Seinen Humor hat Jens Keller noch nicht verloren. Auf die Frage, wie er an den Stellschrauben gedreht hat, damit sich bei einigen seiner Spieler nicht wie zuletzt bei der Niederlage in Düsseldorf (2:3) der Kopf ausschaltet, antwortete der Trainer des 1. FC Union eine zunächst rein pragmatisch: „Ich habe einen Schraubendreher genommen und an den Schrauben gedreht.“
Doch der 46 Jahre alte Coach weiß auch, dass die derzeitige Situation des Berliner Fußball-Zweitligisten mit Blick auf die Aufstiegsambitionen keine ist, in der man ausschließlich scherzen sollte. Also fügte er flugs hinzu: „Es gab schon direkte Ansprachen.“ Trainer wie Spieler suchen vor dem Heimspiel am Freitag gegen Eintracht Braunschweig (18.30 Uhr, Alte Försterei) den Wachmacher, der die Mannschaft über die kompletten 90 Minuten konzentriert ihren Job machen lässt.
Ein Hauch von Ratlosigkeit klingt durch, folgt man den Ausführungen Kellers weiter. „Ich dachte schon, dass wir da ein Stück weiter sind. Da bin ich ehrlich“, sagte Keller. Die Erfahrungen aus der Rückrunde der vergangenen Saison, speziell aus den Spitzenspielen in Hannover (0:2), Stuttgart (1:3) und Braunschweig (1:3), hätten eigentlich dazu beitragen sollen, Ähnliches wie zuletzt in Düsseldorf zu verhindern. So weit die Theorie.
Die Spieler sollen nicht so viel denken
In der Praxis gab es allerdings noch keinen Union-Auftritt, in dem man die Souveränität eines Aufsteigers sehen konnte. Unions Anspruch in dieser Spielzeit geht jedoch genau in diese Richtung. Kellers Forderung für Freitag ist deshalb unmissverständlich: „Wir dürfen nicht so viel denken. Man sagt ja immer, die meisten Spiele werden im Kopf entschieden. Aber ein Spiel wird im Herzen entschieden.“
Gerade in den ersten Halbzeiten fehlte Union bislang genau das: Herz und Leidenschaft. Erst nach einem Donnerwetter des Trainers wirkte Union wie jene Mannschaft, die ernsthaft um einen Platz in der Bundesliga mitspielen will. „Wir reden auch in der Kabine darüber“, bestätigt Christopher Trimmel: „Es liegt aber keinesfalls an der Fitness, sondern am Kopf.“ Das könne bei ein, zwei Spielern immer mal wieder passieren, aber „gegen Düsseldorf waren wir alle nicht da“, so der Rechtsverteidiger: „Es liegt sicher nicht daran, dass wir nicht Fußball spielen können, wir haben es ja bewiesen in den 30, 35 Minuten, in denen wieder alles lief. Aber in den zehn Minuten nach unserer Führung müssen wir eben auch wieder konzentriert sein.“
Trainer Keller hat dafür eine einfache Erklärung: „Vielleicht war nach dem Ausgleich schon der Gedanke bei den Spielern da, jetzt funktioniert es wieder. Und nach dem 2:1 wurde gedacht, jetzt müssen wir wieder etwas verteidigen. Wenn man aber die ganze Zeit überlegt, soll ich hingehen oder nicht, soll ich ins Dribbling gehen oder nicht, dann ist das nicht unser Spiel.“
Keller setzt auf einen Lerneffekt
Die Bürde, vom ersten Spieltag an im Aufstiegsrennen dabei sein zu wollen, noch dazu in einer Saison, in der Übermannschaften wie zuvor der VfB Stuttgart oder Hannover 96 fehlen, lastet offenbar schwerer auf den Schultern der Köpenicker als angenommen.
„Wir wirken darauf ein und versuchen, es abzustellen, aber leider klappt das nicht immer bei uns. Ich hoffe, dass die Mannschaft weiter aus den Situationen lernt und es dann auch dauerhaft umsetzt“, sagte Keller.
Gegen Braunschweig, unter Flutlicht und vor eigenem Publikum, bietet sich die nächste Gelegenheit. Oder wie es Keller formulierte: „Jeder hat sich in jedem Spiel zu hundert Prozent zu verausgaben.“


