Zweite Liga

Unions Kampfansage an die Liga

Unions Sieg in Unterzahl in München zeigt, warum für die Mannschaft von Trainer Keller bei Platz fünf noch nicht Schluss sein muss.

Union feiert den in Unterzahl schwer erkämpften Sieg in München

Union feiert den in Unterzahl schwer erkämpften Sieg in München

Foto: Tobias Hase / picture alliance / dpa

Berlin.  Die Aufmerksamkeit, die der 1. FC Union auch außerhalb des Landes genießt, mag nicht übermäßig groß sein, doch sie ist angesichts von Vereinsmitgliedern in Österreich und der Schweiz, ja sogar in Italien und Spanien vorhanden. Wobei sich die Popularität des Berliner Fußball-Zweitligisten vor allem auf der iberischen Halbinsel durchaus ein wenig steigern dürfte – dank eines Weltmeisters. Kein Geringerer als Toni Kroos (26), Profi bei Real Madrid, wertschätzte ein Jubelbild der Köpenicker nach dem Sieg am Freitagabend bei 1860 München (2:1) auf Twitter mit drei Faust-Piktogrammen: starke Leistung.

Nun dürfte Toni Kroos’ Interesse an Union vor allem daher kommen, dass sein ein Jahr jüngerer Bruder Felix seit dem Winter an der Alten Försterei spielt und seit dieser Saison sogar der Kapitän der Berliner ist. Die Beachtung, die die nationale Konkurrenz Union jedoch zukommen lässt, sollte seit dem Auftritt in München zunehmen. Denn der Erfolg in der bayrischen Landeshauptstadt war vor allem eines: eine Kampfansage an die Liga.

Es war Jens Keller, Unions Trainer , der es nur wenige Minuten nach dem zweiten Saisonsieg in Folge auf den Punkt brachte. „Wir haben letzte Woche ein überragendes Spiel abgeliefert. Nun hat die Mannschaft gezeigt, welche Facetten sie noch hat“, sagte der 45-Jährige und bezog das 4:0 gegen Karlsruhe vorige Woche ausdrücklich mit ein. Zwei Spiele, die belegen, dass für Union das angestrebte Saisonziel Platz fünf mehr als nur machbar ist.

Schiedsrichter entschuldigt sich bei Schönheim

In München zeigte Union jene Tugenden, die man gemeinhin von den Köpenickern kennt und die gerade bei den Fans hoch angesehen sind. Kämpfen bis zum Umfallen, erst recht, weil Union nach dem kuriosen Platzverweis für Fabian Schönheim 37 Minuten in Unterzahl agieren musste. Von seiner ersten Gelben Karte habe der Innenverteidiger erst in der Pause erfahren.

„Der Schiedsrichter kam zu mir und sagte, er muss sich bei mir entschuldigen, weil er mir fälschlicherweise Gelb gegeben hat“, erzählte Schönheim. Denn nicht er, sondern Collin Quaner hatte mit einem Handspiel jenen Elfmeter verursacht, der zum Ausgleich geführt hatte. „Es sagte mir auch, ich könne kein Foul mehr machen. Ich fragte ihn: Warum? Ich habe ja noch keins gemacht“, so Schönheim weiter.

Der Rest ist bekannt: Der 29-Jährige sah nach (k)einem Foul an 1860-Stürmer Sascha Mölders die zweite Gelbe Karte. „Wenn man eine Gelb-Rote Karte bekommt mit einem Foul im Spiel, dann ist das schon sehr, sehr spannend“, sagte Trainer Keller: „Die erste Karte war unberechtigt, und aus meiner Sicht war auch die zweite Situation noch nicht einmal gelbwürdig.“

Taktisch sicher trotz Unterzahl

Doch der Union-Jahrgang 2016/17 hat verinnerlicht, was zu tun ist, wenn sich alles gegen einen zu verschwören droht. Schönheim: „Ich bin stolz auf die Jungs, wie sie sich reingehauen und für mich mitgearbeitet haben.“ Sie taten dies mit einer taktischen Sicherheit, die man in früheren Union-Mannschaften vergeblich gesucht hatte – Punkt zwei der Kampfansage an die Liga.

Trotz Unterzahl beließ es Keller bei einem Dreier-Mittelfeld, anstatt mit einem vierten Mann die Außenbahnen noch enger zu machen. Damir Krailach und Kroos gesellten sich zu Stephan Fürstner , und das Trio sorgte mit Laufbereitschaft vor der Abwehr dafür, dass die Münchner sich nicht permanent in den Union-Strafraum spielen konnten.

„Was ich gesehen habe, war einfach nur geil“, analysierte Kenny Prince Redondo die Abwehrschlacht. Nach Schönheims Platzverweis hatte der Offensivmann für Innenverteidiger Roberto Puncec weichen müssen. Durchaus mit Wehmut, denn ausgerechnet in München, vor dessen Toren er das Fußballspielen erlernte, gelang dem 22-Jährigen neben seiner Vorlage zum 1:0 durch Steven Skrzybski auch sein erstes Tor für Union.

Torgefahr wird spielerisch entwickelt

Die Entstehung des Treffers – Punkt drei der Kampfansage – untermauerte erneut, dass Union unter Keller spielerisch Torgefahr entwickeln kann. Sei es durch Diagonalpässe, wie der von Trimmel auf Redondo vor der Führung, sei es durch schnelles und direktes Passspiel, wie vor allem gegen Karlsruhe praktiziert – die Variabilität macht Union unberechenbarer.

Rang drei hat Union am Sonnabend durch die Siege von Heidenheim (2:0 gegen Düsseldorf) und Stuttgart (1:0 in Kaiserslautern) erst einmal wieder abgegeben. Aus den Augen verlieren wird das Team diesen Platz aber nicht mehr, wenn Union dieses Niveau halten kann. Mehr Aufmerksamkeit inklusive, nicht nur bei Toni Kroos.