Niederlage in Nürnberg

2:6 - Union kassiert vier Tore in 28 Minuten

Union sah schon fast wie der Sieger beim Aufstiegsaspiranten 1. FC Nürnberg aus. Doch aus einer 2:0-Führung wurde noch eine 2:6-Pleite.

Bittere Niederlage: Felix Kroos (M.) von Union Berlin fasst sich mit dem Trikot ins Gesicht

Bittere Niederlage: Felix Kroos (M.) von Union Berlin fasst sich mit dem Trikot ins Gesicht

Foto: dpa

Nur noch wenige Sekunden waren zu spielen, als André Hofschneider zur Uhr schaute. Der Trainer des 1. FC Union sehnte das Ende der Partie beim 1. FC Nürnberg herbei. Er hatte genug, nur der Gegner noch nicht. Also vollendete Nürnbergs Even Hovland noch eine Freistoßvorlage. In der Nachspielzeit. Zum 2:6, nach einer 2:0-Pausenführung für Union. Für Union ein halbes Dutzend Denkanstöße, was nächste Saison besser werden muss.

„In der zweiten Halbzeit haben wir aufgehört, Fußball zu spielen“, sagte Benjamin Kessel. Unions Kapitän machte auch den Unparteiischen Martin Thomsen (Kleve) mitverantwortlich für die Pleite: „Nürnberg hat den Schiedsrichter ein Stück weit auf seine Seite gezogen mit einem Trainer, der nur am Reklamieren war – aber so ist Fußball.“ Und dann war da noch ein Strafstoß, der die Partie endgültig kippen ließ. „Ein Elfmeter, bei dem man nur den Kopf schütteln kann“, so Kessel.

Niclas Füllkrug, Nürnbergs dreifacher Torschütze, sah die Situation wie folgt: „Ich spüre ein Trikotzupfen und anschließend Hände im Rücken.“ Tatsächlich hatte Union-Verteidiger Roberto Puncec Füllkrug am Trikot gezogen, hinter ihm hatte Michael Parensen Hanno Behrens am Arm gehalten, den Füllkrug in seinem Rücken gespürt hatte. Zweikämpfe, wie sie in jedem Fußballspiel vorkommen – und eben ab und zu auch geahndet werden. Füllkrug verwandelte zum 2:2 (59.), und das Unheil nach seinen Lauf.

Nur warum? Union spielte selbstbewusst auf, zu Recht nach drei Spielen ohne Gegentor, noch dazu gegen eine Nürnberger Elf, die nach zwei Niederlagen ihre Verunsicherung nicht verbergen konnte. Adrian Nikci mit seinem ersten Saisontor schon nach drei Minuten – ein schöner Kopfball nach langer Flanke von Parensen – sowie Damir Kreilach, ebenfalls per Kopf, mit seinem zwölften Treffer (22.) brachten Union in Führung.

Dabei traten die Köpenicker ersatzgeschwächt vor 30.384 Zuschauern an. Die Defensivakteure Toni Leistner und Leonard Koch fehlten wegen Magen-Darm-Infekts ebenso kurzfristig wie Mittelfeldspieler Dennis Daube (Hexenschuss); Sören Brandy war gesperrt. Nikci, Stephan Fürstner und Emanuel Pogatetz rückten in die Startelf. Doch die Berliner hatten die Partie gegen den Tabellendritten im Griff. „In der ersten Halbzeit haben wir es geschafft, gefährlich vors gegnerische Tor zu kommen und konnten zweimal erfolgreich abschließen. Mit zunehmender Dauer der Partie haben wir aber den Faden verloren. Nürnberg hat uns sein Spiel aufgezwungen“, sagte Coach Hofschneider.

Und wie. Die Franken unterstrichen nach dem Seitenwechsel, warum sie seit Monaten um den Aufstieg in die Bundesliga spielen. Druckvoll und kombinationssicher, wie beim Anschlusstor durch Leibold (49.). Und mit dem nötigen Glück, wie beim Elfmeter, den Unions Torwart Jakob Busk fast noch per Fuß pariert hätte, sowie beim 2:3 durch Füllkrug, der bei einem Schuss von Guido Burgstaller goldrichtig stand, um den Ball ins Tor abzulenken (67.).

„Danach dürfen wir uns nicht so den Schneid abkaufen lassen. Der Power und Dynamik des FCN hatten wir aber nichts mehr entgegenzusetzen“, so Hofschneider: „Auch wenn der Sieg am Ende zu hoch ausgefallen ist, weil wir noch blind in zwei Konter gelaufen sind, haben wir heute verdient verloren.“ Unions Rekordtorschütze Bobby Wood hatte da seine einzige Chance des Spiels nach feinem Pass von Eroll Zejnullahu bereits vergeben (55.). Der US-Stürmer bleibt bei 17 Toren.

Stattdessen erhöhten Burgstaller auf 2:4 (75.) und Füllkrug auf 2:5 (90.). Dann schaute Hofschneider auf die Uhr, ehe Hovland das Debakel vollendete.