Zweite Liga

Union muss den Blick auch nach unten richten

Ohne Torjäger Polter hat der Zweitligist vor allem mit sich selbst zu tun und hängt im Mittelmaß fest. Die Sicherheit ist trügerisch.

Unions Steven Skrzybski (r.) setzt zum Absprung an, Aues Calogero Rizzuto kontrolliert den Ball

Unions Steven Skrzybski (r.) setzt zum Absprung an, Aues Calogero Rizzuto kontrolliert den Ball

Foto: Annegret Hilse / picture alliance / Annegret Hils

Berlin.  Es tut sich etwas in der Alten Försterei. Endlich, möchte man hinzufügen, der ramponierte Rasen ließ ohnehin kaum noch ein gepflegtes Fußballspiel zu. Bis Donnerstag bekommen die Profis des 1. FC Union ein neues Geläuf. Ob allein das ausreichen wird, um am Sonnabend gegen den Tabellenvierten Jahn Regensburg (13 Uhr, Alte Försterei) wieder besseren Fußball zu zeigen, darf allerdings bezweifelt werden.

Die dürftige Leistung vom Sonntag gegen Aue (0:0) – in der Rückrunde kein Einzelfall – zugrunde gelegt, versinken die Köpenicker im Mittelmaß der Zweiten Liga. In Richtung Relegationsplatz drei zu schielen, hätte trotz des Umstandes, dass der Abstand bei sechs Punkten geblieben ist, schon etwas frivoles.

Das „Aufwachen, aufwachen“ der Fans sollte jeden bei Union sensibilisiert haben, dass es kein Tabu mehr sein darf, in Richtung Abstiegszone zu blicken. Nicht bei nur noch fünf Zählern Vorsprung auf Rang 16, und schon gar nicht in einer Saison, in der jeder jeden schlagen kann, wie alle immer beteuern.

„Polter darf keine Ausrede mehr sein“

„Wir sind uns der Situation bewusst, werden aber sicher nicht unruhig“, sagte Union-Kapitän Felix Kroos, der am Montag 27 Jahre alt wurde: „Wir müssen noch enger zusammenrücken.“ Auch Philipp Hosiner machte deutlich: „Wir sind uns überhaupt nicht sicher.“ Und Verteidiger Marvin Friedrich, erst Ende Januar aus Augsburg gekommen, appellierte: „Wir dürfen einfach nicht auf die Tabelle schauen, weder nach oben noch nach unten.“

Ein Name, der nach der mauen Nullnummer immer wieder auftauchte, war der jenes Profis, auf den Union mindestens sechs bis acht Monate verzichten muss. Und doch hat sich gerade im Ostderby gegen Aue offenbart, wie wichtig Sebastian Polter für diese Mannschaft ist. So kam auch Trainer André Hofschneider nicht umhin festzustellen: „Polter ist mit seiner Wirkung und seiner Präsenz nicht eins zu eins zu ersetzen. Trotzdem darf es für die nächsten Wochen keine Ausrede mehr sein.“

Der Stürmer soll nach erfolgreicher Operation seiner rechten Achillessehne in seiner Heimat Wilhelmshaven auf andere Gedanken kommen. „Wichtig ist, dass der Kopf eine große Rolle spielt, wenn man sich bei einem Heilungsprozess über sechs bis acht Monate Ziele setzen muss“, erklärte Hofschneider: „Er soll sich erstmal sammeln und aus dem ganzen Trubel hier zurückziehen. Es ist für ihn eine sehr bedrückende Situation.“

Hofschneider kritisiert Hosiner

Ohne ihren Fixpunkt präsentierte sich Union jedoch noch mehr als Mannschaft, die vor allem mit sich selbst zu tun hat . Dies wurde bei nahezu jeder Spieleröffnung deutlich. Zu oft wurde mit hohen Bällen operiert, wo es doch eher darum ging, den Ball flach zu halten, um die Qualitäten von Polter-Ersatz Philipp Hosiner ausspielen zu können. Der Aufforderung des Trainers kamen die Köpenicker nur bedingt nach.

„Hosiner ist ein Strafraumspieler, da müssen wir ihn in Szene setzen. Das heißt für uns als Mannschaft aber, dass wir erst einmal dahin kommen müssen“, monierte Hofschneider. Seine Aufgabe ist es, dies dem Team umgehend beizubringen, soll der Abwärtstrend gestoppt werden. Dafür ist es aber auch notwendig, dass Hosiner anspielbar ist.

Hofschneider: „Für ihn gilt es, nicht ungeduldig zu werden, wenn er vielleicht mal 20, 25 Minuten nicht hundertprozentig im Spiel ist. Und nicht den Sechzehner zu verlassen und auf die Flügel auszuweichen.“

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