Union Berlin

Burnout: Sascha Lewandowski kehrt nicht zurück

Unions Trainer leidet am akuten Erschöpfungssyndrom und löst den Vertrag auf. Assistent Hofschneider übernimmt das Amt bis Saisonende.

Muss wegen eines akuten Erschöpfungssyndroms beim 1.FC Union aufhören: Sascha Lewandowski

Muss wegen eines akuten Erschöpfungssyndroms beim 1.FC Union aufhören: Sascha Lewandowski

Foto: Roland Weihrauch / dpa

Berlin. Es hatte sich angedeutet. Spätestens mit der Bekanntgabe vor zehn Tagen, dass Sascha Lewandowski, der Trainer des 1. FC Union, für drei Wochen krankgeschrieben sei und André Hofschneider die Geschicke beim Berliner Fußball-Zweitligisten übernehmen werde.

Am Freitagnachmittag, einen Tag vor dem Heimspiel gegen den FSV Frankfurt (13 Uhr, Alte Försterei), wurde Gewissheit, was längst vermutet worden war: Lewandowski leidet an einem akuten Erschöpfungssyndrom, an Burnout also, und wird auf Anraten der Ärzte nicht auf die Bank der Köpenicker zurückkehren.

Sein bis 2017 laufender Vertrag wurde vorzeitig aufgelöst, Co-Trainer Hofschneider, der schon seit Lewandowskis Fehlen die Mannschaft gecoacht hatte, übernimmt nun den Chefposten bis zum Saisonende. Die Spieler wurden nach dem Abschlusstraining am Freitag informiert.

Herzbeschwerden erfordern jetzt ein völliges Loslassen

In einer Pressemitteilung folgt der Klub dem Wunsch seines ehemaligen Trainers, die Diagnose jetzt öffentlich zu machen. "Ich hatte gehofft, dass eine kurze Pause reichen könnte, die Beschwerden deutlich zu verringern", teilte der 44-Jährige mit: "Das war leider überhaupt nicht der Fall."

Selbst in den vergangenen Tagen hielt der Trainer Kontakt zu seinen Assistenten Hofschneider und Sebastian Bönig. "Wenn Spiele sind, ist der Trainer mit dem Herzen dabei", bestätigte Hofschneider SMS-Nachrichten von seinem Chef.

Laut Lewandowskis Ärzten ist eine deutlich längere Pause notwendig für eine vollständige Genesung nicht nur des Burnout-Syndroms, sondern auch der damit einhergehenden funktionellen Herzbeschwerden. Eine "temporär umfassende Entlastung von beruflicher Beanspruchung sei unumgänglich", hieß es. Sonst hätte der Trainer nie richtig losgelassen.

Präsident und Mannschaftsarzt waren immer informiert

Unions Präsident Dirk Zingler und Matthias Plepp, der stellvertretende Mannschaftsarzt, seien von Beginn an umfassend über die Situation informiert gewesen. Auch habe es in den vergangenen anderthalb Wochen Kontakt zu Lewandowskis Ärzten gegeben. Alle Beteiligten sind nach Gesprächen zum Ergebnis gekommen, Lewandowskis Vertrag bei Union aufzulösen.

"Wir sind sehr traurig über das plötzliche und unerwartete Ende unserer Zusammenarbeit. Schweren Herzens müssen wir jedoch erkennen, dass uns Umstände dazu zwingen, die nicht in unserer Hand liegen", kommentierte Lutz Munack, Geschäftsführer Sport bei Union, die Entscheidung.

>>>Was ist ein Burnout-Syndrom?<<<

"Die Gesundheit des Menschen Sascha Lewandowski ist wichtiger als die Fortsetzung seiner Arbeit als Trainer bei uns. Wir alle hier bei Union wünschen ihm eine schnelle und vollständige Genesung", so Munack weiter.

Lewandowski war am 2. September 2015 als Nachfolger des entlassenen Norbert Düwel als neuer Trainer vorgestellt worden. Bereits nach wenigen Wochen ließ Lewandowski wissen, dass er seine Ansprüche herunterfahren müsse, zu viel hatte er vom Team, vor allem aber von sich selbst erwartet.

Noch in der Winterpause machte der gebürtige Dortmunder deutlich, dass er die Aufgabe bei Union unterschätzt habe und stürzte sich noch stärker in die Arbeit. Diese Akribie, dazu die ständigen Rückschläge (Verletzte, Punktverluste) und die daraus resultierende Suche nach immer neuen Lösungen ließen Lewandowski offensichtlich nicht mehr zur Ruhe kommen.

Es werden Monate vergehen, bis er wieder der Alte ist

Dass er selbst in diesem Moment noch an das Wohl seiner Spieler und des Klubs denkt, widerspricht nicht dem Bild vom Wokaholic. "Neben den gesundheitlichen Risiken muss ich auch akzeptieren, dass ich aktuell einfach nicht annähernd die Power habe, mit so viel Energie zu arbeiten, wie ich es als Cheftrainer gewohnt bin und wie die Mannschaft es verdient", erklärte Lewandowski. Er spricht von Monaten, die vergehen werden, "bis ich wieder der Alte bin. Dieser Zustand ist untragbar für Mannschaft und Klub."

Es versteht sich von selbst, dass sich Lewandowski längst in einem Reha-Aufenthalt befindet. "Die Anteilnahme der Menschen an ihrem Verein, die positive Unterstützung in schwierigen Phasen, immer wieder Zuspruch und Aufmunterung der Fans auch für mich als Trainer – Union war selbst in dieser kurzen Zeit etwas Besonderes für mich. Umso bitterer ist dieses Ende." Ein Ende, das für den Menschen Sascha Lewandowski ein neuer Anfang sein sollte. Es ist ihm zu wünschen.

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