch der norwegische U21-Nationalspieler Julian Ryerson. Zudem stand Polter erstmals nach seinem Achillessehnenriss im März wieder in der Startelf. Gegen Dortmund waren dem Angreifer zwei Treffer nach seiner Einwechslung gelungen. In Regensburg sorgte der 27-Jährige für die Führung. Nach einer feinen Einzelaktion von Prömel musste Polter nur noch am Fünfmeterraum einschieben (45.). Es war sein zweiter Saisontreffer. Dass Union da noch nicht in Rückstand lag, hatte man Torwart Rafal Gikiewicz zu verdanken. Er parierte einen Elfmeter von Sebastian Stolze (29.). Reichel hatte ihn verursacht.

Freuen konnte sich Fischer nicht lange über den ersten Ligatreffer nach zwei torlosen Partien. Fast im Gegenzug glich Regensburg mit einem feinen Schuss in den Winkel aus (45.+1.). Ryerson war zuvor ausgerutscht. In Halbzeit zwei hatte Union erst Pech, als Polter mit einem Kopfball am stark parierenden Regensburger Schlussmann scheiterte (72.), dann Glück, weil Schiedsrichter Stegemann das Halten von Ryerson gegen Marco Grüttner im Berliner Strafraum übersah (76.). Viel los für Zweitligaverhältnisse also in Regensburg. Doch am Ende gab es für Union wieder mal nur einen Punkt.

Mehr über Union Berlin:

Union ist der Meister der Rotation

Sebastian Polter ist wieder der Alte