Zweite Liga

Bei Union beginnen die Aufräumarbeiten

Zweitligist Union muss sich nach dem geglückten Klassenerhalt in allen Bereichen hinterfragen.

Union-Trainer André Hofschneider holte nur vier Siege in 17 Spielen. Sein Vertrag läuft bis 2019

Union-Trainer André Hofschneider holte nur vier Siege in 17 Spielen. Sein Vertrag läuft bis 2019

Foto: Uwe Anspach / dpa

Berlin.  Die zweieinhalb freien Tage nach der vor allem kämpferisch überzeugenden Leistung beim 3:1 gegen Bochum, das den Klassenerhalt sicherstellte, haben sich die Profis des 1. FC Union verdient.

Also: Ende gut, alles gut beim Berliner Fußball-Zweitligisten? Sicher nicht, wie auch Stürmer Steven Skrzybski festhielt: „Ich glaube, dass man schon kritisch analysieren muss, was dieses Jahr nicht so eingetroffen ist, wie wir uns das vorgestellt haben, woran es gelegen hat. Das ist aber nicht eine Sache, die wir Spieler machen sollen, sondern das wird der ganze Verein machen.“

Es sind vor allem drei Fragen, die Union dringend beantworten muss, soll in der nächsten Saison ein neuer Anlauf in Richtung Bundesliga gestartet werden.

Braucht es in der sportlichen Führung mehr Kompetenz?

Eine Frage, die man ruhigen Gewissens mit Ja beantworten kann. Der Trainerwechsel Anfang Dezember 2017, für den Lutz Munack, Unions Geschäftsführer Sport, als Impulsgeber verantwortlich zeichnet, erwies sich als Fehler. Und das schon nur wenige Wochen, nachdem André Hofschneider Jens Keller abgelöst hatte. Doch trotz der sich schnell abzeichnenden sportlichen Talfahrt wurde ein immer wahrscheinlich werdender Abstiegskampf zu lange ausgeblendet. Eine Fehleinschätzung, die Union fast in die Drittklassigkeit geführt hätte und angesichts des dünnen Fünf-Punkte-Polsters, das Union schon Ende Januar nur noch auf den Ligakeller hatte, geradezu fahrlässig gewesen ist.

Hofschneider gelang es als verantwortlicher Cheftrainer nicht, die Mannschaft so aufzustellen, dass sie den Status eines Aufstiegskandidaten behält. Statt sich der eigenen Stärken zu besinnen, wurde die eigene Taktik zu oft nach dem Gegner ausgerichtet. Das Resultat, vier Siege in 17 Spielen, ist wahrlich kein Ruhmesblatt.

Keller musste gehen, da angeblich „die fußballerische Ausrichtung entschlüsselt“ war (Munack). Auf Unions Spielweise unter Hofschneider hatten sich die Gegner noch schneller eingestellt. Dennoch blieb er, weil es an Alternativen fehlte, wie schon bei der Demission Kellers. Dass Hofschneider seinen Vertrag bis 2019 erfüllen darf, erscheint nicht nur ausgeschlossen, es wäre auch inkonsequent.

Wurde die Mannschaft falsch zusammengestellt?

Nein. Und Ja. Mit seinen schnellen Akteuren war der Union-Jahrgang 2017/18 vor allem auf gnadenloses Pressing ausgelegt, um nach Balleroberung den direkten Weg zum Tor zu suchen. Auf die Art erspielte sich Union auch am Sonntag gegen Bochum seine größten Chancen.

Dennoch wird sich Helmut Schulte, der Leiter der Lizenzspielerabteilung, fragen lassen müssen, ob die Mischung innerhalb des Kaders wirklich gestimmt hat. Mit Sebastian Polter und Felix Kroos gab es nur zwei echte Führungspersönlichkeiten. Doch gerade als die Abstiegsregion immer näher rückte, gingen zu wenige Spieler voran – oder versteckten sich hinter den Führungsfiguren.

Auch die Annahme, die Mannschaft sei im Sommer dahingehend verstärkt worden, um aus „Eindimensionalität eine Variabilität herzustellen“, so Munack, erwies sich als Trugschluss. Marcel Hartel war nur eine Halbserie lang, Akaki Gogia praktisch gar keine echte Verstärkungen.

Muss Union an seiner Ausrichtung etwas ändern?

Es war kein Geringerer als Klubchef Dirk Zingler, der im März anzweifelte, ob bei Union auch tatsächlich jene Leistungsatmosphäre herrscht, die Aufstiegsgedanken erst erlauben. Oder ob die Vereinsfolklore dem sportlichen Erfolg nicht doch im Wege steht.

Will Union sich dauerhaft in den Top 20 wiederfinden, wird die Folklore mehr in den Hintergrund rücken müssen, um den Profis nicht doch eine eher leistungshemmende Wohlfühloase zu ermöglichen. Darauf zu hoffen, dass neue Spieler die erhoffte Professionalität, die sie aus anderen Klubs kennen, zu Union mitbringen, kann nicht zielführend sein. Union muss da vorangehen.

Dass Zingler dafür auch die Führungsstrukturen überprüfen will, ist das richtige Signal. Dabei darf aber vor keiner Personalie Halt gemacht werden.