Zweite Liga

Der 1.FC Union will jetzt ran an den Speck

Müsli-Unternehmen Layenberger wird für drei Jahre Hauptsponsor von Union. Ein Quantensprung ist dies für die Köpenicker jedoch nicht.

Die Mannschaft des 1. FC Union will nächste Saison einen neuen Anlauf in die Top 20 des deutschen Fußballs nehmen

Die Mannschaft des 1. FC Union will nächste Saison einen neuen Anlauf in die Top 20 des deutschen Fußballs nehmen

Foto: Annegret Hilse / dpa

Berlin.  Da sage noch einer, der 1. FC Union hätte die Bundesliga nicht im Blick. Branchenprimus FC Bayern lässt der Berliner Fußball-Zweitligist ab der neuen Saison jedenfalls hinter sich. Union wird mit fünf Sternen auf dem neuen Trikot auflaufen, das der Bayern wird weiter nur vier Sterne haben. Union, immer weiter ganz nach vorn? Natürlich hat die Sache einen Haken. Die Sterne der Münchner zieren das Klublogo, die auf dem Union-Trikot das Emblem des neuen Hauptsponsors.

Für drei Jahre, bis 2019, wird die Layenberger Nutrition Group, den Weg der Köpenicker begleiten. Und die Zielsetzung für den gemeinsamen Weg ist klar definiert: die Erstklassigkeit. Union will ran an den Speck – und das auch im wahrsten Sinne des Wortes und nicht nur im übertragenen Sinne, sprich an die Geldtöpfe der Bundesliga.

Dirk Zingler, Unions Präsident, sprach von einem „intelligenten Produkt, das gut zu uns passt. Es ist kein Mainstream, sondern speziell. Und das wird uns ja auch immer wieder nachgesagt.“

Der Vertrag gilt für die ersten drei Ligen

Das Unternehmen, im Jahr 1989 in Viernheim gegründet und seit 1996 mit Sitz im pfälzischen Rodenbach/Landkreis Kaiserslautern, hat sich spezialisiert im Bereich der Entwicklung sogenannter funktionaler Nahrungsmittel und des Gewichtsmanagements. „Wir sehen bei Union ein attraktives Umfeld, auch dank der Fans“, sagte Firmengründer Harald Layenberger.

Layenberger löst Autoteile-Händler kfzteile24 ab, der Vertrag gilt für die ersten drei Ligen. In dem neuen Hauptsponsor sieht Zingler den nächsten Schritt auf dem Weg in die Top 20 des deutschen Fußballs. „Wir haben uns gut weiterentwickelt“, so der Klubboss.

Ein Quantensprung auf der Einnahmeseite bedeutet dies jedoch nicht. Zwar wird der neue Partner die bislang erzielten gut 500.000 Euro wohl übertreffen, die Millionen-Marke dürfte jedoch nicht angekratzt werden.

Drei Whiskey besiegeln den Vertrag

„Der Wettbewerb ist schwierig“, erklärte Zingler, „aktuell suchen sieben Zweit- und zwei Erstligisten nach neuen Hauptsponsoren. Und das Trikot hat im Werbeumfeld nicht mehr die Bedeutung wie noch vor sieben, acht Jahren.“

Auf der anderen Seite verdeutlichte Harald Layenberger, dass es für ein Engagement im Profifußball „auch weitere Optionen gegeben hat. Die konnten wir aber schnell abhaken. Wir geben nur das Geld aus, was wir auch erarbeitet haben, und nicht was wir erst noch verdienen wollen.“ Soll heißen: Für ein höherklassiges Engagement fehlten offenbar die Mittel.

Insofern erhoffen sich beide Seiten einen positiven Schub voneinander. Union hat sich – trotz Verhandlungen mit Unternehmen aus Berlin – im Profibereich erstmals für einen Sponsor aus dem Bundesgebiet entschieden. Zingler: „Wir wollten den Schritt von einer regionalen zu einer nationalen Marke gehen.“

Nach der Neuordnung der Klubstrukturen sowie der Verpflichtung von Trainer Jens Keller zur neuen Saison ist dies der dritte Baustein, durch den der Klub eine verstärkte Präsenz über Köpenick und Berlin hinaus erreichen will, hinein in die bundesweite Fußballwelt.

Gleiches erhofft sich Layenberger durch das Engagement bei Union. „Wir müssen sicher an unserer Markenbekanntheit noch arbeiten“, sagte Harald Layenberger. Die Liaison begann jedoch recht holprig. Als Union erstmals telefonisch angefragt hatte, „habe ich gesagt, ich kann mir ein Engagement nicht vorstellen. Doch gleich nach dem Auflegen habe ich mich gefragt: warum eigentlich?“, erzählte Layenberger. Während des Heimspiels gegen Braunschweig (3:1) Mitte März „waren wir nach drei Whiskey aber auf einer Linie“, so Layenberger.

Zingler lobt die Top-Vereine in der Bundesliga

Einen konkreten Plan, wann der Aufstieg in die Bundesliga realisiert sein soll, ließ sich Zingler nicht entlocken. Zudem stellte der Klubchef mit Blick auf das aktuelle Saisonziel klar: „Ob es am Ende Rang sechs wird, ist gar nicht mehr so relevant. Die Mannschaft hatte einiges zu verkraften.“

Trotz der Trainerwechsel von Norbert Düwel (Entlassung) zu Sascha Lewandowski (Burnout) und weiter zu André Hofschneider „hat das Team einen Riesenjob gemacht. Wir freuen uns, mit Keller den unter Lewandowski eingeschlagenen Weg fortsetzen zu können“.

Zum derzeitigen Poker um den neuen TV-Vertrag und der möglichen Absenkung des Anteils für die Zweitligisten hielt sich Zingler zurück: „Grundsätzlich sollte man aufgrund eigener Leistungen wachsen. Wir sollten erstmal die Ergebnisse der Verhandlungen abwarten. Ich bin kein Freund davon, vorher irgendwelche Schaugefechte zu führen.

Aber die Liga ist international nicht wertvoller geworden, weil wir Zweitligisten in China das Interesse geweckt haben. Der deutsche Fußball ist deswegen so erfolgreich, weil es in der Bundesliga Top-Vereine gibt.“ Den FC Bayern zum Beispiel. Auch wenn dieser ab Sommer einen Stern weniger auf dem Trikot hat als Union.