Zweite Liga

Union braucht den perfekten Kreilach

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Michael Färber
Damir Kreilach hat in dieser Saison bereits sechs eigene Treffer bejubeln können

Damir Kreilach hat in dieser Saison bereits sechs eigene Treffer bejubeln können

Foto: Eibner-Pressefoto / picture alliance / Eibner-Presse

Seit Wochen zählt Damir Kreilach zu den Stützen bei Union. Eine Degradierung hat dabei eine nicht ganz unwichtige Rolle gespielt.

Berlin.  Das Streben nach Perfektion ist etwas, was Damir Kreilach durchaus gefällt. Das klingt im ersten Moment vermessen, wo der Kroate in Diensten des 1. FC Union doch so gar nicht egoistisch daherkommt und das fehlerfreie Spiel allerhöchstens Barcelonas Ballkünstler Lionel Messi zugestanden werden kann, wenn überhaupt.

Doch Perfektion – das dokumentiert sich im Mannschaftsport Fußball ganz besonders – ist mehr als nur das entscheidende Tor zu schießen, den entscheidenden Pass zu geben oder den wichtigen Zweikampf zu gewinnen. Es ist alles zusammen. Eben diese Mischung ist es, die Kreilach in diesen Wochen so wertvoll macht für den Berliner Zweitligisten, erst recht zum Rückrundenstart am Sonnabend bei Fortuna Düsseldorf (13 Uhr, Sky).

„Mein Ehrgeiz muss es sein, der Mannschaft weiter zu helfen“, wiederholt Kreilach immer wieder. Es spricht für ihn, dass er sich trotz all seiner Qualitäten stets nur als kleiner Teil eines großen Ganzen betrachtet. Das erdet und nimmt die Mitspieler mit, wenn es darum geht, sich trotz der tristen Hinrunde nicht hängen zu lassen. Das Amt des Spielführers ist Kreilach seit Ende Oktober los, seine Position des Führungsspielers hat dadurch jedoch keinen Schaden genommen. Im Gegenteil, Kreilach ist der heimliche Kapitän der Köpenicker.

Trainer Lewandowski vertraut dem Kroaten

Trainer Sascha Lewandowski spricht von einem „großartigen Menschen und Fußballer“. Einer, der auch an der Eckfahne dem Gegner nachläuft, um ihm den Ball abzugrätschen und eine Torsituation für sein Team heraufzubeschwören. Einer, der eine Blessur während der Partie mit schmerzverzerrtem Gesicht hinnimmt, um nur schnell wieder auf den Platz zurückzukehren und seiner Mannschaft zu helfen. „In der Situation muss ich auf die Zähne beißen“, sagt Kreilach nur. Und er setzt sich klaglos auf die Bank, sei es von Beginn an oder wegen einer Auswechslung wie in Freiburg.

Mit Blick auf die Startelf in Düsseldorf ließ der Trainer kaum einen Zweifel, dass Kreilach wieder von Beginn an im offensiven Mittelfeld dabei sein wird. „Er hat in Freiburg nicht so gut gespielt. Aber bei ihm bin ich mir sicher, dass es in Düsseldorf wieder anders läuft“, sagte Lewandowski, der wohl nicht freiwillig auf seinen besten Schützen (sechs Treffer) verzichten wird.

Es scheint, als habe Kreilach noch einmal eine Schippe draufgelegt, seitdem er das Amt des Kapitäns los ist, das ihn zuletzt offenbar mehr belastete als beflügelte. „Wir müssen als Mannschaft funktionieren, egal, wer die Kapitänsbinde trägt“, so der 26-Jährige.

Zum Benefizspiel für eine Kinderklinik in die Heimat

Dieses Wir-Gefühl, das er auf dem Platz und auch außerhalb vorlebt, kommt nicht von ungefähr. Seine Heimat Jugoslawien war in seinem Geburtsjahr 1989 dabei auseinanderzubrechen, zwei Jahre später wurde sein Geburtsort Vukovar von der serbischen Armee vollständig zerstört. Seine Eltern flüchteten mit ihm über Vrpolje und Linz in Österreich in die kroatische Küstenstadt Opatija. Das schweißt zusammen.

Im Jahr 2002 ging es nach Rijeka, wo die sportliche Karriere Kreilachs beim heimischen Hrvatski Nogometni Klub (HNK) seinen Anfang nahm. Rijeka, die Hafenstadt im Nordwesten Kroatiens, in die Kreilach immer wieder gern zurückkehrt. Sei es, um seine Ivana zu heiraten, wie im vergangenen Sommer geschehen. Sei es, um in einem Benefizspiel ein All-Star-Team – natürlich als Kapitän – gegen HNK anzuführen, um Geld für eine Kinderklinik einzuspielen. „Das ist das Mindeste, was wir tun können“, lässt Kreilach dazu nur wissen. Er möchte einen Teil dessen zurückgeben, was ihm der Fußball ermöglicht hat.

Bei Union wissen sie, was sie an ihm haben. Und umgekehrt. Dass Kreilach schon vergangenen Mai seinen eigentlich 2016 auslaufenden Vertrag bis 2019 verlängerte, spricht für sich. Selbst wenn die Saison bislang alles andere als perfekt verläuft. „In einer Mannschaft müssen alle in jedem Moment hundert Prozent geben. Dann können wir vielleicht zusammen Perfektion erreichen“, verdeutlichte Kreilach sein Motto. Er selbst geht dabei seit Wochen mit bestem Beispiel voran.