Beim Vormittagslauf am Strand vor dem Hotel „Oliva Nova Golf“ suchte man ihn am Donnerstag vergeblich. Auch wenig später bei der Regenerationseinheit – lockerem Fußballtennis und anschließenden Übungen im Kraftraum – auf dem Trainingsplatz an der spanischen Mittelmeerküste war Jakob Busk nicht dabei.

Als man den dänischen Torhüter schließlich gegen Mittag leicht humpelnd auf dem Weg zum Essen sah, wurde deutlich: Seine Zehenverletzung ließ keinen Einsatz zu.

Die Blessur hatte sich der 22-Jährige noch in der vergangenen Woche in Berlin zugezogen, bei einer seiner ersten Übungseinheiten mit den Profis des 1. FC Union. Jetzt, unter der spanischen Sonne an der Costa del Azahar, der Küste der Orangenblüte, reifte beim Berliner Fußball-Zweitligisten, allen voran bei Trainer Sascha Lewandowski, endgültig die Erkenntnis, diesen Torwart verpflichten zu wollen.

Ablösesumme bei rund 270.000 Euro

„Jakob hat in den Trainingseinheiten und im Testspiel einen guten Eindruck hinterlassen. Wir sind von seinem Talent und seinen Fähigkeiten überzeugt und möchten in Zukunft mit ihm zusammenarbeiten“, sagte Lewandowski.

Die Verhandlungen mit dem FC Kopenhagen, bei dem Busk noch unter Vertrag steht, wurden bereits aufgenommen. Laut der dänischen Zeitung „Extrabladet“ steht eine Ablösesumme von zwei Millionen dänischen Kronen zur Diskussion, umgerechnet rund 270.000 Euro.

Es wäre eine Verpflichtung, die durchaus Sinn macht. Der Vertrag von Daniel Haas (32), Unions Nummer eins, läuft am Saisonende aus. Auch Ersatzmann Mohamed Amsif (26), dem es in den vergangenen eineinhalb Jahren nicht gelang, Haas von seinem Stammplatz zwischen den Pfosten zu verdrängen, steht nur noch bis 2017 bei Union auf der Gehaltsliste. Und Unions dritter Torwart Steve Kroll (18) hat noch nicht belegen können, dass er einmal im Profibereich Fuß fassen kann.

Könnte Daniel Haas ablösen

Busk wiederum ist kein unbeschriebenes Blatt. Bei der U21-Europameisterschaft in Tschechien 2015 war er die Nummer eins beim dänischen Nachwuchs, der trotz der Niederlage gegen die deutsche Mannschaft (0:3) das Halbfinale erreichte.

Hier war gegen den späteren Champion Schweden (1:4) jedoch Schluss. In der vergangenen Saison war er von Kopenhagen an den norwegischen Klub Sandefjord Fotball ausgeliehen, mit dem er jedoch aus der ersten Liga abstieg.

Statt zum FC Kopenhagen zurückzukehren und sich dort nur auf die Bank zu setzen, könnte er nun bei Union Haas als Nummer eins ablösen. Entweder schon in der Rückrunde oder erst im Sommer.

Wer Busk im Trainingslager in Oliva Nova beobachtet, sieht einen Torhüter, dem man die nordische Herkunft ansieht. Blond, mit 1,89 Metern groß gewachsen und auf dem Platz mit selbstbewusstem Auftreten. In jedem Fall wird Busk nicht kommen, um sich nur mit der Reservistenrolle zu begnügen.

Guter erster Eindruck

Einen ersten Eindruck seiner Fähigkeiten, noch dazu keinen schlechten, hinterließ er im Testspiel gegen den FC Villarreal B. Beim 0:1 gegen den Spitzenreiter der spanischen Segunda B (dritte Liga) bekam er zwar wenig Möglichkeit, sich auszuzeichnen.

Doch seine Reaktion, als er eine Doppelchance verhinderte, ließ ebenso aufhorchen wie sein Ausflug aus dem Strafraum, als er in höchster Not in Manuel-Neuer-Manier vor seinem Gegenspieler auftauchte und den Angriff damit stoppen konnte.

Keine Frage, Busk bringt viele Voraussetzungen mit, um Unions Torwartspiel auf einen höheren Level zu bringen, sei es in der Spieleröffnung, wie von Coach Lewandowski mehrfach gelobt, oder beim Zusammenspiel mit seinen Vorderleuten. Ein Bad in der Menge gab es dann doch noch, beim gemeinsamen Grillabend mit den Union-Fans.