Zweite Liga

Union trifft auf Mattuschkas Nachfolger

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Michael Färber
Heidenheims Kapitän Marc Schnatterer (l.) ist Meister des ruhenden Balles

Heidenheims Kapitän Marc Schnatterer (l.) ist Meister des ruhenden Balles

Foto: Stefan Puchner / dpa

Bei Union-Gegner Heidenheim wandelt Marc Schnatterer auch wegen der stets gefährlichen Freistöße auf den Spuren der Köpenicker Ikone.

Berlin.  Die Vorschläge zur Strukturreform im deutschen Profi-Fußball, die sein Arbeitgeber 1. FC Union am Mittwoch veröffentlicht hat, sind natürlich auch an Urs Fischer nicht einfach so vorbeigegangen. Auch wenn sich der Trainer des Berliner Fußball-Zweitligisten nicht wirklich damit beschäftigen wollte („Ich bin noch zu kurz hier für ein abschließendes Urteil“), so ist er von dem Vorschlag, die Profiligen auf 20 Mannschaften aufzustocken, durchaus angetan. „Was spricht dagegen? Wenn man sich die großen Ligen in Europa anschaut, Italien, Spanien, England – die spielen alle mit 20 Mannschaften“, sagte der Schweizer.

Nachvollziehbar, dass Fischer die Partie gegen den 1. FC Heidenheim am Sonntag (13.30 Uhr, Alte Försterei) eher beschäftigt als das, was in den nächsten Jahren geschehen könnte. Zumal das Tagesgeschäft einen Gegner bereithält, „der uns das Leben schwer machen wird“, so Fischer. Einer, auf den es dabei besonders zu achten gilt, ist Marc Schnatterer, offensiver Mittelfeldspieler, Kapitän – und der Standardspezialist in Liga zwei schlechthin.

Sein Siegtreffer am vorigen Spieltag gegen Bochum dokumentiert, wir wertvoll er für die Heidenheimer ist. Ob hart oder platziert, im besten Fall natürlich beides – der 32-Jährige hat sich mit seinen Fähigkeiten zur Ikone der Heidenheimer aufgeschwungen. Und ist nicht nur deshalb der legitime Nachfolger eines gewissen Torsten Mattuschka, der Union in neun Jahren (2005-2014) geprägt hat wie kein anderer Spieler vor oder nach ihm.

Beide haben dem Trainer viel zu verdanken

Wie dem früheren Union-Kapitän ist es Schnatterer (bislang noch) nicht vergönnt, sein Können in der Bundesliga zu zeigen. Dass er trotzdem zu verstehen gibt, es sei ihm „eine Ehre, in der Zweiten Liga zu spielen“, passt da ins Bild. Dem gebürtigen Heilbronner geht es nicht zuletzt um den Wohlfühlfaktor. „Für mich stimmen hier einfach die Rahmenbedingungen“, verriet der Heidenheimer Publikumsliebling unlängst. Seit gut zehn Jahren spielt er nun für den FCH, stieg mit ihm 2009 in die Dritte Liga und 2014 in die Zweite auf. Trainer damals wie heute: Frank Schmidt.

Ebenso wie Mattuschka Unions langjährigem Coach Uwe Neuhaus viel zu verdanken hatte, verhält es sich auch bei Schnatterer und Schmidt. „Die Zusammenarbeit macht immer noch unglaublich viel Spaß“, ließ der Profi wissen, stets habe er größtes Vertrauen von seinem Trainer erhalten. Der Coach wiederum charakterisiert seinen Kapitän gern schon mal als „Traum aller Schwiegermütter“.

Selbst ein Karriereende in Heidenheim schließt Schnatterer, dessen Vertrag bis Sommer 2020 läuft, nicht aus. Das familiäre Ambiente, das trotz zunehmender Professionalität immer noch zu spüren ist, nutzt er zum Auftanken. Wenn er zum Beispiel in der Stadt unterwegs ist und sich Zeit für die Fans nimmt. Begegnungen, die ihn zur Identifikationsfigur werden lassen – und zu großen Taten antreiben. 318 Ligaspiele für Heidenheim stehen bei Schnatterer insgesamt zu Buche, dazu kommen jeweils 97 Tore und Vorlagen. Auch in dieser Saison hat „Mr. Heidenheim“ schon wieder vier Mal zugeschlagen und zwei Tore vorbereitet.

Union kennt Schnatterers Qualitäten mehr als genug

Unions Defensive wird also am Sonntag hochkonzentriert sein müssen, nicht nur um Schnatterer in Schach zu halten, sondern auch um Freistöße zu verhindern, die er dann nutzen könnte. Denn gerade bei Union sollte man wissen, über welche Qualitäten Schnatterer verfügt. Ein Blick auf das Gastspiel im Vorjahr (3:4) genügt, um sich die Freistoßkünste noch einmal ins Gedächtnis zu rufen.