Simon Hedlund zählt nicht wirklich zu jenem Typ Fußballer, den man als extrovertiert bezeichnen kann. Sicher ist der Schwede in Diensten des 1. FC Union auch in den sozialen Netzwerken unterwegs, in Zeiten, in denen Profi-Kicker immer mehr zur Marke werden, ist dies praktisch ein Muss. Doch anders als viele seiner Kollegen postet er nicht wahllos jedes Motiv, das ihm in den Sinn kommt, der 25-Jährige wählt sie mit Bedacht aus. Seine Verlobte Sandra ist natürlich dabei, auch der eine oder andere Wahlspruch wie „Der Schmerz, den du heute fühlst, wird die Stärke sein, die du morgen spürst“.

Relativ selten finden sich Szenen aus seiner Karriere wieder, um so größer ist die Bedeutung jenes Bildes, das er nach dem 1:0 auf St. Pauli seinem Instagram-Profil hinzugefügt hat. Zu sehen ist Hedlund in fast schon betender Pose, das Haupt gesenkt, die Hände vor den Mund gepresst, in jedem Fall in sich gekehrt nur wenige Momente, nachdem er den Siegtreffer für den Berliner Fußball-Zweitligisten erzielt hat. Zu dem Bild schrieb er schlicht: „3 ganz wichtige Punkte. Danke für eure Unterstützung.“ Hedlund wird zu Unions Heilsbringer im Kampf um den Klassenerhalt.

Ausgerechnet der Königstransfer, den Jens Keller, der Vorgänger des jetzigen Trainers André Hofschneider, zur Saison 2016/17 getätigt hatte, bringt die Köpenicker ihrer Pflichtaufgabe einen Schritt näher. Für die damalige Rekordsumme von rund 850.000 Euro war der Schwede von Elfsborg Boras an die Alte Försterei gewechselt. Wie wertvoll er tatsächlich für Union ist, beweist er in diesen Tagen.

An jeder gefährlichen Aktion beteiligt

Von Hofschneider in Hamburg als zweite Spitze neben Steven Skrzysbki aufgestellt, war Hedlund an fast allen gefährlichen Aktionen der Berliner beteiligt. Seine Vorlage zur Großchance von Dennis Daube, sein Lattenkracher kurz nach Wiederbeginn, sein Willen, den Ball trotz eines erfolglosen ersten Versuchs doch im Tor von Pauli-Torwart Robin Himmelmann unterbringen zu wollen – der 1,75-Meter-Mann ließ keinen Zweifel aufkommen, dass er dieses Kampfspiel unbedingt als Sieger beenden wollte.

Dabei half, dass Hedlund – im Pressing-System Kellers als Flügelflitzer auf der linken Außenbahn unterwegs – anders als in vielen Spielen unter Hofschneider nicht als zentraler Mittelfeldspieler agieren musste, sondern als linker der beiden Angreifer seine Schnelligkeit ausspielen konnte.

Wirkte Hedlund nach seiner Syndesmosebandverletzung in den Spielen in Fürth (1:2) und gegen Duisburg (0:0) noch nicht wieder hundertprozentig fit, so zeigte er nun bis zu seiner Auswechslung in der 88. Minute endlich wieder aufsteigende Form. Folglich ordnete er sein fünftes Saisontor selbst als „wichtigsten Treffer“ ein, als einen, der „unser Selbstbewusstsein stärkt und ein gutes Zeichen für unsere Fans“ ist.

Vorsprung schrumpft auf drei Punkte

Wie wichtig sein Treffer tatsächlich gewesen ist, verdeutlichen die Ergebnisse der Konkurrenz am Sonntag. Das überraschende 3:1 des 1. FC Heidenheim gegen Spitzenreiter Fortuna Düsseldorf ist nicht nur neuerlicher Beleg dafür, dass in dieser Zweitliga-Saison jeder jeden schlagen kann – es verkürzte Unions Vorsprung auf Relegationsplatz 16, den Heidenheim nun an St. Pauli übergeben hat, wieder auf drei Zähler. Schon bei einem Union-Remis in Hamburg wäre das Polster auf ein mickriges Pünktchen zusammengeschmolzen.

Nicht nur Mittelfeldspieler Daube weiß: „Mit 40 Punkten sind wir noch nicht durch.“ Zeigt Hedlunds Formkurve auch gegen Heidenheim (Sonnabend, 13 Uhr, Alte Försterei) nach oben, steht einem großen Schritt zum Klassenerhalt kaum etwas im Wege.