Einmal werden wir noch wach, heißa dann ist letzter Punktspieltag, zumindest für den 1. FC Union. Nun gehört zu den Merkmalen des Profifußballs, dass die Kräfte am Ende einer langen Halbserie schwinden. Wohl dem, der kurz vor Weihnachten auf einen vollständigen Kader zurückgreifen kann. Sascha Lewandowski, der Trainer des Berliner Fußball-Zweitligisten, kann dies mit Blick auf das Duell gegen den SV Sandhausen am Freitag (18.30 Uhr, Alte Försterei) nicht.
Es sind ausgerechnet drei Stützen der Mannschaft, die im schlimmsten Fall komplett nicht zur Verfügung stehen könnten. Damir Kreilach wird mit Sicherheit nur Zuschauer sein, der Mittelfeldspieler ist nach der fünften gelben Karte gesperrt. Darüber hinaus stehen hinter den Einsätzen von Stephan Fürstner und Benjamin Kessel große Fragezeichen. Fürstner fehlte schon in Düsseldorf (3:0) wegen einer Hüftprellung.
Der defensive Mittelfeldspieler absolvierte zuletzt ebenso nur Lauftraining wie Kessel. Der Kapitän hatte im vergangenen Heimspiel gegen Bielefeld (1:1) einen Tritt in die Achillessehne bekommen und spielte schon in Düsseldorf nur mit Schmerzmitteln. Ein definitiver, zwei hochwahrscheinliche Ausfälle – da tauchen natürlich gleich Fragen nach Alternativen auf. Und damit fangen die Probleme erst richtig an.
Daube kann Kreilach kaum ersetzen
Sollte Kessel tatsächlich ausfallen, steht Roberto Puncec bereit. Christopher Trimmel dürfte dann aus der Dreierkette auf die rechte Außenbahn rücken. Auch Raffael Korte wäre eine Alternative für die rechte Seite, Trimmel bliebe dann in der Abwehr.
In Sachen Kreilach-Vertreter fällt unweigerlich der Name Dennis Daube. Der frühere St.-Pauli-Profi war schon in Düsseldorf als Fürstner-Ersatz unterwegs, wirkte dabei jedoch eher unauffällig. In Sachen Freistöße und Ecken kann er es sicher mit Kreilach aufnehmen, Führungsqualitäten wie beim Kroaten sucht man beim Hamburger jedoch vergeblich. Daube hat es seit seinem Wechsel im vergangenen Sommer nicht geschafft, ernsthaft an Kreilachs Stammplatz zu rütteln.
Schließlich nennt Lewandowski einen Namen, der in den vergangenen Partien eher keine Rolle gespielt hat. „Sören Brandy ist immer ein Thema“, sagte der Union-Coach. Die Formkurve des Offensivmannes zeigte zuletzt nach unten. Dabei galt gerade Brandy noch im Sommer als Mann neben Stürmer Bobby Wood praktisch als unantastbar. Es schien, als hätte der 30-Jährige erkannt, dass die Chancen für ihn, doch noch einmal in die Bundesliga aufzusteigen, endlich sind.
Vom Stammspieler zum Bankdrücker
Zumal er mit seiner Erfahrung und seiner Schlitzohrigkeit Torjäger Wood optimal ergänzen würde. Doch seine Entwicklung vom Stammspieler zum Bankdrücker ging einher mit dem Fall der Mannschaft vom Aufstiegsaspiranten zum Team, das um den Klassenerhalt kämpft. Seit Ende Oktober wird Brandy entweder nur in der Schlussphase eingewechselt, oder er sitzt die kompletten 90 Minuten auf der Bank. Ein Zustand, der für ihn wie für Union unbefriedigend ist.
„Ich brauche Typen auf dem Platz, die dagegenhalten und sich zeigen. Das würde ja eigentlich auf ihn passen“, machte Lewandowski deutlich: „Schade, dass er es momentan nicht so zeigen kann.“ Das gilt für die Trainingsleistungen wie auch für seine Kurzeinsätze.
„Die letzten Einwechslungen waren nicht so, dass man sagt: Er bringt uns jetzt aber richtig weiter. Das weiß er aber auch selbst“, erklärte Lewandowski. Brandy müsse das Gefühl, dass er der Mannschaft wirklich weiterhelfen kann, noch mehr vermitteln. Keine Frage, die Alternativen für Kreilach, Fürstner und Kessel sind derzeit nicht die allerbesten.





