Zweite Liga

Union steht vor dem Umbruch

Sollte der Zweitligist den Aufstieg verpassen, droht der Abgang von wichtigen Spielern. Und der Klassenerhalt ist auch nicht sicher.

Unions Profis auf der Suche nach dem Erfolgsweg

Unions Profis auf der Suche nach dem Erfolgsweg

Foto: nordphoto / Engler / picture alliance / nordphoto

Berlin.  Der Aufstieg in die Bundesliga? So gut wie dahin. Und damit auch der Weg, den der 1. FC Union im Sommer 2014 mit dem „mentalen und emotionalen Neustart“ (Klubchef Dirk Zingler) eingeschlagen hatte. Mit Blick auf das bevorstehende zehnte Jahr in der Zweiten Liga – den Klassenerhalt vorausgesetzt, der bei nur noch fünf Punkten bis zur Abstiegsregion keineswegs sicher ist – stellt sich die Frage: Quo vadis, Union? Wohin geht die Reise für die Köpenicker?

Angesichts der Schwergewichte, die aus Liga eins absteigen dürften – derzeit liegen Werder Bremen, der Hamburger SV und der 1. FC Köln auf den letzten drei Plätzen – wird der Sprung in die Bundesliga 2019 auch nur dann zu schaffen sein, wenn die Köpenicker finanziell noch eine, am besten sogar zwei Schippen drauflegen. Der derzeitige Etat von gut 42 Millionen Euro dürfte kaum ausreichen, um in der nächsten Zweitliga-Saison ein Team ins Rennen zu schicken, das es mit den Absteigern ernsthaft aufnehmen kann.

Union steht nach dem Verpassen des Saisonzieles vor einem Umbruch. Neben Helmut Schulte, dem Leiter der Lizenzspielerabteilung, ist vor allem Lutz Munack gefordert. Unions Geschäftsführer Sport gab den Impuls für den Trainerwechsel Anfang Dezember von Jens Keller zu André Hofschneider – und hat damit die sportliche Talfahrt mitzuverantworten.

Fünf Spielerverträge enden im Sommer

Die grundlegendste Frage lautet: Ist Hofschneider der Trainer, der eine Mannschaft für die modernen fußballerischen Erfordernisse weiterentwickeln kann? Bislang hat sich das Union-Urgestein (26 Jahre als Spieler und Trainer im Verein) eher als Bewahrer denn als Visionär präsentiert, für den Dinge wie Taktik gern mal überbewertet sind. Ausgestattet ist er mit einem Vertrag bis 2019.

Das sieht beim kickenden Personal schon anders aus. Die Verträge von Torwart Daniel Mesenhöler, Toni Leistner, Michael Parensen, Stephan Fürstner und Dennis Daube laufen am Saisonende aus. Kann Mesenhöler die in ihn gesetzten Erwartungen weiter erfüllen, wird sich Union um einen Verbleib seiner Nummer eins bemühen. Leistner hingegen könnte sich seinen England-Traum erfüllen. Ein Wechsel auf die Insel war dem Abwehrchef vergangenen Sommer von Zingler noch untersagt worden, um das Aufstiegsziel nicht zu gefährden.

Daube blieb stets hinter den Erwartungen zurück und spielte ebenso wie Fürstner und Parensen maximal eine Nebenrolle. Ein Verbleib Christoph Schösswendters (Vertrag bis 2019) darf bezweifelt werden, die Verpflichtung des Innenverteidigers war ein einziges Missverständnis.

Die Bundesliga wird auf Pedersen aufmerksam

Zudem ist Linksverteidiger Kristian Pedersen nach toller Entwicklung bei Union längst für zahlungskräftigere Klubs interessant geworden. Im Sommer hatte der AC Florenz ein Auge auf den Dänen (Vertrag bis 2019) geworfen, nun ist es offenbar Bundesligist RB Leipzig, der einen Ersatz für Marcel Halstenberg (Kreuzbandriss) sucht.

Steven Skrzybski hat seinen Vertrag bei Union zwar erst voriges Jahr bis 2020 verlängert. „Sein Tempo und seine Schlauheit“ (Trainer Hofschneider) sind jedoch auch höherklassigen Klubs aufgefallen. Aufsteiger Stuttgart wollte ihn schon im Sommer haben.

Und steht Sebastian Polter (Vertrag bis 2020), dessen elf Saisontore bei Klubs auf der Suche nach Torjägern Begehrlichkeiten wecken, zu seiner Dankbarkeit gegenüber Union, ihn aus England zurückgeholt zu haben, ist auch ein Weggang Philipp Hosiners (zwei Spiele Sperre nach Rot gegen Nürnberg) nicht mehr unwahrscheinlich. Dass der Österreicher einen Neuanfang nach zwei verkorksten Jahren bei Union suchen könnte, wäre ihm nicht zu verdenken.