Zweite Liga

Union-Kapitän Kroos: „Ich muss mich steigern“

Union-Kapitän Felix Kroos spricht vor dem Start in Kiel über Erstligaträume, Selbstkritik, Trainertypen – und seine Zukunft bei Union.

Union-Kapitän Felix Kroos will noch mehr vorangehen

Union-Kapitän Felix Kroos will noch mehr vorangehen

Foto: Annegret Hilse / picture alliance / Annegret Hils

Berlin.  Die Vorbereitung auf die zweite Saisonhälfte in der Zweiten Liga war mit nur drei Wochen kurz, aber intensiv. Für den 1. FC Union soll sie nach einer unbefriedigenden Hinrunde und dem Trainerwechsel von Jens Keller zu André Hofschneider die Grundlage sein, um nochmal ins Aufstiegsrennen eingreifen zu können. Im Gespräch mit der Morgenpost vor dem Punktspielstart am Dienstag bei Holstein Kiel (20.30 Uhr/Sky) verriet Union-Kapitän Felix Kroos (26), warum der Sprung in die Bundesliga doch noch gelingen kann.

Herr Kroos, was sagen Sie all jenen, die behaupten, Union verpasst auch in diesem Jahr wieder den Aufstieg?

Felix Kroos: Denen sage ich, dass die Saison noch lang ist. Aber wir sind uns auch bewusst, dass wir es nicht mehr in der eigenen Hand haben, weil der Abstand doch schon ein bisschen größer ist. Wir brauchen aber auch nicht mehr groß über den Aufstieg zu reden. Wir wollen jedes Spiel einzeln angehen, gewinnen und dann werden wir sehen, ob es am Ende reicht.

Klingt nicht wirklich optimistisch…

Wir sind optimistisch, dass wir jedes Spiel gewinnen können, weil es keine Mannschaft gibt, vor der wir Angst haben müssen. Dass wir nicht jedes Spiel gewinnen werden, ist auch klar, es gibt immer auch einen Gegner auf dem Platz.

Simon Hedlund zählt Union zu den Top drei, für Jakob Busk gibt es sogar keine bessere Mannschaft in dieser Saison.

Es gibt keine beste Mannschaft in dieser Liga. Es gibt in dieser Liga keine klare Reihenfolge, und wir brauchen nicht darüber zu reden, ob wir Top eins, drei oder sonst was sind. Man muss in jedem Spiel ans Limit gehen, um zu gewinnen. Das muss unser Ziel sein, dann sind wir auch schwer zu schlagen. Natürlich müssen wir uns steigern, in allen Bereichen, offensiv wie defensiv.

„Uns hat die Kontrolle gefehlt“

Wenn es keine klare Reihenfolge gibt, wie kommt es dann, dass Union mit diesem großen Rückstand in die restlichen 16 Saisonspiele gehen muss?

Wir haben zu viele Führungen aus der Hand gegeben. Wir müssen aus einer Führung noch mehr Stärke ziehen, noch souveräner und dominanter spielen und die Spiele auch zu Ende bringen. Die Kontrolle hat uns einfach gefehlt. Das Gefühl ‚Oh, es wird nicht leicht‘ müssen wir wieder in die Köpfe der Gegner bekommen.

Wie kann man die Kontrolle verlieren? Sie haben ja nicht plötzlich das Fußballspielen verlernt…

Unser Stil war unter Trainer Jens Keller auf viel Umschaltspiel und hohes Tempo ausgelegt. Darauf hatten sich die Gegner schnell eingestellt. Und wir haben es schwer gehabt, andere Lösungen zu finden.

War Union also tatsächlich entschlüsselt, wie es auch in der Begründung des Vereins für den Trainerwechsel hieß?

Im Endeffekt muss man auf dem Platz flexibel sein, das haben wir nicht hinbekommen.

Ist das der Vorwurf, den die Mannschaft sich machen muss?

Ja, jedoch ist dies kein Vorwurf an den alten Trainer.

Große Ruhe in der Mannschaft

Es entstand auch der Eindruck, dass es in der Mannschaft selbst ein wenig knirschte, als es nicht so lief. Aus der Offensive hieß es, dass man besser verteidigen müsse, im Gegenzug wurde manchem fehlende Kritikfähigkeit vorgeworfen…

Der Eindruck täuscht. Ich glaube schon, dass wir geschlossen auftreten. Sicher gehört Kritik dazu und ich glaube auch, dass sie jeder einzelne annimmt. Kritik ist ja immer dazu da, um denjenigen besser zu machen. Natürlich werden Kleinigkeiten in einer Phase, in der es nicht so läuft, immer größer gemacht, als sie sind. Aber wir haben eine große Ruhe in der Mannschaft, mit Dingen umzugehen, die von außen hereingetragen werden.

Nach dem 0:1 gegen Dresden gab es auch erstmals Kritik von den Fans. Braucht die Mannschaft so etwas vielleicht öfter?

Ich brauche das nicht. Aber sicher ist der Anspruch in den vergangenen Jahren auch gestiegen. Trotzdem spüre ich eine bedingungslose Unterstützung. Ich bin auch überzeugt davon, dass wir so auftreten werden, dass das kein Thema werden wird.

