1.FC Union Berlin

Willkommen zur Collin-Quaner-Show in Köpenick

Ein Doppelpack des Stürmers gegen den Karlsruher SC ermöglicht dem 1 FC Union den ersehnten ersten Saisonsieg.

 Collin Quaner (l.) umkurvt KSC-Keeper René Vollath und David Kinsombi, um dann zum 2:0 einschießen. Unions Stürmer führt die Torjägerliste an

Collin Quaner (l.) umkurvt KSC-Keeper René Vollath und David Kinsombi, um dann zum 2:0 einschießen. Unions Stürmer führt die Torjägerliste an

Foto: imago sportfotodienst / imago/Contrast

Berlin.  Der Applaus, der in der 79. Minute von den Rängen der Alten Försterei donnerte, wirkte herzlicher als bei den anderen Auswechslungen. Die Zuschauer auf der Haupttribüne waren sogar aufgestanden, um dem Mann, der gerade das Feld verließ und für Philipp Hosiner Platz machte, einen besonderen Dank zukommen zu lassen. „Klar nimmt man so etwas wahr“, sagte Collin Quaner wenig später in den Katakomben: „Wenn man dann auf der Bank sitzt und das ‚Eisern Union‘ hört, bekommt man eine Gänsehaut.“

Bescheiden nahm der Stürmer des Berliner Fußball-Zweitligisten die Ovationen der 19.356 Zuschauer entgegen. Dabei war er selbst es gewesen, der mit seinem Doppelpack keinen Zweifel daran aufkommen ließ, dass die Köpenicker mit 4:0 (2:0) gegen den Karlsruher SC am vierten Spieltag endlich den ersten Saisonsieg einfuhren. Man habe gesehen, „wie wichtig dieser Sieg für alle gewesen ist“, so Quaner.

Sein Trainer sah dies genauso. „Wir haben heute sehr, sehr viel richtig gemacht und uns für ein aufwändiges Spiel belohnt“, sagte Jens Keller: „Wir haben die individuellen Fehler minimiert. Und besonders wichtig ist mir, dass die Null steht.“

Es war Unions zwölftes Heimspiel in Folge ohne Niederlage (neun Siege, drei Unentschieden). Und natürlich hatte der Coach auch ein Sonderlob für seinen Torjäger übrig: „Es geht nicht nur darum, wie er die Treffer macht. Er bewegt sich auch gut und verdient sich die Tore“, erklärte Keller.

Sein zweites Tor erinnert an Bayern-Star Robben

Wobei gerade der Treffer zum 4:0 in der 76. Minute schon eine genauere Betrachtung verdient. Nach einer Ecke des eingewechselten Eroll Zejnullahu nahm Quaner den Ball aus 14 Metern unbedrängt und drosch ihn mit vollem Risiko volley ins untere linke Eck. Man fühlte sich unweigerlich an Bayern-Star Arjen Robben erinnert, dem einst in der Champions League gegen Manchester United ein ähnlicher Treffer gelungen war. „Das Selbstvertrauen spielt dabei natürlich eine große Rolle. Das spüre ich in diesen Wochen“, sagte Quaner, der mit fünf Treffern die Torschützenliste der Zweiten Liga anführt.

Noch in der vergangenen Saison, ohne Zweifel auch durch Rekordtorschütze Bobby Wood, spielte Quaner praktisch keine Rolle. Dieser Umstand hatte sich auch in seinen wenigen Einsätzen widergespiegelt, in denen Quaner oft zu umständlich und vor dem Tor unglücklich agierte. Nun ist er gefragt wie nie. Nach dem Spiel klatschte er nicht nur mit den Zuschauern ab, sondern stellte sich auch gleich für das eine oder andere Selfie zur Verfügung.

Keine Frage, Quaner genießt den Auftrieb, der ihm gerade bei Union widerfährt. Und Union genießt die zunehmende Abgeklärtheit seines Stürmers. Wie beim 2:0 in der 44. Minute, als er nach großartigem Zuspiel von Steven Skrzybski auf KSC-Torwart René Vollath zulief, ihn umkurvte und eiskalt einschob. „Gott sei Dank ist das Transferfenster zu, jetzt bleibt Quaner erst einmal hier“, flachste Skrzybski. Er sollte diesen Treffer als Beispiel nehmen, schließlich vergab er in ähnlicher Situation 20 Minuten zuvor kläglich.

„Es ist noch ein langer Weg“

Vom Elfmeterpunkt war Skrzybski nach einer Stunde abgezockter. Karlsruhes Schlussmann Vollath, der zuvor Quaner von den Beinen geholt hatte, ließ er keine Chance. Mit diesem 3:0 war das ungleiche Duell, dem Damir Kreilach nach 25 Minuten mit einem abgefälschten Distanzschuss zum 1:0 die Richtung vorgegeben hatte, entschieden. KSC-Trainer Thomas Oral hatte sein Team mit der Maßgabe ins Rennen geschickt, „dass wir eine gewisse Balance herstellen“.

Klarer Fall von Mission erfüllt, denn der KSC wirkte im Angriff ebenso harmlos wie er in der Defensive überfordert war. Nur Moritz Stoppelkamp schien sich irgendwie gegen die Niederlage stemmen zu wollen, wie zwei gute Freistöße (13., 41.) und ein Schuss aus spitzem Winkel (67.), den Union-Keeper Jakob Busk hielt, bewiesen.

Die Unioner, bei denen Fabian Schönheim in der Innenverteidigung Roberto Puncec ersetzte, spielten hingegen über weite Strecken wie aus einem Guss. Nicht zuletzt dank Collin Quaner. „Langsam wird es schon unheimlich“, sagte der Angreifer über seine Trefferserie. Doch er bleibt auf dem Boden. „Es ist noch ein langer Weg“, sagte Quaner angesichts der 17 Saisontore, mit denen sich Bobby Wood in Union Geschichtsbücher geschossen hat. Dass der US-Amerikaner, inzwischen in Diensten des Hamburger SV, von den Fans gerade erst zum „Unioner des Jahres“ gewählt wurde, geriet angesichts der Quaner-Show dennoch nur zur Randnotiz.