Zweite Liga

Das Spiel ist erst zu Ende, wenn Union trifft

Unions Remis gegen Heidenheim hat erneut gezeigt, warum sich der Zweitligist in dieser Saison als Meister der späten Tore präsentiert.

Union feiert den späten Punktgewinn gegen Heidenheim. Mittendrin: Torschütze Rafal Gikiewicz

Union feiert den späten Punktgewinn gegen Heidenheim. Mittendrin: Torschütze Rafal Gikiewicz

Foto: Annegret Hilse / dpa

Berlin.  Die Massageeinheit dauerte bei Rafal Gikiewicz am Montag ein wenig länger. „Wegen der Rückenschmerzen, nachdem alle auf mich zugerannt und auf mich drauf gesprungen sind“, sagte der Torwart des 1. FC Union grinsend. Auch am Tag nach dem furiosen Schlusspunkt gegen den 1. FC Heidenheim (1:1) war sein später Kopfballtreffer noch Thema an der Alten Försterei. Nicht nur weil der Pole diesen Treffer seinen Eltern widmete, die beide am Sonntag Geburtstag hatten. „Ich habe meinen Vater direkt nach dem Spiel angerufen und ihm gesagt: Das ist das beste Geschenk.“

Abgesehen vom familiären Glückmoment dokumentierte der Treffer in der fünften Nachspielminute vor allem eines: Eine Halbzeit oder eine Partie ist erst dann vorbei, wenn Union getroffen hat.

Elf der 14 Saisontore schoss Union kurz vor der Pause oder dem Spielende, fünf davon in der Nachspielzeit kurz vor Abpfiff einer Partie. Treffer, die der Mannschaft von Trainer Urs Fischer insgesamt sechs Punkte einbrachten, weshalb Union in der Länderspielpause die Konkurrenz vom zweiten Platz aus grüßen wird, einem Aufstiegsplatz.

Immer nur Glück ist auch Können

Dass Union diese späten Tore erzielt, hat sicher auch etwas mit Glück zu tun. Allerdings nicht nur. Auch hier gilt: immer nur Glück ist auch ein wenig Können. „Es ist schon eine Qualität, dass die Mannschaft bis zum Schluss daran glaubt und es bis zur letzten Sekunde versucht“, sagte Trainier Urs Fischer. Der Schweizer weiß um den Effekt, den solche Last-Minute-Treffer auslösen können: „Das hilft der Mannschaft in schwierigen Situationen. Und es löst vielleicht auch beim Gegner das eine oder andere aus.“

Die Köpenicker behalten – selbst wenn es spielerisch mal nicht so läuft wie gerade gegen Heidenheim – die Ruhe in dem Wissen, dass sie auch in der letzten Aktion des Spiels noch zuschlagen können. Beim Gegner wiederum kann das genaue Gegenteil geschehen. Flüchtigkeitsfehler schleichen sich ein, getrieben von dem Wunsch, den Ball nur irgendwie vom eigenen Kasten fernzuhalten.

Wie bei Gikiewiczs Tor geschehen: Um Sebastian Andersson an der Hereingabe zu hindern, konzentrierte sich gefühlt ganz Heidenheim auf den Union-Stürmer – und ließ den Torwart der Köpenicker dabei fast völlig außer Acht. „Wie Andersson den Ball in die Mitte bringt, ist schon ein Kunststück“, lobte Fischer. Und: „Den Kopfball muss man auch erst mal machen.“

Köpenicker präsentieren sich mental stark

Um in diesen letzten Momenten einer Partie auch mental präsent zu sein, bedarf es einer entsprechenden Fitness. Eben diese scheint der Union-Jahrgang 2018/19 zu besitzen. „Unsere Trainingseinheiten sind schon lang mit viel Intensität“, erklärte Linksverteidiger Christopher Lenz. „Wenn du weißt, es sind nur noch fünf Minuten, du hast aber noch Kraft für zehn Minuten, dann hilft dir das.“

Anders als noch in vielen Jahren zuvor, als Union oft bis zum Schluss zitterte, zuweilen sogar noch um ein Gegentor bettelte, sind es nun die Kontrahenten, die sich Sorgen machen müssen. „Das liegt auch am Erfolgshunger der Spieler“, glaubt Mittelfeldspieler Robert Zulj: „In gewissen Situationen ist zu erkennen, dass wir Gewinnertypen im Team haben.“

Diese Zweitliga-Saison hat bislang jedenfalls gezeigt, dass viele Spiele erst am Schluss entschieden werden. „Das musst du dir erarbeiten. Geschenkt bekommst du das nicht“, sagte Fischer. Auch nicht als Torwart.