Zweite Liga

Unions letzte Aufstiegschance nach 0:1 vorbei

Union vergibt die letzte geringe Aufstiegschance. Die Berliner unterliegen Heidenheim 0:1. Die Personalprobleme reißen nicht ab.

Heidenheims Torschütze Sebastian Griesbeck streckt den Arm aus und feiert seinen Treffer nach dem Tor zum 0:1

Heidenheims Torschütze Sebastian Griesbeck streckt den Arm aus und feiert seinen Treffer nach dem Tor zum 0:1

Foto: Annegret Hilse / dpa

Philipp Hosiner sank auf den Rasen und starrte ins Leere. Unweit vom Österreicher umarmte Sebastian Polter jeden seiner Mitspieler, auch sein Gesichtsausdruck passte zur Situation am Sonntagnachmittag: Enttäuschung. Weil der Berliner Fußball-Zweitligist sein letztes Saison-Heimspiel mit 0:1 (0:0) gegen den 1. FC Heidenheim verlor. Mehr noch, weil es die Köpenicker nicht geschafft hatten, sich der Tür zur Relegation, die Eintracht Braunschweig mit seinem 0:6-Debakel bei Arminia Bielefeld wieder geöffnet hatte, noch ein letztes Mal zu nähern.

"Es war alles angerichtet, um vorn noch mal heranzustoßen", sagte Hosiner, "aber wir haben es spielerisch nicht geschafft. Und wenn wir das Ergebnis aus Bielefeld sehen, hätten wir umso lieber gewonnen." Seine Stimme klang noch leiser als sonst.

Emotional wurde es bereits eine Dreiviertelstunde vor dem Anpfiff. Und wieder gab es die obligatorischen Blumensträuße und gerahmten Bilder – überreicht von Klubchef Dirk Zingler und Helmut Schulte (Leiter der Lizenzspielerabteilung) – für jene Profis, von denen sich der Klub zum Saisonende trennt. Entsprechend freundlichen Applaus gab es für Roberto Puncec, Emanuel Pogatetz, Benjamin Kessel, Benjamin Köhler, Adrian Nikci, Raffael Korte und Maximilian Thiel. Die lautesten Ovationen bekam jedoch einer, der schon seit der Winterpause nicht mehr für die Köpenicker aktiv ist. Publikumsliebling Christopher Quiring, im Januar zum Drittligisten Hansa Rostock gewechselt, wurde mit Sprechchören verabschiedet.

Kroos mit Knieverletzung zur Pause ausgewechselt

Angesichts der personellen Not bei den Berlinern – neben den gesperrten Puncec (Gelb-Rot), Polter (Rot) und Damir Kreilach (Gelb) mussten auch die verletzten Steven Skrzybski und Toni Leistner (beide Muskelfaserrisse) passen – bekamen in der Innenverteidigung Pogatetz (neben Fabian Schönheim) und Kessel auf der rechten Abwehrseite noch einmal eine Chance, sich zu präsentieren. Christopher Trimmel rutschte dafür vor ins Mittelfeld, neben ihm in der Mitte agierte Eroll Zejnullahu.

Pünktlich zum Anpfiff setzte der Regen über der Alten Försterei ein. Vielleich mit ein Grund, warum die Partie vor 21.552 Zuschauern in der ersten Halbzeit nur dahinplätscherte. Es war nicht zu übersehen, dass Union in dieser Formation noch nie zusammengespielt hatte. Trotz allen Bemühens blieb vieles nur Stückwerk. Von der Ankündigung, dem Publikum noch mal ein Fußballfest spendieren zu wollen, war nichts zu sehen. Bezeichnend: Kessel vergab per Kopfball nach einem Freistoß von Felix Kroos die einzige Union-Chance vor der Pause – da waren bereits 40 Minuten vorbei. Daran konnte auch das neue Saison-Outfit, das die Profis präsentierten, nichts ändern: Das Trikot längs in Rot und Weiß gestreift mit einer weißen Fläche unter der Rückennummer passte zum farblosen Auftritt der Köpenicker.

Das lag auch daran, dass die Heidenheimer die Abstimmungsschwierigkeiten mit durchaus gefälligen Kombinationen zu nutzen wussten. Mehr als ein Schussversuch von Robert Strauß, den Unions Simon Hedlund abblockte (11.), und ein 30-Meter-Hammer von Marc Schnatterer (21.) sprangen aber auch nicht heraus.

Selbst mit dem Wissen der Bielefelder Führung zur Pause platzte bei den ersatzgeschwächten Unionern der Knoten nicht. "Wir haben uns zu wenig Torchancen herausgespielt", stellte Trimmel fest. Hosiners Schuss zehn Minuten nach Wiederbeginn wurde von Hauke Wahl abgeblockt – mehr kam nicht. "Wir haben das Spiel weit von unserem Tor fernhalten können", sagte FCH-Coach Frank Schmidt. Erst als in Bielefeld Tor um Tor fiel und im Wissen um die große Chance die Anfeuerungen von den Rängen immer lauter und enthusiastischer wurden, versuchte Union, wenigstens einen Gang hochzuschalten.

"Wir wussten natürlich um das Ergebnis in Bielefeld, wollten mit der Einwechslung von Thiel das Tor erzwingen. Aber man muss auch die Kirche im Dorf lassen, wenn uns fünf Stammspieler fehlen und zur Pause auch noch Kroos raus muss", erklärte Keller. Der Kapitän zog sich eine Innenband-Verletzung im Knie zu, "er sprach von einem instabilen Gefühl", so Keller. Am Montag steht die Untersuchung per MRT an.

Schönheim hebt das Abseits vor dem Gegentreffer auf

So erlebte der Kapitän den entscheidenden K.o. gegen Heidenheim und auch im Aufstiegsrennen von der Bank aus. Seine Teamkollegen ließen Heidenheims Denis Thomalla am linken Strafraumeck gewähren, und als dessen Pass mitten im Strafraum den völlig alleingelassenen Sebastian Griesbeck erreichte, war es um die Köpenicker geschehen, 0:1 (82.). Nicht zuletzt, weil Schönheim lieber an Gegenspieler Marcel Titsch-Rivero kleben blieb, anstatt mit seinen Teamkollegen herauszulaufen und somit den Torschützen ins Abseits zu stellen. Es war das bittere Ende aller Bundesliga-Hoffnungen, zumindest in diesem Jahr.

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