Zweite Liga

Union befindet sich im freien Fall

Union muss sich nach dem siebten Spiel in Folge ohne Sieg sogar nach unten orientieren. Der Aufstiegstraum dürfte sich erledigt haben.

Unions Flügelflitzer Simon Hedlund bei einer Flugeinlage

Unions Flügelflitzer Simon Hedlund bei einer Flugeinlage

Foto: Maurizio Gambarini / dpa

Berlin.  Diese Mitteilung hinterließ sogar bei Michael Köllner, dem Trainer des Gegners 1. FC Nürnberg, einen erstaunten Gesichtsausdruck. Ja, für die Profis des 1. FC Union gibt es ein freies Wochenende. Trotz des 0:1 gegen die Franken , dem siebten Spiel ohne Sieg, der dritten Heimniederlage in Folge und dem Sturz des Aufstiegsaspiranten ins Mittelmaß der Zweiten Liga.

Union Ende Januar 2018 – das sind Profis, die mehr mit sich selbst zu tun haben als mit dem Gegner oder irgendwelchen Aufholjagden im Aufstiegsrennen. Eine Mannschaft, die sich im freien Fall befindet. Ein Verein, der sich die sportliche Situation selbst zuzuschreiben hat . Der Trainerwechsel Anfang Dezember vergangenen Jahres von Jens Keller zu André Hofschneider brachte gar nichts, außer noch mehr Verunsicherung.

„Unser Vertrauen darin, in der bestehenden Konstellation Konstanz in unsere sportlichen Leistungen zu bekommen, ist nicht mehr gegeben“, hatte Lutz Munack, Unions Geschäftsführer Sport und verantwortlich für den Trainerwechsel, seinerzeit die Trainer-Personalie kommentiert. Konstanz hat die derzeitige Konstellation jedenfalls erreicht. Gegen Nürnberg war die Chancenverwertung erneut inkonsequent, waren viele Anspiele wie schon drei Tage zuvor in Kiel (2:2) dankbare Ballgewinne für den Gegner, stimmten in entscheidenden Aktionen die Laufwege nicht – macht einen Punkt aus vier Spielen unter Hofschneider.

Innenverteidiger Friedrich aus Augsburg verpflichtet

„In jeder Liga ist man davon abhängig, welches Selbstvertrauen du hast“, versuchte sich Hofschneider an einer Erklärung: „Es sind Dinge, die sich im Unterbewusstsein abspielen. Qualität muss man immer wieder bestätigen, das ist die Stärke von ganz großen Spielern und Mannschaften. Wir sind in einer Phase, in der Dinge nicht von allein gehen.“ Sinnbildlich für die Situation: Akaki Gogia. Sein Fehlpass leitete den Rückstand ein, danach war er beim Versuch der Wiedergutmachung ebenso engagiert wie erfolglos.

Die seit Saisonbeginn immer wieder propagierte Qualität im Kader will auch Hofschneider „nicht abstreiten, wir haben sie auch schon nachgewiesen.“ Doch Qualität muss sich vor allem dann zeigen, wenn es nicht läuft. Wenn die Mannschaft sich dann auch noch selbst auseinandernimmt – Abwehrchef Toni Leistner ist nach Gelb-Rot für die nächste Partie in Bielefeld am 5. Februar gesperrt, Stürmer Philipp Hosiner nach Rot für eine Tätlichkeit vielleicht sogar noch länger – muss der Blick zwangsläufig sogar nach unten gehen.

Durch das 0:0 zwischen Fürth und Kiel liegt Union nun acht Punkte hinter Rang drei, aber auch nur sieben vor dem Relegationsplatz zur Dritten Liga. „Wenn du nicht gewinnst, ist es immer gefährlich“, sagte Abwehrspieler Marc Torrejon: „Am Anfang hast du nur über den Aufstieg geredet, jetzt sind es sieben Spiele ohne Sieg, das ist auch schwer für den Kopf. Wir müssen mental stark sein, dazu gehört auch ein bisschen Erfahrung.“ Der Aufstieg ist auch durch den Sieg Düsseldorfs bei Schlusslicht Kaiserslautern (3:1) aber fast unerreichbar geworden.

Mehr verspielt als nur den Aufstieg

Die Initialzündung, die sich die Klubverantwortlichen erhofft hatten, blieb aus. Sei es durch den Trainerwechsel oder die bisherigen Zugänge in der Wintertransferperiode. Innenverteidiger Lars Dietz (21) aus Dortmund muss sich erst noch weiterentwickeln, und ob Marvin Friedrich sofort helfen kann, bleibt abzuwarten. Am Sonnabend verpflichtete Union den Innenverteidiger vom FC Augsburg bis Sommer 2021. Der 22-Jährige hatte 2014 den Sprung in den Bundesligakader von Schalke 04 geschafft, brachte es in zwei Jahren aber nur auf sieben Einsätze. Zuletzt spielte Friedrich in der Regionalliga für Augsburgs U23. Gebraucht wird er nach Leistners Zwangspause allemal.

Es war Sebastian Polter, der versuchte, einen Hauch von Hoffnung zu verbreiten: „Wir haben uns schon weiterentwickelt, was das Passspiel angeht. Wir müssen nur versuchen, noch zwingender nach vorn zu spielen. Wir spielen oft quer oder nach hinten und vergessen dadurch unsere Stärken, unser schnelles Umschaltspiel.“ Auch dies eine direkte Folge des Trainerwechsels, der Union mehr Ballbesitz und -sicherheit bringen sollte.

14 Spiele haben die Köpenicker noch Zeit, um zumindest die Talfahrt zu beenden. Wer jetzt noch mit dem Aufstieg liebäugelt, braucht schon eine gehörige Portion Optimismus. In den vergangenen Wochen hat Union viel mehr verspielt als nur den angestrebten Aufstieg. Ein Verein, der sich mit der Verpflichtung Kellers aufgemacht hatte, um im Konzert der Großen mitzuspielen, wird unter Hofschneider immer mehr zur Grauen Maus der Liga. Eine Entwicklung, die nicht nur der Trainer oder die Profis zu verantworten haben.