Zweitligist

„Wir wünschen Sascha Lewandowski schnelle Genesung“

Die dreiwöchige Krankschreibung des Union-Trainers gibt Anlass zur Sorge. Assistent André Hofschneider übernimmt vorerst.

Unions Trainer Sascha Lewandowski beim Spiel in Braunschweig im Oktober. Er fällt nun drei Wochen lang aus

Unions Trainer Sascha Lewandowski beim Spiel in Braunschweig im Oktober. Er fällt nun drei Wochen lang aus

Foto: Peter Steffen / picture alliance / dpa

Berlin. Man kann nun wirklich nicht behaupten, dass der 1. FC Union in dieser Saison ein glückliches Händchen besitzt, was die Trainer angeht. Erst die ebenso plötzliche wie nachvollziehbare Trennung von Norbert Düwel Ende August vergangenen Jahres, nun das Rätselraten um Sascha Lewandowski.

Die Pressemitteilung, die der Fußball-Zweitligist am Dienstagmittag verschickte, lässt nichts Gutes erahnen. „Der 1. FC Union Berlin muss vorläufig auf seinen Cheftrainer Sascha Lewandowski verzichten. Der 44-jährige Fußballlehrer ist für drei Wochen krankgeschrieben“, heißt es in der Mitteilung.

Bereits am Dienstagvormittag hatte André Hofschneider das Training der Köpenicker geleitet. Der Co-Trainer wird auch für die kommenden Partien, beginnend mit dem Heimspiel am Freitag gegen den Karlsruher SC (18.30 Uhr, Alte Försterei), verantwortlich sein.

Helmut Schulte, Unions Leiter der Lizenzspielerabteilung, kommentierte den temporären Wechsel auf dem Trainerposten wie folgt: „Wir wünschen Sascha Lewandowski eine schnelle Genesung. Bis zu seiner Rückkehr wissen wir die Mannschaft in erfahrenen und guten Händen.“ Im Nachgang der Partie in Leipzig (0:3) habe jedoch nichts auf einen Ausfall des Coaches hingedeutet.

Im Internet diskutieren Fans über Burnout

Lewandowskis Begründung lässt allerdings viel Raum zur Interpretation. „Ich muss die Empfehlung meiner Ärzte akzeptieren und mich rausnehmen. Jetzt werde ich alles daran setzen, möglichst schnell wieder bei der Mannschaft zu sein“, ließ der gebürtige Dortmunder mitteilen.

Es ist davon auszugehen, dass es sich um etwas Schwerwiegenderes handelt als um eine Grippe oder ähnliche durch die Jahreszeit bedingte Krankheiten, etwas in dieser Art hat der Klub stets offen kommuniziert. Im Internet diskutieren die Union-Fans nun über Burnout.

Wer Lewandowski im ersten halben Jahr seiner Tätigkeit bei Union erlebt hat, bekam den Eindruck eines Workaholics. Wann immer es ging, schien der Coach in den Tunnel aus Trainingsplanung, Spieltagsanalyse und -vorbereitung abzutauchen. Akribisch und versessen bis ins kleinste Detail tüftelte er an Lösungen, um die Mannschaft spielerisch voranzubringen.

Erinnerungen an Ralf Rangnick

Natürlich werden da Erinnerungen an Ralf Rangnick (57) wach. Der Trainer und Sportdirektor von Zweitliga-Spitzenreiter RB Leipzig war im September 2011 als Coach von Schalke 04 zurückgetreten wegen Burnouts. Rangnick zählt zu jener Art von Trainer, die derart hohe Ansprüche an sich selbst stellen, dass sie alles andere unterordnen.

Das reicht von nicht ausreichend gesunder Ernährung – wie seinerzeit im Fall Rangnick – bis hin zum Fehlen von genügend Erholungsphasen. Alles was er tat, tat er ganz. Oder eben gar nicht. Ein Trainerbild, das sich auch bei Lewandowski zeichnen lässt.

Auf die Frage, wie er denn vom Fußball abschalten und wieder auftanken könne, hatte der Union-Trainer bereits im Oktober 2015 erklärt: „Das kann ich gar nicht. Sich jeden Tag zu fragen: Was machen wir heute, was haben wir für Lösungen, wie gehen wir mit dem einen oder anderen Spieler um, warum zeigen wir gleich diese Videosequenz und nicht die andere – du willst dann perfektionistisch arbeiten, und da habe ich Bock drauf.“

Zum Jahreswechsel gab er zu, seine Aufgabe bei Union unterschätzt zu haben. Für Lewandowski konnte dies nur als Signal gelten, noch einen Gang hochzuschalten.

Englische Woche ohne Cheftrainer

Für Union ergeben sich aus der Krankschreibung Probleme. Zum einen stehen die Köpenicker ausgerechnet jetzt vor einer englischen Woche. So muss die Mannschaft gegen den KSC am Freitag, in Fürth (1.3.), gegen Frankfurt (5.3.) und in Duisburg (noch nicht terminiert) ohne ihren Cheftrainer auskommen.

Zum anderen wird sich der Klub, sollte Lewandowski nach drei Wochen nicht zurückkehren können, nach einem neuen Cheftrainer umschauen müssen. Dass Hofschneider (45), seit 2007 Assistenztrainer bei Union, zunächst übernimmt, macht Sinn. Er ist erfahren genug und kennt die Mannschaft bestens, ebenso Lewandowskis Spielphilosophie.

„Der Spaß am Kerngeschäft ist da, da brauchst du kein Auftanken“, hatte Lewandowski im Herbst erklärt. Seine Ärzte waren nun offenbar anderer Meinung