Zweite Liga

Union enttäuscht beim Jubiläum

Union kommt gegen Erzgebirge Aue nicht über eine magere Nullnummer hinaus. Die Fans verabschieden den Zweitligisten mit lauten Pfiffen.

Die Enttäuschung ist Philipp Hosiner und seinen Unioner Teamkollegen anzusehen

Die Enttäuschung ist Philipp Hosiner und seinen Unioner Teamkollegen anzusehen

Foto: Matthias Koch / imago/Matthias Koch

Berlin.  Endlich ist der Frühling da. Milde 16 Grad in Köpenick ließen vergessen, dass zuletzt die Daunenjacke der beste Freund im Stadion gewesen ist. Dazu die Sonne, die die Alte Försterei in ein fast schon poetisches Licht tauchte. Bestes Fußballwetter also, ein Sonntagnachmittag im März wie gemalt für das Jubiläumsspiel des 1. FC Union und von Erzgebirge Aue – beide Klubs traten zum 400. Mal in der Zweiten Liga auf.

Den einzigen Schönheitsfehler lieferten die beiden Mannschaften auf dem Rasen ab. So waren es die Zuschauer, die vor allem den Union-Profis zeigten, was sie vom 0:0 gegen die Sachsen hielten: Es gab Pfiffe, für Union-Verhältnisse sogar viele, und laute, lang anhaltende „Aufwachen, aufwachen“-Rufe von den Rängen.

„Das war zu Hause viel zu wenig“, sagte Kapitän Felix Kroos, „damit können wir nicht zufrieden sein.“ Nicht, wenn man den dritten Heimsieg in Folge einfahren wollte. Nicht, wenn man – so unglaublich es auch klingen mag – mal wieder einen Schritt näher an Relegationsplatz drei hätte heranrücken können, weil die Konkurrenz aus Kiel (1:1 in Bochum) und Duisburg (1:2 gegen Spitzenreiter Fortuna Düsseldorf) erneut gepatzt hat.

Zwei Teams, die nicht können

Ein torloses Remis lässt sich zumeist als das Duell zweier Mannschaft zusammenfassen, von denen die eine nicht konnte und die andere nicht wollte. Im Ostderby vom Sonntag waren es zwei Teams, die nicht konnten . So entwickelte sich vor 21.788 Zuschauern über weite Strecken eine Begegnung, die in jedem Jahresrückblick fehlen sollte.

„In der ersten Halbzeit hat uns nach einer guten Anfangsphase der Mut gefehlt“, analysierte Trainer André Hofschneider: „In der zweiten Halbzeit wollten wir Ballverluste provozieren. Das ist uns - ja - auch mal gelungen.“ Immerhin habe Union „kein Gegentor bekommen und wir damit seit langem mal wieder zu Null gespielt“. Das Lachen, das Hofschneider bei der Formulierung dieser einzig positiven Erkenntnis des Nachmittags unterdrücken musste, wirkte fast schon zynisch.

Die Eisernen, wie Union auch genannt wird, haben mächtig Rost angesetzt. Mit Akaki Gogia versuchte Hofschneider den Ausfall Simon Hedlunds zu kompensieren. Der Schwede war wie befürchtet wegen seiner Syndesmose-Verletzung nicht dabei. Gogia mühte sich auch nach Kräften, hatte nach gut einer Stunde das Pech, dass ihm der ramponierte Rasen einen Strich durch einen kontrollierten Torschuss machte (63.). Dass er im 4-3-3-System auf der rechten Außenbahn jedoch selbst bei einfachen Zuspielen (zu) oft scheiterte, ist nicht wirklich den Platzverhältnissen zuzuschreiben.

Eine Glanzparade nimmt Hosiner den Erfolg

In vorderster Front war es wie erwartet Philipp Hosiner , der den inzwischen an seiner rechten Achillessehne erfolgreich operierten Sebastian Polter ersetzte. Er versuchte viel, legte sich kraftvoll in jeden Zweikampf, war jedoch auch sehr viel auf verlorenem Posten, weil „wir zwar die Räume gut genutzt haben, der letzte Pass jedoch gefehlt hat“, sagte der Österreicher.

Wie wenig das Union-Spiel zu den perfekten Rahmenbedingungen passte, verdeutlichte der Trainer. Mehrmals musste Hofschneider – an sich kein ex­trovertierter Typ an der Seitenlinie – mit den Seinen schimpfen und wild mit den Armen gestikulieren, weil sie das Spiel mit Querpässen noch verlangsamten anstatt mit Diagonalbällen die Auer Deckung zu öffnen. Oder weil sie nach Ballgewinn einfach nicht rausrückten.

Und doch gab es ihn, den fußballerischen Moment, den man mit dem Union-Jahrgang 2017/18 verbindet. Schnell hatten sich die Köpenicker auf rechts durchkombiniert, überlegt hatte Gogia in die Mitte geflankt, wuchtig hatte sich Hosiner in den Ball geworfen, der Torjubel lag allen schon auf den Lippen – bis Aues Torwart Martin Männel in jener 69. Minute mit einem Reflex seines linken Arms Unions größte Chance zunichte machte.

Patzer von Mesenhöler bleibt unbestraft

Da auch Gogia (8.), Steven Skrzybski (27.), Grischa Prömel (an die Latte, 45.) und Marc Torrejon (Seitfallzieher, 61.) gute Möglichkeiten vergaben, durfte Union sogar noch froh sein, wenigstens den einen Punkt verbuchen zu können. Zweimal scheiterte Pascal Köpke an Union-Torwart Daniel Mesenhöler (15., 47.), dann konnte Cebio Soukou den Ball nach einem Mesenhöler-Fehler nicht im Tor unterbringen (81.).

Aues Routinier Christian Tiffert brachte es auf den Punkt. „Ich will nicht sagen, es war zu wenig, was wir geholt haben. Aber es hätte mehr sein können“, so der 36-Jährige. Und doch wäre ein Sieg auch für Aue an diesem frühlingshaften Sonntag zu viel gewesen.

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