Zweite Liga

Union hat das Siegen noch nicht verlernt

Zweitligist Union freut sich über den ersten Heimsieg der Saison. Doch gegen Duisburg war längst nicht alles zufriedenstellend.

Die Mannschaft des 1. FC Union hat endlich wieder etwas zu feiern

Die Mannschaft des 1. FC Union hat endlich wieder etwas zu feiern

Foto: Hilse / picture alliance / dpa

Berlin.  Dunkle Wolken waren über Köpenick aufgezogen, um das helle Licht der Sonne zu verdrängen. Das galt wörtlich beim Blick in den Himmel über der Alten Försterei und sinnbildlich für das Geschehen unten auf dem Rasen. Verzweifelt kämpfte die Mannschaft des 1. FC Union in der Nachspielzeit, an der Seitenlinie tobte Sascha Lewandowski, der Trainer des Fußball-Zweitligisten, mal drei Meter rechts außerhalb seiner Coachingzone, mal deren zehn links heraus. Dann war es vollbracht, Union schafft mit einem 3:2 (3:0) gegen den MSV Duisburg endlich den ersten Heimsieg der Saison.

Pure Erleichterung ist wohl die Umschreibung, die den Zustand der Köpenicker nach dem Schlusspfiff am besten beschreibt. „Es könnte unser schlechtestes Spiel in der englischen Woche werden“, hatte Lewandowski orakelt. Nach dem Erfolg gegen den Aufsteiger bilanzierte er: „Ja, das war die schlechteste Leistung, die wir in der englischen Woche gezeigt haben.“ Mit einer Einschränkung: „Wir haben von der Effektivität gelebt.“ Endlich einmal, möchte man hinzufügen.

Denn die drei Tore, die Union zur Halbzeit geschossen hatte, entsprangen vor 18.425 Zuschauern mitnichten spielerischer Vorbereitungen. Das 1:0 nach nur vier Minuten mag man vielleicht noch in dieser Kategorie sehen. Sören Brandy hatte den Ball von rechts in den Strafraum geflankt, Bobby Wood die Hereingabe zu seinem vierten Saisontreffer genutzt. Die folgenden Treffer entsprangen Standardsituationen. Erst rauschte Brandy nach einer Ecke von Dennis Daube heran und köpfte zum 2:0 ein (31.). Schließlich war es ein Daube-Freistoß, den Kapitän Damir Kreilach ebenfalls per Kopf vollendete (45.).

Wieder fast eine Führung verspielt

Die Fans schmetterten bereits ihr Lied. „FC Union, unsre Liebe...“ schallte es aus dem Union-Block. Den Gesang hört man in der Alten Försterei meistens erst kurz vor Schluss einer Partie. Ob die Lewandowski-Elf vielleicht auch deshalb in Halbzeit zwei mehr und mehr die Fäden aus der Hand gab, ja sogar einen Elfmeter (Klotz hatte Daube gefoult) verschoss? Christopher Trimmel fand in MSV-Torwart Michael Ratajczak seinen Meister (75.).

Es wäre das 4:1 gewesen, nachdem die Duisburger, die wahrlich keinen Schrecken verbreiteten, durch Victor Obinna den Anschlusstreffer erzielt hatten (56.). So aber war die Sorge, trotz der klaren Führung wieder einen Vorsprung zu verspielen, von Minute zu Minute greifbarer. Erst recht nach dem 3:2 durch den eingewechselten Kingsley Onuegbu, der ein Missverständnis zwischen Trimmel und dem ebenfalls eingewechselten Kenny Prince Redondo in der 85. Minute eiskalt nutzte.

„Mit dem Ergebnis sind wir sehr zufrieden, denn wir haben Moral bewiesen“, sagte Stephan Fürstner. Der Ex-Fürther hatte den Vorzug vor Eroll Zejnullahu im defensiven Mittelfeld bekommen. Zudem ließ Trainer Lewandowski entgegen anderer Überlegungen doch wieder mit einer Viererkette in der Abwehr agieren, Trimmel ersetzte wie schon am Mittwoch in Frankfurt (2:3) den verletzten Michael Parensen (Armbruch) auf der linken Seite.

Abwehrmann Leistner verletzt sich am Oberschenkel

Dass Union in der Schlussphase dennoch ins Schwimmen kam, lag jedoch nicht am immer noch überschaubaren Druck der Gäste. Vielmehr sorgte die Verletzung von Toni Leistner und die sich daraus ergebende Umstellung nicht wirklich für Sicherheit.

Der Innenverteidiger wurde mit verletztem Oberschenkel ausgewechselt, nachdem er zunächst Obinna hinterhergeeilt war, um mit einem langen Bein zu klären; im Anschluss an diese Aktion hatte er sich sofort an den Oberschenkel gefasst und seine Auswechslung signalisiert (61.).

Am Ende verteidigte Union mit letzter Kraft den knappen Vorsprung und vertrieb die aufziehenden dunklen Wolken. So wie die Sonne am Himmel über der Alten Försterei.