Flutlicht, ein volles Stadion, zwei Mannschaften, die sich zum Ziel gesetzt haben, um den Aufstieg mitzuspielen – es sind solche Duelle wie die zwischen dem 1. FC Union und Eintracht Braunschweig, die die Zweite Liga so außergewöhnlich machen. So war es zumindest in der vergangenen Spielzeit. Zwei Mannschaften, die kräftig an die Tür zu Bundesliga klopften, mit dem besseren Ende für die Eintracht, die die Relegation erreichte.

Heute stehen sich beide Klubs erneut gegenüber (18.30 Uhr, Alte Försterei). Vom Glanz, den die Partie Anfang Mai ausgestrahlt hat, ist derzeit jedoch nur wenig zu spüren. Beide Teams suchen noch nach jener Form, die sie im Frühjahr in die Spitzenpositionen gebracht hatte. Union gegen Braunschweig, das ist Mitte September bereits ein Duell der Enttäuschten.

Denn während es die Köpenicker nicht schaffen, von Beginn an hellwach zu sein und sich immer erst in der zweiten Halbzeit berappeln, sind die Niedersachsen nicht in der Lage, eine Führung über die Zeit zu bringen. Folgerichtig finden sich die Kontrahenten nach fünf Spieltagen und jeweils drei Spielen ohne Sieg nur im Mittelfeld der Liga wieder.

Nicht einmal verloren, sondern dreimal nicht gewonnen

Für Unions Trainer Jens Keller noch kein Grund für Alarmstimmung, schließlich war die Ausbeute seiner Mannschaft in der vorigen Saison nicht besser (acht Punkte). Stattdessen verweist er auf den Gegner, der zwar noch nicht verloren hat, allerdings nur sieben Zähler aufweist. „Braunschweig hatte die ersten fünf Spiele alle gewonnen“, so Keller mit Blick auf 2016/17.

Doch es ist auch der Union-Coach, der deutlich machte: „Wir dürfen nicht sagen, dass wir nur einmal verloren haben, sondern, dass wir dreimal nicht gewonnen haben.“ Ein Statement, dass den gestiegenen Anspruch an der Alten Försterei dokumentiert. Bislang klafft jedoch zwischen Anspruch und Wirklichkeit noch eine recht große Lücke.

Diese Lücke soll mit einem Sieg gegen Braunschweig geschlossen werden. Mit einem überzeugenden Sieg. Wie schwer das werden wird, umriss Keller wie folgt: „Braunschweig ist eine Mannschaft, die enorm von ihrer Mentalität kommt, die mit Wucht spielt und versucht, mit langen Bällen ins gegnerische Drittel zu kommen und dann über die zweiten Bälle zu Chancen. Das ist eine enorme Herausforderung für uns.“ Anders als gegen Bielefeld (1:1) oder zuletzt in Düsseldorf (2:3) wird ein schlafmütziger Beginn jedoch fatale Folgen haben.

Für Lieberknecht bleibt Union ein Aufstiegsfavorit

Mentalität ist auch bei den Braunschweigern das zentrale Thema vor dem brisanten Duell in Berlin. „Bei uns geht es darum, wie wir mit einer Führung umgehen“, sagte Eintrachts Trainer Torsten Lieberknecht, „und dass wir nach dem 1:0 auch das zweite oder dritte Tor erzielen. Die Lust muss da sein, um den entscheidenden Punch zu setzen und den Deckel drauf zu machen.“ Das gelang zuletzt weder in Kaiserslautern (1:1) noch gegen Sandhausen (1:1).

Doch Lieberknecht weiß auch seit jeher, wie er die Aufmerksamkeit rund um seine Mannschaft klein halten kann: Er redet einfach den Gegner stark. „Union ist für mich – wie in den vergangenen Spielzeiten auch – ein Aufstiegsfavorit.“ An ein langes Abwarten glaubt der Coach deshalb nicht, schon weil das Keller-Team nach der Düsseldorf-Pleite „mit voller Wucht gegen uns antreten wird“. Auch die Variationen beim Personal und den Positionen sei etwas, für das „wir ein Gegenmittel finden müssen“, so Lieberknecht, der um den Einsatz von Stürmer Christoffer Nyman bangt.

Bei Union wird hingegen Angreifer Steven Skrzybski nach auskurierter Achillessehnenreizung wieder den Weg in den Kader finden. Der Rückkehrer vergrößert Kellers Möglichkeiten in Sachen Aufstellung und taktischer Ausrichtung wieder ein Stück mehr. Innenverteidiger Marc Torrejon (Wadenverletzung) fehlt weiterhin.

Keller fordert von seinen Spielern dagegenzuhalten

Für beide Mannschaften gilt dennoch: Wer verliert, wird zunächst mit dem Kampf um die Aufstiegsplätze wenig zu tun haben, sondern viel mehr mit sich selbst. Dies gilt es unter allen Umständen zu verhindern.

So forderte Keller von seinem Team eines: dagegenzuhalten, von der ersten Sekunde an. „Das haben wir in unseren Heimspielen auch schon oft genug gezeigt. Gegen Bielefeld lagen wir zurück und geben trotzdem Gas, um das Spiel zu gewinnen. Gleiches galt auch gegen Kiel“, so der Trainer, als Union sich in einem verrückten Spiel gegen den Aufsteiger doch noch 4:3 durchsetzte.

Ein Ergebnis, zu dem die Union-Anhänger unter den gut 21.000 Zuschauern heute Abend sicher nicht Nein sagen würden.