Zweite Liga

Union bekommt viel Zeit zum Nachdenken

Union fehlt es beim Tabellendritten Nürnberg an starken Führungsspielern und an der nötigen Cleverness. Die Lehren aus dem Debakel.

Die Union-Profis Roberto Puncec, Adrian Nikci, Damir Kreilach, Michael Parensen, Kenny Prince Redondo (v.l.) und die Enttäuschung nach dem Debakel von Nürnberg

Die Union-Profis Roberto Puncec, Adrian Nikci, Damir Kreilach, Michael Parensen, Kenny Prince Redondo (v.l.) und die Enttäuschung nach dem Debakel von Nürnberg

Foto: imago sportfotodienst / imago/Matthias Koch

Berlin.  Das Auslaufen am Sonntagvormittag war dann doch länger als üblich. Vier statt der üblichen zwei Runden durften die Profis des 1. FC Union im Wäldchen hinter der Alten Försterei absolvieren. „Mehr Zeit zum Nachdenken, vor allem über die beiden Gegentore kurz vor Schluss“, sagte Trainer André Hofschneider . Das 2:6-Debakel in Nürnberg , jene sechs Gegentore in der zweiten Halbzeit, haben genug Denkanstöße gegeben, was ab der kommenden Saison unter dem neuen Trainer Jens Keller besser laufen muss.

Stichwort Konzentration. „Wenn ich in einem Spiel merke, dass die Tür zu ist, dann darf ich nicht in Konter laufen. Das ist kopflos gewesen“, kritisierte Hofschneider sein Team. Tatsächlich agierte die Mannschaft in den letzten Minuten so, als sei sie mit ihren Gedanken schon in der Kabine. „Beim sechsten Gegentor muss ich den Vorwurf machen, dass die Spieler hinten nicht rausschieben. Es kann nicht sein, dass wir bei Freistößen im Fünfmeterraum stehen. Doch sie haben die Dinge einfach geschehen lassen.“

Somit wurde aus einer vertretbaren Niederlage eine für die Geschichtsbücher. Denn erstmals seit 1992 kam Union wieder derart unter die Räder. Damals hatte es in der Relegation zur Zweiten Liga beim 2:8 in Zwickau gleich sieben Gegentreffer in der zweiten Halbzeit gegeben.

Viel zu schnelle Ballverluste

Stichwort Cleverness. Union spielte einem immer mehr in die Gänge kommenden Gegner auch noch in die Karten. „Wir haben es nicht mehr in den Griff bekommen, den Ball mal über längere Zeit in unseren Reihen zu halten“, erklärte Hofschneider. Schon in der ersten Halbzeit gab es gleich sechs Freistöße in nur wenigen Minuten für Nürnberg am Union-Strafraum. Und dass Standards eine Stärke der Franken sind, sollte sich herumgesprochen haben. Hofschneider: „Wenn man weiß, dass der Gegner dort seine Stärken hat, muss man anders reagieren.“

Hinzu kommen unnötige Gelbe Karten, wie die von Eroll Zejnullahu. „Wenn ich Rückraumspieler bin, habe ich auch eine Sicherheitspflicht. Den Ball muss er sauber klären und darf sich nicht auf ein Dribbling einlassen“, so Hofschneider. Weil er Rot-gefährdet war, musste der Techniker schon nach knapp einer Stunde vom Feld – eine Schwächung.

Dennoch nahm Hofschneider den Mittelfeldspieler in Schutz: „Er will auf eine gute Aktion oft eine noch schönere oben drauf setzen. Da verliert er manchmal noch das Pragmatische.“

Keine Beruhigung durch erfahrene Kräfte

Stichwort Führungsspieler. Weder Kapitän Benjamin Kessel noch den nicht weniger erfahrenen Akteuren wie Felix Kroos, Emanuel Pogatetz oder Damir Kreilach gelang es, das Union-Spiel zu beruhigen. Stattdessen ließ man sich von der immer größer werdenden Hektik auf dem Rasen anstecken. „Es gibt Tage, da ist es schwer zurückzukommen“, befand Kroos. Für Trainer Hofschneider ist hingegen klar: „Führungsspieler müssen sich in genau solchen Spielen zeigen.“

Dass der unter dem Stich desaströse Auftritt durch unglückliche Umstände auch noch begünstigt wurde, soll nicht unerwähnt bleiben. „So viele Ausfälle innerhalb von 24 Stunden habe ich noch nicht erlebt in meiner Karriere“, sagte Hofschneider.

Neben Dennis Daubes Hexenschuss legte ein Magen-Darm-Virus Toni Leistner und Leonard Koch in der Nacht zum Sonnabend flach. Stephan Fürstner musste zudem zur Pause mit einer Gehirnerschütterung vom Feld – zwei Tage Sportverbot. Und am Sonntag erwischte es noch Ersatztorwart Mohamed Amsif (Infekt).