„Wir haben genügend Qualität“

In der vergangenen Winterpause kam Sebastian Polter zurück, auch um im Aufstiegsrennen für eine Initialzündung zu sorgen. Ein solcher Anreiz scheint in diesem Jahr zu fehlen…

Wir haben im Sommer den Kader deutlich verändert und Qualität dazubekommen. Du brauchst jetzt nicht jedes halbe Jahr neue Spieler holen, das macht in meinen Augen keinen Sinn. Wir haben genügend Qualität im Kader, die müssen wir einfach auf den Platz bringen.

Also ist der Kader gut genug, um nochmal oben angreifen zu können?

Gut genug, um in jedem Spiel die Chancen zu haben, es zu gewinnen.

In der Winterpause hat man auch viel Zeit zum Abschalten und Nachdenken. Zu welcher Erkenntnis sind Sie in Bezug auf Ihre eigene Leistung in der Hinrunde gekommen?

Ich weiß, dass es nicht meine beste Runde war und ich mich steigern kann und auch muss.

Was hat gefehlt? Müssen Sie noch mehr vorangehen als Kapitän?

Das ist immer leicht gesagt. Ich muss Konstanz in meine Leistungen bekommen und natürlich vorangehen, damit die Mannschaft bei einer Führung die Souveränität auf den Platz bekommt. Das sind meine Aufgabe und mein Anspruch, und dem stelle ich mich.

Die Rückendeckung dafür hat es vom neuen Trainer gegeben: Der Mannschaftsrat wurde zwar verändert, der Kapitän jedoch nicht. Das machen neue Trainer auch gern mal anders. Gibt das nochmal einen Schub Selbstvertrauen?

Diese Fragen habe ich in den vergangenen eineinhalb Jahren in Zwei-Wochen-Abständen gehört. Das war und ist für mich kein großes Thema.

Mit Hofschneider „wird es gut laufen“

Kommt Ihnen vielleicht auch das 4-4-2-System mit Raute, das Trainer André Hofschneider spielen lässt, entgegen?

Ich habe ja immer gesagt, dass ich lieber ein wenig offensiver spiele als auf der Sechs. Entscheidend ist, dass ich überhaupt spiele. Aber es ist auch keine Ausrede, dass ich schlecht spiele, nur weil ich auf der Sechs spiele. Auch da muss ich meine Leistung bringen.

Sie haben Hofschneider schon vor knapp zwei Jahren erlebt, damals war er Interimstrainer. Nun ist er erstmals Chefcoach – hat er sich verändert?

Überhaupt nicht. Er war damals schon ein Typ und ist es heute noch. Er hat immer noch die gleiche Ansprache und eine klare Vorstellung. Er hat damals schon seine Art, Fußball zu spielen, gut eingebracht. Ich bin optimistisch, dass es mit ihm sehr gut laufen wird.

Vor allem soll er das System verändern, vom Pressing/Gegenpressing Keller’scher Prägung hin zu mehr Ballbesitz. Eine ambitionierte Aufgabe, wenn man bedenkt, dass Union nur drei Wochen Zeit hatte dafür. Größere Trainer mit noch größeren Mannschaften schaffen das oft in einer kompletten Halbserie nicht…

Er hat ja aber nicht gesagt, dass er alles neu machen will. Ich denke, dass wir eine gute Mischung finden müssen aus Draufgehen und Ballhalten und nicht nur dieses Hin und Her haben. Er gibt uns da auch Freiheiten. Wenn der Ball mal lang gespielt wird, wird er lang gespielt. Das muss immer der Situation entsprechend sein.

Gab es diese Freiheiten unter Keller nicht?

Die Vergangenheit ist vorbei. Jede Aussage, die man dazu tätigt, wird ohnehin immer gegen einen ausgelegt. Ich will nur noch auf die Spiele schauen, die vor uns liegen.

Neuer Schwung durch gute Ergebnisse

Die nächsten Spiele in Kiel und gegen Nürnberg haben es gleich in sich. Zwei Spiele mit Endspielcharakter?

Jedes Spiel ist wichtig, auch wenn es jetzt gegen die direkte Konkurrenz geht. Es ist immer wichtig, nach einer Pause gut zu starten und ein gutes Gefühl zu bekommen. Wenn wir da gute Ergebnisse erzielen, gibt es vielleicht nochmal neuen Schwung.

Unter welchen Umständen würden Sie sagen, es war eine erfolgreiche Saison?

Wenn wir so viele Punkte wie möglich geholt haben. Im Endeffekt dürfen wir uns nicht den Vorwurf machen lassen, nicht alles versucht zu haben.

Sie sind jetzt 26 Jahre alt, Ihr Vertrag bei Union läuft bis 2019. Wo groß ist denn Ihre Sehnsucht nach der Bundesliga? Schließlich durften Sie in 65 Einsätzen für Werder Bremen bereits Erstliga-Luft schnuppern…

Da mache ich mir nicht solch große Gedanken. Mein großer Wunsch ist es, mit Union aufzusteigen, dann habe ich das Ziel, nochmal Bundesliga zu spielen, erreicht.

Und wenn der Wunsch nicht in Erfüllung geht?

Dann geht das Leben auch weiter.

Was sagen Sie jenen, die behaupten, Felix Kroos spielt nie wieder in der Bundesliga?

Das kann richtig oder falsch sein. Im Fußball geht alles so wahnsinnig schnell, da kann sich innerhalb eines Jahres ganz viel ändern. Ich kann jenen nur sagen: Macht euch keine Sorgen um mich.