Zweite Liga

Union-Gegner RB Leipzig hat das Ziel dicht vor Augen

Unions Gegner RB Leipzig macht sich bereit für die Zeit in der Bundesliga. Von der Art und Weise sind jedoch nicht alle begeistert.

In seinem neuen Trainingszentrum will RB Leipzig die Profis von morgen ausbilden

In seinem neuen Trainingszentrum will RB Leipzig die Profis von morgen ausbilden

Foto: imago/Picture Point LE

Berlin.  Ralf Rangnick war darüber keineswegs erfreut. Weil Marcel Halstenberg, der Verteidiger von RB Leipzig, auf dem Instagram-Profil seiner Freundin beim Fangenspielen am Holocaust-Mahnmal in Berlin zu sehen war, sah sich der Trainer des Fußball-Zweitligisten RB Leipzig gezwungen einzugreifen. „Soziale Netzwerke sind ein Medium, das nichts vergisst“, machte Rangnick deutlich und suchte das Gespräch mit der Mannschaft: „Ich hoffe, dass es eine heilsame Lehre war und ein Thema, mit dem wir uns nicht mehr beschäftigen müssen.“

Eine Anekdote, die belegt, dass es sich bei RB Leipzig nicht um einen normalen Fußball-Klub handelt. Das wird auch am Freitagabend deutlich werden, wenn der 1. FC Union beim Spitzenreiter antritt (18.30 Uhr, Sky). Es sind zwei unterschiedliche Welten, die aufeinanderprallen. Hier Union, das sich vor allem über seine Mitglieder definiert, deren Mitbestimmung im Verein und einer als familiär zu bezeichnenden Kultur.

Dort die Leipziger, die eine der bekanntesten Weisheiten des Konfuzius für sich umgedeutet haben. Bei Union ist der Weg das Ziel, bei RB ist es das Ziel selbst. Und der Verein, von einem österreichischen Brausehersteller seit seiner Gründung 2009 alimentiert, kennt nur ein Ziel: Die Bundesliga, und zwar so schnell wie möglich.

Union-Fans protestieren mit leerem Gästeblock

Dass dieses Vorhaben, dem sich in Leipzig alles unterordnet, vor allem bei Union-Anhängern nicht auf Gegenliebe stößt, ist nachvollziehbar. So werden die rund 4500 Fans aus Protest gegen RB als ultimativer Kommerzialisierer des Fußballs erst eine Viertelstunde nach Anpfiff das Stadion betreten. Eine Aktion, die sogar bei Union-Trainer Sascha Lewandowski auf Zustimmung stößt: „Ich habe volles Vertrauen in unsere Fans und ihre Denke. Wenn sie das so machen wollen, findet das unsere Unterstützung.“

Bei allem Protest, aller Sorge, RB Leipzig würde den Fußball und seine Kultur zerstören, steht jedoch außer Frage: Profifußball ist vor allem eines – ein Millionenspiel in der Unterhaltungsbranche. Sogar Helmut Schulte, Unions neuer Leiter der Lizenzspielerabteilung, hatte bei seinem Antritt Anfang Februar festgestellt: „Wir spielen professionell Fußball für die Zuschauer, um Menschen zu unterhalten und fröhlich zu machen.“ Dass man als mittelständisches Unternehmen in der Unterhaltungsbranche, wie Klubchef Dirk Zingler Union einst definierte, auch Geld verdienen möchte, steht ebenso fest.

RB Leipzig – sicher alles andere als mittelständisch – tut genau das: Menschen mit gutem Fußball zu unterhalten. Und damit Geld zu verdienen. Um beides so professionell wie möglich umsetzen zu können, hat der Klub erst im vergangenen Jahr ein neues Nachwuchsleistungszentrum in Betrieb genommen, das seinesgleichen sucht.

Nachwuchszentrum kostet mehr als ein Union-Etat

„Bullenstall“ nennt RB Leipzig sein neues Prestige-Objekt für die Teams von der U15 bis hin zu den Profis. Für 30 Millionen Euro entstanden vier Rasen-, drei Kunstrasenplätze, zwei Speedcourts sowie ein Akademiegebäude mit 13.500 Quadratmetern – Krafträume, Wellnessbereich mit Gegenstromanlage, Saunen, eine Zweifeld-Turnhalle, Physio- und Arztbereich sowie ein Laufschlauch mit Kunstrasen- und Tartanbahn inklusive.

Zum Vergleich: Unions Gesamtetat beträgt gut 26 Millionen Euro, davon sind 1,6 Millionen für den Nachwuchs veranschlagt. Ein Jugendinternat soll direkt gegenüber der alten Geschäfts- und derzeitigen Jugendgeschäftsstelle in der Hämmerlingstraße erst noch entstehen, ein Platz für das Nachwuchsleistungszentrum wird immer noch gesucht.

Mit den Voraussetzungen, die Leipzig bietet, „sollte uns tunlichst keiner von den begabtesten Spielern der Region durch die Lappen gehen“, machte Rangnick deutlich. Eine Vorgehensweise, die auf Ärger bei der Konkurrenz stößt, die RB gern für aggressives Abwerben der Talente verurteilen. Dabei macht der Klub nichts, was nicht auch andere Vereine machen, vielleicht nur etwas konsequenter. Und das so ganz nebenbei auch noch herausragende Fußballer entstehen können, die vielleicht einmal in die Fußstapfen zum Beispiel der deutschen Weltmeister treten, drängt sich bei vielen nur schwer ins Bewusstsein.

Gesunde Ernährung, ausreichend Schlaf und Hausschuhpflicht

In Leipzig gilt es, allen Spielern so früh wie möglich die gleiche Philosophie einzuimpfen. Dass das von RB praktizierte „extreme Umschaltspiel mit einem ganz hohen Anteil von Sprints“ (Rangnick) von den jungen Spielern alles abverlangt, steht außer Frage. Schon deshalb bietet RB den Talenten ein höchst professionelles Umfeld. Und verlangt im Gegenzug ein eben solches Verhalten.

„Wenn es Richtung Puderzucker in den Hintern blasen geht, machen wir es nicht“, ließ Rangnick wissen: „Wir dürfen sie nicht pampern oder verwöhnen, ihnen nicht alles abnehmen.“ Die Fußballschuhe muss jeder Spieler selber putzen, in der Akademie herrscht Hausschuhpflicht. Und für eine vernünftige Ernährung stehen gleich sieben Köche bereit. Fußball sei ein „Hochleistungssport, ohne die richtige Ernährung und ausreichend Schlaf ist man nicht mehr wettbewerbsfähig“, so Rangnick.

Oder wie es Union-Trainer Lewandowski erklärt: „Jeder muss seinen Weg gehen. Unser Weg ist sicherlich ein ganz anderer.“