Zweite Liga

Christopher Trimmel – Der Adjutant von Köpenick

Der 1. FC Union baut gegen Nürnberg auf Top-Vorbereiter Christopher Trimmel. Sein Trainer vergleicht ihn sogar mit einem Weltmeister

Foto: imago sport / imago/Jan Huebner

Berlin.  Diese Ansage war ihm offenbar ein dringendes Anliegen. Also hob Christopher Trimmel reumütig den Arm und sprach: „Ich möchte mich dafür entschuldigen, dass ich die Flanke gerade hoch auf Stevie gespielt habe.“ Gelächter im Kreis der Union-Profis. Stevie, gemeint war Steven Skrzybski, zählt nun wirklich nicht zu den Kopfball-Ungeheuern im Kader des Fußball-Zweitligisten. Doch Spaß muss eben sein, erst recht im Training.

Die Szene verdeutlichte vor allem eines: den Stellenwert, den sich Trimmel bei den Köpenickern erarbeitet hat. Seit 2014 trägt der Österreicher das Union-Trikot, doch nie war er so wertvoll wie in diesen Tagen. Der 30-Jährige ist einer jener Profis, auf denen Unions Hoffnungen nicht nur im Spitzenspiel am Freitag gegen den 1. FC Nürnberg (18.30 Uhr, Alte Försterei) ruhen. Trimmel ist auch ein Pfeiler, der den Traum stützt, dass es mit dem Aufstieg vielleicht doch noch in diesem Sommer klappt – trotz der sieben Punkte Rückstand auf den zweiten Platz und der bereits sechs Spiele ohne einen Sieg (zwei Unentschieden).

Einzig Damir Kreilach kommt auf mehr Einsätze

Der gebürtige Burgenländer zählt seit Jahresanfang nicht nur wieder zum Mannschaftsrat – wie bereits zu Beginn seiner Union-Zeit –, er ist neben Skrzybski auch Stellvertreter von Kapitän Felix Kroos. „Dadurch ändert sich für mich gar nichts. Wer mich kennt, weiß, dass ich so bleibe, wie ich bin“, erklärt Trimmel: „Ich bin nicht derjenige, der rumschreit, das werde ich auch in Zukunft nicht machen. Ich bleibe meiner Linie treu. Aber natürlich freut mich das, das ist schon ein Zeichen.“

Ein Zeichen deshalb, weil er von Trainer André Hofschneider dafür ausgesucht wurde. So ist es auch der Coach, der den Vergleich Trimmels mit einem der Besten nicht scheut, den der Fußball im vergangenen Jahrzehnt hervorgebracht hat. Philipp Lahm, Kapitän der deutschen Weltmeister 2014, „war auch kein Lautsprecher und ist mit seinen konstanten Leistungen immer vorangegangen“, sagt Hofschneider und lobt seinen Profi ausdrücklich: „Ich finde, dass er momentan ein Vorbild sein kann. Er war nie verletzt, nie krank, hat gefühlt kein schlechtes Spiel gemacht.“ Ein Blick auf die Einsatzzeiten bestätigt: Trimmel kommt auf 105 Zweitliga-Einsätze (8911 Spielminuten) seit 2014, nur Damir Kreilach spielte häufiger (115/9064).

Vorbild durch Trainingseifer und Beständigkeit

„Der Trainer hat das ja nur gesagt, weil Lahm auch eher ruhig und sachlich gewesen ist und konstant seine Leistungen gebracht hat. Für mich ist das einfach die Basis“, sagt Trimmel zum Sonderlob, das er gern annimmt, auch wenn es für seinen Geschmack vielleicht ein wenig zu üppig ausfällt. Nachvollziehbar für einen Profi, der sich vieles erst erarbeiten musste, weil er nicht mit Talent im Übermaß gesegnet war. Auch deshalb fühlt sich der Tattoo-Fan in der Vorbildfunktion wohl. Weil er weiß, dass ohne harte Arbeit nichts zu erreichen ist.

„Wir älteren Spieler schauen, dass wir die jüngeren ein bisschen führen oder ihnen den Druck nehmen, wenn es mal nicht läuft – ihnen beibringen, dass das ganz normal ist. Als junger Spieler will man sich in jeder Trainingseinheit beweisen und macht sich einen Kopf“, sagt er.

Sein gar nicht so geheimes, dafür umso wirksameres Rezept gegen zu viele Gedanken? „Ich konzentriere mich mit Vollgas auf die Aufgaben, die als nächstes anstehen, ganz einfach“, sagt Trimmel. Auf die nächste Trainingsübung, das nächste Spiel oder auf die nächste Flanke, die es zu schlagen gilt. Natürlich beruht auch Trimmels Spezialität vor allem auf Fleiß. Mit Anfang 20, „im zweiten oder dritten Profijahr in Wien, als ich im Mittelfeld gespielt habe, sagte der Trainer: Nach jedem Training schlägst du zehn Flanken auf den Stürmer. Man merkt dann schnell, dass das Gefühl immer besser wird. Du schraubst automatisch deine Quote in die Höhe“, erzählt Trimmel.

Schon sieben Torvorlagen in der laufenden Spielzeit

Seine Quote in dieser Saison kann sich sehen lassen. Mit sieben Assists ist er Unions bester Torvorlagengeber. Seit 2014 bereitete der Rechtsverteidiger 18 Treffer vor – kein Uni­oner war seitdem besser. Zuletzt in Kiel (2:2) profitierte Skrzybski von einer Flanke Trimmels, die im Anschlusstreffer für die Köpenicker mündete.

Natürlich freut sich Trimmel „irrsinnig darüber“, wenn sein Werk von den Stürmern vollendet wird. „Aber es ist nicht so, dass ich mich wahnsinnig darüber ärgere, wenn ich mal eine perfekte Flanke schlage, und der Kopfball geht daneben. Wenn im Spiel aber sieben gute Flanken sind, und keine wird ein Tor, dann ärgert es mich schon. Das werde ich dann auch sagen“, macht Trimmel deutlich. Keine Frage: Ob für den Kapitän, für den Trainer, für junge Spieler oder für die Torjäger – Christopher Trimmel ist der Adjutant, auf den sich Union seit nun dreieinhalb Jahren verlassen kann.