Zweite Liga

Union macht die Alte Försterei zur Festung

Sieben Heimsiege in Folge: Warum Union in der Rückrunde zu Hause wieder eine Macht ist. Trainer Hofschneider lobt Charakter des Teams.

Union schafft den Schulterschluss mit den Fans so gut wie lange nicht

Union schafft den Schulterschluss mit den Fans so gut wie lange nicht

Foto: imago sportfotodienst / imago/Sebastian Wells

Berlin.  1:0, 3:0, 2:1, 4:0, 3:1, 1:0, 1:0 – es ist eine durchaus beeindruckende Serie, die der 1. FC Union in den vergangenen Heimspielen hingelegt hat. Sieben Siege in Folge, welche die Basis sind für eine Rückrunde, in der Berlins Fußball-Zweitligist sich auf Rang vier wiederfindet, hinter dem Spitzentrio Freiburg, Nürnberg und Leipzig. Und die die Alte Försterei wieder zu jener Festung gemacht haben, die die Liga mit Union verbindet.

„Union war für mich immer bekannt als die Festung Alte Försterei“, sagte Dennis Daube, der bis zu seinem Wechsel nach Köpenick im vergangenen Sommer als Profi des FC. St. Pauli feststellen musste: „Als Gegner ist hier eigentlich nicht viel zu holen. Die Fans sind überragend, wie sie das Team nach vorne pushen. Das genießt man einfach.“ Diese Symbiose aus Unterstützung von den Rängen und der Leistung auf dem Rasen funktioniert derzeit so gut wie lange nicht mehr.

„Die Mannschaft hat Charakter“, lobte Trainer André Hofschneider sein Team, das „in dieser Saison viel weggesteckt hat“. Zwei Trainerwechsel, eine kaum enden wollende Verletzungsmisere, zahlreiche Punktverluste in den letzten Sekunden – das schweißt zusammen. Unions Torhüter Jakob Busk, in der Winterpause gekommen, musste seine Meinung über die Atmosphäre in der Alten Försterei sogar revidieren: „Das ist noch viel besser, als ich es mir vorgestellt habe.“

Starke Standards als Schlüssel zum Erfolg

Doch da ist mehr als die Unterstützung durch das Publikum, die Union zu Hause wieder feiern lässt. Schon ist man wieder bei Daube, der zum Siegtreffer von Kapitän Benjamin Kessel gegen Bochum mit einem Augenzwinkern sagte: „Wenn er rein geht, ist die Ecke anscheinend immer gut getreten.“ Daube selbst hatte den Eckball auf Kessels Kopf gezirkelt.

Wieder war es eine Standardsituation, die zum Erfolg führte. Schon beim Sieg zuvor gegen Heidenheim leitete ein Eckball von Felix Kroos das entscheidende Tor durch Bobby Wood ein. „Im allgemeinen funktionieren die Standards ganz gut, ob Felix sie schießt oder ich“, erklärte Daube.

Schon bei St. Pauli war er der Mann für die ruhenden Bälle. „In der letzten Saison haben wir mit St. Pauli brutal gegen den Abstieg gespielt. Da wusste ich auch, dass viel über Standards gehen kann“, erzählte der Mittelfeldspieler. Und er arbeitet in nahezu jeder Übungseinheit an der Optimierung seiner Schusskünste: „Ich versuche, mir nach dem Training ein paar Bälle zu nehmen und das auszubauen.“

Leistner als Fels in der Brandung

Immer besser wird auch Unions Defensivstärke. Die desaströse zweite Halbzeit beim 2:6 in Nürnberg einmal ausgeklammert, blieb man in neun der vergangenen zehn Halbzeiten ohne Gegentor. Ein Schlüssel dafür ist Toni Leistner, der „seit Wochen in bestechender Form ist“, sagte Hofschneider.

Der Trainer weiß genau, was er an dem Abwehrmann hat: „Er bringt über 90 Minuten Konsequenz auf den Platz und ist unser Fels in der Brandung.“ Gegen Bochum schaltete er erst Toptorjäger Simon Terodde, nach dessen Auswechslung den nicht weniger robusten Peniel Mlapa aus. „Auf diesem Niveau ist er einer der besten Innenverteidiger der Zweiten Liga“, sagte Hofschneider.

Schließlich ist da das Selbstbewusstsein, das mit jedem Erfolg gewachsen ist. Noch in der Hinrunde wurden in den Heimspielen gegen Düsseldorf (1:1), Kaiserslautern (2:2), Leipzig (1:1) und Nürnberg (3:3) wichtige Punkte zumeist in der Schlussphase verspielt. Das trug nicht gerade zur Sicherheit im Auftreten bei. „Wenn wir jetzt 1:0 führen, passiert uns das nicht mehr“, bestätigte Stürmer Sören Brandy.

Gegen Freiburg soll Heimsieg Nummer acht her

Ein Heimspiel wartet noch auf Union, am 15. Mai zum Saisonabschluss gegen den Bundesliga-Aufsteiger und designierten Zweitliga-Meister Freiburg. Klar, dass dann der bestehende Rekord auf acht Heimsiege ausgebaut werden soll.

„Ich glaube schon, dass die Gegner wieder enormen Respekt haben, wenn sie hierher kommen“, sagte Daube: „Ein Sieg zum Abschluss gegen Freiburg wäre ein kleiner Obolus obendrauf.“