Die Leidensfähigkeit der Fans des 1. FC Union, die ohnehin schon als recht groß gilt, wird derzeit auf eine wirklich harte Probe gestellt. Erst die unglückliche Niederlage im Heimspiel gegen die SpVgg Greuther Fürth (1:2) am Sonntag. Und als ob das noch nicht genug gewesen wäre, setzte die Mannschaft des Berliner Fußball-Zweitligisten am Mittwoch beim FSV Frankfurt noch einen drauf. Mit 2:3 (1:0) verlor das Team von Trainer Sascha Lewandowski – durch einen Gegentreffer von Dani Schahin in der Nachspielzeit.
„Wir machen einfache Fehler, und momentan werden wir auch für jeden einfachen Fehler bestraft“, haderte Benjamin Kessel. „Das habe ich so auch noch nicht erlebt.“ Verteidiger-Kollege Christopher Trimmel meinte: „Das Gute ist, dass wir zurückgekommen sind. Gefühlt haben wir auf unser Tor zum 3:2 nur noch gewartet – dann ist es auf einmal auf der anderen Seite gefallen.“
Eines hatte Lewandowski seinen Spielern mit auf den Weg nach Hessen gegeben: nicht ungeduldig werden. Das gilt für die Entwicklung der Mannschaft im Allgemeinen und galt im Speziellen für die Partie am Bornheimer Hang. Und Union behielt die Ruhe, ließ die Frankfurter sich eine gute Viertelstunde austoben, um dann mehr und mehr das Spielgeschehen an sich zu ziehen.
Aktiv sein, mehr Aktionen, weniger Reaktionen, genau das schienen die Köpenicker zu beherzigen. Dafür hatte der Coach seine Mannschaft im Vergleich zum Fürth-Spiel umgestellt. Sören Brandy und Trimmel blieben zunächst auf der Bank. Bobby Wood war im 4-1-4-1 die alleinige Spitze, Raffael Korte kehrte rechts in die Startelf zurück.
Union setzte sich in der FSV-Hälfte fest und ging verdient in Führung. Nach einer Flanke von Steven Skrzybski verpasste im Strafraum Damir Kreilach zwar den Kopfball, konnte den Ball aber auf Wood weiterleiten. Und der US-Nationalstürmer narrte mit zwei Drehungen gleich zwei Frankfurter (39.).
Begleitet von Pyrotechnik einiger Unverbesserlicher im Union-Block ging es in die zweite Halbzeit. Doch es bedurfte nur drei Minuten, ehe Union die Partie aus der Hand gab. Erst foulte Roberto Puncec ziemlich unbeholfen Schahin, Zlatko Dedic verwandelte den fälligen Strafstoß, 1:1 (52.). Dann bedankte sich Shawn Barry auf seine Weise, indem er den Freiraum im Union-Strafraum mit einem satten Schuss in den rechten Winkel nutzte (55.).
Doch anders als noch gegen Fürth, als Union am Ende die berühmte Brechstange auspackte, wurde in Frankfurt versucht, weiter überlegt und mit Tempo nach vorn zu spielen. Dass Lewandowski mit Brandy nach knapp einer Stunde einen zweiten Stürmer gebracht hatte, sollte sich zumindest in den Spielanteilen auszahlen. Union drängte, kam immer wieder über die Flügel mit Kessel und Skrzybski. Skrzybski wurde unterstützt von Trimmel, der bereits in der 35. Minute für den am Arm verletzten Linksverteidiger Michael Parensen eingewechselt wurde.
Union machte Dampf – und kam zum verdienten Ausgleich durch einen Kopfball von Kessel, der eine mustergültige Trimmel-Flanke aus vier Metern nutzte (76.). Jetzt sollte auch noch der so wichtige Sieg her. Drei Punkte, und Union hätte sich ein kleines Polster zur Abstiegsregion verschaffen können. Der eingewechselte Collin Quaner vergab jedoch die größte Chance zur erneuten Führung, als er den Ball nach einem Konter nicht wuchtig genug an FSV-Torwart Andre Weis vorbeischob (77.). Wood sprang der Ball unglücklich an die Hand (79.), Skrzybski traf wie schon in der 21. Minute nur den Pfosten (84.). Dann kam Schahin. „Wir gehen zur Zeit ein bisschen durch die Hölle, die Spieler sind sehr geknickt“, sagte Lewandowski. Schon am Sonnabend ist Zeit für Wiedergutmachung – gegen das sieglose Schlusslicht MSV Duisburg.
fär

