Zweite Liga

Warum Union personell zulegen muss

Union trennt sich von sieben Profis, doch auch die restliche zweite Reihe besitzt zu wenig Qualität für permanente Aufstiegsambitionen.

Union-Verteidiger Fabian Schönheim (l.) ist gefordert, nicht nur in dieser Szene gegen den Heidenheimer Ben Halloran

Union-Verteidiger Fabian Schönheim (l.) ist gefordert, nicht nur in dieser Szene gegen den Heidenheimer Ben Halloran

Foto: imago sport / imago/Matthias Koch

Berlin.  Die zwei freien Tage haben die Profis des 1. FC Union gern zur Kenntnis genommen. Sich ins Bewusstsein rufen, dass man eine wirklich gute Saison gespielt hat, die mit der besten Platzierung (Vierter) und der besten Punkteausbeute (bislang 57) enden wird – auch wenn das endgültige Aus im Aufstiegsrennen mit dem 0:1 gegen Heidenheim noch nachwirkt.

"Es wird sicher ein paar Tage dauern, bis wir uns über die Saison freuen können", gab Stürmer Philipp Hosiner zu. Doch die Freude wird kommen, da ist sich nicht nur der Österreicher sicher. Das letzte Heimspiel hat jedoch auch offenbart, dass Union personell nachlegen muss, um von Beginn an und dann auch bis zum Schluss um einen Platz in der Bundesliga mitspielen zu können.

Die Voraussetzungen sind mit den Abgängen von sieben Spielern am Saisonende geschaffen. Doch auch jene Akteure abseits der Startformation, die bei Union bleiben werden, haben im ersten Jahr unter Trainer Jens Keller nicht wirklich zeigen können, dass man als Stammspieler um seinen Platz fürchten muss.

Die Abwehr wird zur Großbaustelle

Union braucht einen neuen zweiten Anzug, einen, der vor allem dann passen muss, wenn die Leistungsträger verletzt oder gesperrt sind. Oder im schlimmsten Fall alles auf einmal zusammenkommt. Baustelle Nummer eins ist die Abwehr. Toni Leistner ist gesetzt, Fabian Schönheim jedoch kam nach monatelangen Adduktorenproblemen nur schwer in Schwung.

Hier bedarf es neben einer quantitativen vor allem einer qualitativen Steigerung, denn auch in dieser Saison sind es die Teams mit sattelfesten Defensivreihen, die bis zuletzt Aufstiegschancen haben. Für die Außenverteidigerposition sind im Minimum personelle Absicherungen nötig, sollten Kristian Pedersen (links) oder Christopher Trimmel (rechts) einmal ausfallen – von leistungsförderndem Konkurrenzkampf ganz zu schweigen. Michael Parensen gilt als Defensivallrounder und weniger als Spezialist für die Außenbahnen.

Vor allem Pedersen kann Druck aus den eigenen Reihen vertragen, ebenso wie Simon Hedlund vor ihm im Mittelfeld. Beide konnten nach Verletzungen in der Rückrunde nicht an die guten Leistungen aus der Hinrunde anknüpfen. Dass bei dem Duo Potenzial vorhanden ist, hat es bewiesen. Ersatzmann Kenny-Prince Redondo, der entweder Hedlund oder Skrzybski (rechts) vertrat, ist zwar pfeilschnell, doch seine Torgefahr lässt zu wünschen übrig. Und im Keller'schen Spielsystem braucht es dauerhaft Qualität auf den Flügeln.

Zu abhängig vom Quartett im Zentrum

Wie stark Union aber von seinem Quartett im Zentrum abhängig ist, zeigten die vergangenen Wochen. Mit Sebastian Polter in vorderster Front, Felix Kroos und Damir Kreilach im Mittelfeld und Stephan Fürstner dahinter steht und fällt das Spiel der Köpenicker.

Speziell ohne Polter und Kreilach fehlt der Mannschaft jene Anspielstation, die die Bälle halten kann, damit die Mitspieler nachrücken können. So geschehen am Sonntag gegen Heidenheim und zu großen Teilen auch zuvor in Braunschweig (1:3), wo Stürmer Philipp Hosiner, dessen Spielweise Platz braucht und auf Zuspiele ausgelegt ist, in der Luft hing.

Ohne Kroos fehlt dem Union-Auftritt das Kreative, ohne Fürstner das Kompromisslose. Dennis Daube ist als Ersatz eher eine Mischung aus beiden. Und Eroll Zejnullahu ist trotz seiner zahlreichen vielversprechenden Auftritte in der vergangenen Saison noch nicht so weit, um Kroos oder Fürstner verdrängen zu können. In dieser Spielzeit pendelte das Eigengewächs zumeist zwischen Ersatzbank und Tribüne.

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