Fussball

Brotlose Kunst

07.04.2018, Berlin: Fußball, 2. Bundesliga, 29.Spieltag, 1. FC Union Berlin - MSV Duisburg im Stadion Alte Försterei. Unions Philipp Hosiner macht einen Fallrückzieher im Strafraum von Duisburg. Foto: Annegret Hilse/dpa - WICHTIGER HINWEIS: Aufgrund der Akkreditierungsbestimmungen der DFL ist die Publikation und Weiterverwertung im Internet und in Online-Medien während des Spiels auf insgesamt fünfzehn Bilder pro Spiel begrenzt. +++ dpa-Bildfunk +++

07.04.2018, Berlin: Fußball, 2. Bundesliga, 29.Spieltag, 1. FC Union Berlin - MSV Duisburg im Stadion Alte Försterei. Unions Philipp Hosiner macht einen Fallrückzieher im Strafraum von Duisburg. Foto: Annegret Hilse/dpa - WICHTIGER HINWEIS: Aufgrund der Akkreditierungsbestimmungen der DFL ist die Publikation und Weiterverwertung im Internet und in Online-Medien während des Spiels auf insgesamt fünfzehn Bilder pro Spiel begrenzt. +++ dpa-Bildfunk +++

Foto: Annegret Hilse / dpa

Berlin.  Nun standen die Profis da auf dem Rasen in der Köpenicker Frühlingssonne. Ratlos dreinblickend, resigniert und mal wieder enttäuscht. Nur 0:0 gegen den MSV Duisburg – ein Pünktchen, nicht weniger, aber auch eben nicht mehr. Der 1. FC Union kommt damit nicht von der Stelle.

Obwohl Torjäger Steven Skrzybski wieder mit von der Partie war. Der 25-Jährige war vor allem in der ersten Hälfte Angriffsmotor. War die Offensivmaschine in Fürth (1:2) ohne ihn ordentlich ins Stottern geraten, lief sie am Sonnabend vor 21.482 Zuschauern in der Alten Försterei wieder einigermaßen rund. Aber weder Felix Kroos’ Direktabnahme(9.), noch Skrzybskis Schuss über die Latte (22.) oder Philipp Hosiners Grätsche (25.) lieferten Zählbares.

Dabei hatte Trainer André Hofschneider doch genau das vor dem Spiel gefordert: Zählbares mitzunehmen. Ein Punkt ist durchaus zählbar. Bleibt in der engen Tabellenkonstellation aber ohne wirklich großen Effekt. Viel lieber hätte er noch weiter gezählt. Bis drei nämlich. Doch das blieb Union nun schon im fünften Spiel in Folge verwehrt.

„Im Endeffekt war das zu wenig. Damit können wir wieder mal nicht zufrieden sein“, sagte Kapitän Kroos. Wieder mal. Zwei kleine Wörter, die bei Union in den vergangenen Wochen groß rausgekommen sind. Wieder mal zeigte die Mannschaft Einsatzbereitschaft, erspielte sich ein Chancenplus (13:4), agierte kontrolliert und engagiert, und stemmte sich gegen gegnerische Offensivbemühungen.

Und wieder standen sie am Ende ohne Sieg da. „Da können wir uns jede Woche wieder hier hinstellen und sagen, dass der Einsatz gestimmt hat. Das ist ja auch richtig, aber wir brauchen Punkte und zwar dreifach“, erklärte Kroos resigniert. „Ich geh mir selbst schon auf den Sack. Ich kann mich selbst nicht mehr reden hören, weil ich jede Woche das Gleiche sage.“

Hofschneiders Zeit könnteam Sonntag abgelaufen sein

Dabei war die Partie eigentlich schön anzusehen. So auch Hosiners Fallrückzieher nach einer punktgenauen Hereingabe von Außenverteidiger Christopher Trimmel (36.). Doch der Ball landete genau in den Armen von MSV-Torwart Mark Flekken. Nett gemacht, aber ohne nennenswertes Resultat. Brotlose Kunst eben.

Irgendwann muss nun also der Punkt kommen, an dem die Spieler all den Worten, Mutmachungen und Durchhalteparolen auch Taten folgen lassen. Der Meister der Durchhalteparolen, Trainer Hofschneider, schien enorm gelassen nach dem torlosen Remis. „Wichtig ist jetzt, den Kopf oben zu behalten, die Ruhe zu behalten“, sagte der 47-Jährige. Krönchen richten und weitermachen? Auf Tabellenplatz elf mit einem Drei-Punkte-Polster auf den Relegationsplatz sollte das nicht die Devise sein. Stellt sich also die Frage, ob auch die Vereinsführung um Präsident Dirk Zingler die Ruhe be- und am Coach festhalten wird. Vor der Partie sah es so aus, als würde die Zeitrechnung Hofschneider erst einmal nur bis zum Duisburg-Spiel reichen. Und auch am Sonnabend reagierte der Trainer auffällig verhalten auf Fragen zur nächsten Partie gegen St. Pauli. Scheinbar ist sich der Trainer selbst unsicher, ob er das Team, dem er wieder keinen Vorwurf bezüglich Einsatzbereitschaft und Siegeswille machen wollte, in Hamburg noch auf der Bank sitzt.

Sein Trainerkollege aus dem Ruhrgebiet, Ilia Gruev streute noch etwas Salz in die Köpenicker Wunde. Für ihn seien die Berliner vor der Saison klarer Favorit auf den Aufstieg gewesen, erklärte er. Damals – zum Anfang der Hinrunde – hatte Union noch mit furioser Offensivarbeit beeindruckt, aber auch durch vogelwilde Verteidigung einige Gegentore kassiert. Gegen Duisburg stand immerhin die Defensive stabil. Doch was bringt das, wenn hinten die Null steht, vorne aber auch? „Defensiv sollten wir das beibehalten. In der Offensive sollten wir mehr Chancen herausholen und dann einfach mal ein Ding machen“, forderte Trimmel. Kontrolle hinten, Attacke vorn. Auch Kroos hat keine Lust mehr auf Schönspielerei: „Es geht nicht mehr um attraktiven Fußball. Wir müssen das Ding erzwingen.“ Ob mit Hofschneider oder ohne, wird sich wohl am Sonntag entscheiden.