Englische Woche

Union braucht jetzt einen klaren Kopf

Union muss die Pleite gegen Fürth schnell abhaken, um für Frankfurt gerüstet zu sein. Keine leichte Aufgabe für Trainer Lewandowski.

Union-Trainer Sascha Lewandowski (r.) ist vor dem Spiel in Frankfurt vor allem als Psychologe gefordert

Union-Trainer Sascha Lewandowski (r.) ist vor dem Spiel in Frankfurt vor allem als Psychologe gefordert

Foto: Annegret Hilse / dpa

Berlin.  Da saß er nun am Boden und wollte partout nicht mehr aufstehen. Sören Brandy, so allein auf dem Rasen der Alten Försterei, war sinnbildlich für den Zustand des 1. FC Union nach dem 1:2 gegen die SpVgg Greuther Fürth . Enttäuschung, Ungläubigkeit über eine Heimniederlage, die es gar nicht hätte geben müssen, vereint im Stürmer des Fußball-Zweitligisten.

Dort, genau dort, wird Trainer Sascha Lewandowski ansetzen müssen, soll die englische Woche, die am Mittwoch beim FSV Frankfurt fortgesetzt und am Sonnabend gegen Aufsteiger MSV Duisburg beendet wird, nicht in einem Fiasko enden. „Es geht in Frankfurt um ganz wichtige Punkte für uns, wir müssen die Verärgerung in positive Energie umwandeln“, sagte der Coach.

Nur die Frage nach dem Wie ist noch nicht geklärt. Fakt ist: Das Union-Jahrgang 2015/16 ist immer noch leicht zu verunsichern, trotz des guten Auftritts in Karlsruhe (3:0) und der noch besseren ersten Halbzeit gegen Fürth. Woher soll das Selbstvertrauen auch kommen nach Wochen, in denen der verantwortliche Trainer beim Versuch, Lösungen zu finden, immer wieder fast alles über den Haufen geworfen hat? Die Nachwehen des Saisonauftaktes unter Norbert Düwel sind immer noch zu spüren. Nicht umsonst spricht Lewandowski davon, dass „wir mehr Konstanz reinbekommen müssen“.

Fans loben Mannschaft für gute erste Halbzeit

Das gilt vor allem im mentalen Bereich. „Am Mittwoch wird sich vieles im Kopf abspielen“, sagte Lewandowski, der zunächst auf längere Gespräche verzichtet hat, weil er sich noch stärker auf diese vorbereiten will. Auch ein Indiz dafür, wie ernst der 43-Jährige die Problematik der angeknacksten Psyche sieht, die durch eine unglückliche Spielsituation gleich wieder ins Wanken kommt. Denn in Frankfurt müssten seine Spieler sehr stark im Kopf sein. „Sie müssen sich gut überwinden und durchbeißen nach der unglücklichen Niederlage“, forderte er.

Die Überwindung könnte gelingen, wenn Lewandowski es schafft, die positive erste Halbzeit in den Köpfen der Spieler zu verankern. Selbst die Fans, die sich noch am späten Sonntagnachmittag am Trainingsplatz eingefunden hatten, um die Einheit nach dem Spiel zu beobachten, waren voll des Lobes. Immer wieder war zu hören, wie gut die ersten 45 Minuten doch gewesen seien.

„Ich bin selten nach einer Niederlage derart angesprochen worden“, staunte Lewandowski. Nun zählen Union-Anhänger ja zu jenen, die ihre Mannschaft auch nach Niederlagen feiern, so lange der Einsatz gestimmt hat. Das war gegen Fürth der Fall, auch in der Phase nach dem Rückstand, selbst wenn man fußballerisch Abstriche machen musste.

Mehr Aktionen, weniger Reaktionen

Das Durchbeißen wiederum ist nur möglich, wenn es Union auch in Frankfurt, am Bornheimer Hang, gelingt, aktiv auf das Spielgeschehen einzuwirken. „Wenn wir nur noch reagieren, dann haben wir ein Problem“, sagte Lewandowski.

Zugleich machte er aber auch deutlich, dass es noch Zeit braucht: „Aus einer Mannschaft, die viel reagiert hat, eine zu machen, die mehr agiert, das ist ein Prozess. Das kann schon dauern, bis so etwas stabil ist.“

Geduld ist das Zauberwort, das allen Beteiligten helfen kann. Auch hier versucht der Trainer mit gutem Beispiel voranzugehen. Selbst wenn es ihm nicht immer gelingt. So war Lewandowski beim Videostudium des Fürth-Spiels von der ersten Halbzeit seines Teams derart angetan, dass er die Spieler – für ihn überraschend – schon weiter wähnte. „Aber vielleicht werde ich da auch zu ungeduldig“, erklärte er rasch.