Zweite Liga

Endlich Zeit für Unions größten Kämpfer

Union-Angreifer Philipp Hosiner bekommt nach dem Saison-Aus von Polter die Chance zu zeigen, warum die Köpenicker ihn geholt haben.

Union-Stürmer Philipp Hosiner (r.) ist voll fokussiert

Union-Stürmer Philipp Hosiner (r.) ist voll fokussiert

Foto: nordphoto / Engler / picture alliance / nordphoto

Berlin.  Ein klagendes Wort wird man von ihm kaum hören. Nicht öffentlich, auch wenn er sich seine Zeit beim 1. FC Union anders vorgestellt hat als jene inzwischen 20 Monate voller Kämpfe, Rückschläge und Enttäuschungen. Kämpfe, die Philipp Hosiner (28) angenommen hat, immer wieder, Rückschläge, die er inzwischen verkraftet hat, auch wenn sie noch so schwer waren, Enttäuschungen, aus denen der Österreicher nur noch mehr Willen gezogen hat.

Unions größter Kämpfer ist bereit, für das Ostderby am Sonntag gegen Erzgebirge Aue (13.30 Uhr, Alte Försterei) und für den Rest der Saison. Selbst jetzt, da er die logische Lösung für den Monate lang ausfallenden Sebastian Polter (Achillessehnenriss) in der Startelf von Trainer André Hofschneider ist, sieht er keinen Freifahrtschein für sich.

So begleiten ihn gemischte Gefühle angesichts der Tatsache, dass es nicht zuletzt das Pech des Teamkollegen gewesen ist, welches ihm ermöglicht, nun endlich über mehrer Wochen zeigen zu können, was in ihm steckt. Polter sei „unumstößlicher Stammspieler“, an ihm vorbeizukommen, sei „fast unmöglich“, ließ Hosiner wissen. Nein, der Burgenländer will nichts geschenkt, er will es sich erarbeitet, ja verdient haben.

„Ich werde nicht aufgeben“

Wenn Hosiner immer wieder sagt, „ich werde nicht aufgeben“, hat er in nur wenigen Worten den roten Faden skizziert, der sich fast schon bösartig durch seine Karriere zieht. Der Nierentumor Anfang 2015, der seinen Wechsel von Stade Rennes zum 1. FC Köln zunächst verhindert hatte und seine Einstellung zum Leben neu einnordete. Der Muskelfaserriss im Sommer 2016 kurz nach seinem Wechsel zu Union, der ihn den sicheren Stammplatz kostete, weil Collin Quaner plötzlich traf, wie er wollte. Sein kollabierter Lungenflügel, als Quaners Abgang nach England seine Rückkehr in die Startelf im Winter 2016/17 wieder möglich machte.

Und als endlich alle Täler durchschritten schienen, setzte ihm Union den Mount Everest vor die Nase: Polter. Dass er nun vom Unglück eines Mitspielers profitiert, braucht ihm also nicht unangenehm zu sein. Zu oft stand er auf der anderen Seite. Und wenn jemand alles tut, um dann bereit zu sein, wenn er gebraucht wird, dann ist es Hosiner. Das obligatorische „Vollgas im Training“ gehört für ihn dazu, auch das akribische Achten auf seinen Körper.

Seine Ernährung ist ihm heilig, Produkte aus Kuhmilch oder mit Weizen stehen bei ihm auf dem Index, ebenso industrieller Zucker. Sein Körper gleicht dem eines Athleten, der endlich losgelassen werden will. Jetzt ist es endlich soweit.

Hofschneider lobt überragenden Torabschluss

Coach Hofschneider weiß nur zu genau, was er an Hosiner hat, lobt dessen „überragenden Torabschluss“, wohl wissend, dass „wir ihn besser in Szene setzen , seine Vorzüge in den Vordergrund stellen“ müssen. Anders als hohe Anspiele auf Polter, der den Ball dann oft sichert, damit die Teamkollegen nachrücken können, muss es für den schnellen Hosiner flach in die Spitze gehen.

Dass er Polter „nicht eins zu eins ersetzen“ kann, dessen ist sich Hosiner bewusst. Dass „meine Zeit“ nun gekommen ist, allerdings auch. Bis 2019 läuft sein Vertrag, er wird ihn trotz bislang nachvollziehbarer Spekulationen, woanders sein Glück zu suchen, wohl erfüllen.

Und setzt ihm Union im Sommer erneut einen Stürmer vor die Nase? Hosiner wird den Kampf annehmen. Ohne zu klagen.

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