In kurzen Sporthosen betritt André Hofschneider (45) den Presseraum in der Alten Försterei. Sie sind seit Jahren so etwas wie sein Markenzeichen. Und als ob er mit der Situation fremdeln würde, stellt sich der Co-Trainer des 1. FC Union zunächst für einen Augenblick mit verschränkten Armen und ein wenig Abstand hinter das Pult, bevor er sich dann doch in Rednerpose darauf stützt. Dort, wo sonst Sascha Lewandowski über das bevorstehende Spiel des Fußball-Zweitligisten informiert. Doch der Trainer ist für die kommenden drei Wochen krank geschrieben.
Natürlich gehen Hofschneiders erste Worte auch an den fehlenden Chef: „Der Anlass, hier zu stehen, ist alles andere als schön. Auch von mir die besten Genesungswünsche an Sascha Lewandowski.“ Wünsche, die er dem 44-Jährigen sicher schon privat hat zukommen lassen, am Dienstag, nachdem Unions Geschäftsführer Sport, Lutz Munack, und der Leiter der Lizenzspielerabteilung, Helmut Schulte, ihm und dem zweiten Co-Trainer Sebastian Bönig die Nachricht mitgeteilt hatten.
„Sascha ist krank. Ihr beide müsst das jetzt übernehmen. Hofi, du machst das in leitender Position“, hörte Hofschneider dabei. Für die nächsten vier Spiele, beginnend mit dem Heimspiel am Freitag gegen den Karlsruher SC (18.30 Uhr, Alte Försterei), ist Unions ewiger Co-Trainer verantwortlich: „Ich hätte auch den Bus nach Karlsruhe gefahren, wenn wir dort spielen würden.“
Seit 2007 als Co-Trainer bei den Köpenickern
Die Verbundenheit zu seinem Verein ist nicht nur eine Floskel. Zu seiner aktiven Zeit in Rostock, München 60, Bielefeld oder Augsburg hatte er stets Kontakt mit den Köpenickern gehalten. Seine Rückkehr 2007 als Co-Trainer war die logische Folge.
Gleiches gilt in Sachen Loyalität gegenüber seinem Vorgesetzten. Gegen Karlsruhe werde „ganz klar eine Sascha-Lewandowski-Mannschaft“ auflaufen, machte Hofschneider deutlich: „Wir haben bislang ja auch zusammengearbeitet. Warum also soll ich etwas ändern, was bislang funktioniert hat, die Spiele in Freiburg und Leipzig vielleicht einmal ausgenommen.“ Eine Fernsteuerung durch Lewandowski wird es nicht geben. Seit Bekanntwerden der Krankheit gab es keinen Kontakt mit Hofschneider.
Der gebürtige Berliner steht erstmals in alleiniger Verantwortung an der Seitenlinie. „Man muss sich ein paar mehr Gedanken machen. Bei Terminierungen von Trainingszeiten zum Beispiel bin ich ja bislang nur Beifahrer gewesen. Das Leben wird nicht auf den Kopf gestellt, aber die Anspannung ist schon da“, sieht sich Hofschneider gewappnet für die nächsten drei Wochen.
Für den Chef-Posten fehlt die Qualifikation
Sieht er für sich auch eine Chance, sich als Trainer zu präsentieren? „Das ist ja von vornherein schon gecancelt, weil ich gar nicht die Qualifikation habe“, sagt Hofschneider. Es habe sich bislang einfach noch nicht ergeben, die Ausbildung zum Fußballlehrer zu absolvieren.
„Ich hatte vor fünf Jahren das erste Mal darüber nachgedacht. Einmal musste Hermann Andreev (Leiter des Nachwuchsleistungszentrums, d. Red.) seinen Trainer-Nachweis auf DFB-Anordnung erneuern. Da war die Absprache, dass wir nicht beide gleichzeitig gehen“, erzählt er. Ein anderes Mal, zu Zeiten des Tribünen-Umbaus 2012, habe ihn der damalige Trainer Uwe Neuhaus gebeten zu bleiben.
Die Mannschaft jedenfalls habe „im Training gut gearbeitet. Aber am Ende ist der Freitag entscheidend. Es gibt keine Ausrede, bloß weil jetzt ein anderer vorn steht. Klar, alles Neue schafft vielleicht fünf Prozent mehr Aufmerksamkeit. Aber das ist schon alles“. Aufmerksamkeit wird auch Hofschneider am Freitag bekommen. Sein Markenzeichen, die kurze Hose, wird man dann aber vergeblich suchen.




