Zweite Liga

Union auf der Suche nach Kreativität

Zweitligist Union findet seit Wochen keinen Spielgestalter. Am Sonntag im Ostderby gegen Aue wird dieser jedoch dringend gebraucht.

Unions Simon Hedlund (l.) hinterließ noch den besten Eindruck im offensiven Mittelfeld

Unions Simon Hedlund (l.) hinterließ noch den besten Eindruck im offensiven Mittelfeld

Foto: Thomas Starke / Bongarts/Getty Images

Berlin.  Die beiden Themen, mit denen sich André Hofschneider in dieser Woche beschäftigen musste, hatten es in sich. Das eine konnte der Trainer des 1. FC Union schnell abhaken: die Gerüchte um einen Trainerwechsel beim Berliner Fußball-Zweitligisten.

„Ich kann bestätigen, dass mich Torsten Lieberknecht angerufen hat und ich habe ihn als erstes gefragt, ob er noch einen Co-Trainer für die nächste Saison gebrauchen kann“, sagte Hofschneider mit seinem typisch trockenen Humor.

Eintracht Braunschweigs Trainer sollte Hofschneider angeblich beerben – beide Klubs sowie die Trainer selbst dementierten energisch. Die Unwahrheit, so Hofschneider, werde nicht dadurch wahrer, nur weil man sie ständig wiederhole.

Andere Spielphilosophie erfordert Regisseur

Zur Union-Wahrheit vor dem Spiel am Sonntag gegen Erzgebirge Aue (13.30 Uhr, Alte Försterei) – und dies ist das wahre Thema Nummer eins – gehört jedoch, dass den Köpenickern seit Wochen jemand fehlt, der das Spiel im offensiven Mittelfeld gestaltet. Zu Zeiten von Hofschneiders Vorgänger Jens Keller, der die Mannschaft auf gnadenloses Pressing und Gegenpressing ausgelegt und eingestellt hatte, war ein solcher Regisseur auf dem Rasen nicht zwingend erforderlich.

Nun, da Union unter Hofschneider mit mehr Ballbesitz zum Erfolg kommen will, ist er es umso mehr. Erst recht wenn es – wie nun gegen Aue – gegen einen eher defensiv eingestellten Gegner geht, der mit aller Macht um den Klassenerhalt in Liga zwei kämpft.

Von den drei Kandidaten, die Hofschneider in den bisherigen sieben Spielen des Jahres hinter den Spitzen ausprobiert hat, hinterließ Simon Hedlund noch den besten Eindruck. Unter Keller war der Schwede Flügelflitzer auf der linken Außenbahn. Durch die Umstellung auf zwei Angreifer konnte Hedlund zeigen, „dass er sich auch im Zentrum sehr wohl fühlt“, sagte Hofschneider. Hedlund selbst hatte immer wieder wissen lassen, dass er es mag, „auf diese Art zu spielen und zu kombinieren, den Ball zu haben und zu passen“. Hunderprozentig eingewöhnt auf seiner neuen Position hat er sich jedoch noch nicht.

Hedlund fehlt Egoismus, Hartel momentan die Form

„Hedlund hat in den vergangenen Wochen enorm viele torgefährliche Situationen vorbereitet“, sagte Hofschneider: „Mit seinem Tempo und seinen Tiefenläufen ist er für jeden Gegner gefährlich. Und im Zentrum ist das Tor näher als über außen.“ Doch auch dem Trainer ist nicht entgangen, dass Hedlund noch Steigerungsbedarf hat. „Ich würde mir wünschen, dass er manchmal noch egoistischer vor dem Tor ist. Da hat er noch nicht die Gefährlichkeit, die er haben könnte“, machte Hofschneider deutlich.

Dass Hedlund ausgerechnet am Sonntag, an dem er 25 Jahre alt wird, fraglich ist, passt zur Situation. Seine Probleme mit der Syndesmose haben sich vergrößert. Schon im Auswärtsspiel vor einer Woche in Kaiserslautern (3:4) war der Blondschopf nur deshalb in die Startelf gerückt, weil sich Stürmer Sebastian Polter beim Warmmachen schwer verletzte (Achillessehnenriss) und lange ausfällt.

Für die anderen beiden Kandidaten für den Platz in der Offensive war in Kaiserslautern selbst ein Platz im 18-Mann-Kader unerreichbar. Einen deutlicheren Beleg, dass Marcel Hartel und Akaki Gogia zuletzt nicht den Ansprüchen des Trainers genügten, konnte es nicht geben. Hartel trage „momentan nicht die Torgefahr in sich, da muss er wieder hinkommen“, hatte der Trainer als Problem ausgemacht. Und auch wenn Hofschneider mit dem Begriff Lehrstunde „nichts anfangen kann“, oder will – ihre Wirkung hat die Verbannung auf die Tribüne offenbar nicht verfehlt. In der vergangenen Trainingswoche habe es „die Reaktion gegeben, die ich erwartet habe“, freute sich Hofschneider.

Gogia ist noch zu viel schuldig geblieben

Nun muss Hartel diese Reaktion nur noch gegen Aue bestätigen. Zuvor gegen Kiel, Nürnberg oder auch Sandhausen war er hinter den Erwartungen geblieben. Wobei der 22-Jährige vor allem in der Hinrunde, die zu den Nominierungen für die deutsche U21-Nationalmannschaft geführt hatte, ja bewiesen hat, welch spielerische Bereicherung er für Union sein kann.

Und Gogia? Auf dessen Durchbruch bei Union wartet man immer noch. Gegen Düsseldorf und Braunschweig blieb er wiederholt vieles schuldig. „Er muss sich noch mehr einbringen in die Mannschaft“, forderte der Coach: „Gerade in Situationen, in denen es mal nicht so läuft, erwarte ich von offensiven Spielern, dass sie nicht durch Gelbe Karten den Angriff unterbinden, sondern durch Laufbereitschaft. Er ist ein torgefährlicher Spieler, der sich nicht nur zwischen den Strafräumen zu Hause fühlen muss, sondern auch da, wo die Spiele entschieden werden.“

Hofschneiders Ermahnung sollte sich der 26-Jährige, der im letzten Heimspiel gegen Sandhausen gesperrt war, zu Herzen nehmen. Wenn er denn am Sonntag gegen Aue die Chance zur Wiedergutmachung bekommen sollte.

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