Zweite Liga

Quaner hat noch nicht genug

Bislang war Union-Stürmer Collin Quaner nur als Joker im Einsatz. Unter dem neuen Trainer Lewandowski schöpft er neue Hoffnung.

Union-Stürmer Collin Quaner präsentiert sich athletisch und mit einem guten Auge beim Torschuss

Union-Stürmer Collin Quaner präsentiert sich athletisch und mit einem guten Auge beim Torschuss

Foto: Uli Deck / dpa

Berlin.  Die Ankündigungsplakate für die Heimspiele des 1. FC Union folgen seit Jahren einem offenbar bewährten Muster. Neben den Standards wie Spieltag, Anstoßzeit und natürlich Gegner findet sich darauf stets ein Profi des Berliner Fußball-Zweitligisten. Auf dem Plakat für die Partie am Sonntag gegen die SpVgg Greuther Fürth (13.30 Uhr, Alte Försterei) ist Collin Quaner zu sehen, mit wachsamem Blick nach vorn und in dynamischer Haltung.

Es mag Zufall sein, dass sich die Macher dieser Ankündigung für das Duell mit den Franken ausgerechnet den Stürmer ausgesucht haben. Vielleicht war es auch Vorhersehung, schließlich erzielte Quaner vergangenen Sonnabend in Karlsruhe seinen ersten Ligatreffer für Union. In jedem Fall wird es seinen Bekanntheitsgrad ein wenig steigern. Bislang war Quaner vor allem jenen ein Begriff, die sich intensiv mit Union beschäftigen. Das soll sich, so hofft der Deutsch-Ghanaer natürlich, in den kommenden Wochen ändern.

Als Quaner am Freitagmittag die Katakomben des Stadions an der Alten Försterei betritt, wirkt er im ersten Moment nicht wie ein Profi, der zum Training kommt. Eher wie ein Reisender, den Rucksack locker über die Schulter hängend, eine Hand in der Hosentasche. Ein Blick in die Vita des 1,91-Meter-Mannes bestätigt, dass er tatsächlich schon ein wenig herumgekommen ist im Laufe seiner noch kurzen Karriere.

Über Bielefeld, Ingolstadt, Rostock und Aalen nach Berlin

Fortuna Düsseldorf, wo er in der Jugend spielte, Arminia Bielefeld, der FC Ingolstadt, Hansa Rostock, zuletzt VfR Aalen – nicht wenige Stationen für einen, der erst 24 Jahre alt ist. Quaner, der Wandervogel, der nun bei Union sportlich endlich sesshaft werden will. Sein Vertrag bei den Köpenickern, zu denen er zu Saisonbeginn aus Aalen gewechselt ist, läuft bis Sommer 2017 und ist für die Zweite Liga und auch für die Bundesliga gültig. Nur mit dem Auf-sich-aufmerksam-machen lief es in den ersten Wochen in Berlin nicht wirklich gut.

Bis zum vergangenen Wochenende, bis zum ersten Saisonsieg beim Karlsruher SC. Für Bobby Wood in der 72. Minute gekommen, erzielte Quaner mit einem herrlichen Schuss oben rechts in den Winkel den 3:0-Endstand – fünf Minuten nach seiner Einwechslung. „Besser hätte es nicht laufen können. So wünscht man sich das“, erinnert sich Quaner. Und lässt die für die Mannschaft wie für ihn selbst wichtige Szene noch einmal Revue passieren: „Genau auf den Winkel habe ich nicht geschaut. Aber ich habe kurz den Kopf hochgenommen und gesehen, dass der Torwart ein bisschen weit draußen stand.“ Einfach mal probiert habe er den Schuss, „und es ist gut gegangen“.

Da war er, dieser Moment, der nicht nur den eingefleischten Anhängern des Köpenicker Klubs, sondern auch dessen eher neutralen Begleitern gezeigt hat: Collin Quaner, das ist ein Profi, auf den man sich verlassen kann. Und der vielleicht auch mal mehr sein kann als nur der Joker.

Kurzeinsätze und ein Treffer beim Pokalaus in Köln

Unter Norbert Düwel, der ihn nach Berlin geholt hatte, gab es für den sympathischen gebürtigen Düsseldorfer in der Liga gerade einmal zwei Kurzeinsätze: elf Minuten gegen Fortuna Düsseldorf (1:1) , eine Minute gegen den 1. FC Kaiserslautern (2:2), beide Male in der Alten Försterei. Lediglich im DFB-Pokal ließ Düwel ihn über die vollen 90 Minuten ran. Und der Stürmer bedankte sich für das Vertrauen auch gleich mit einem Treffer, als er in eine Hereingabe von Sören Brandy rutschte.

Quaner war im richtigen Moment an der richtigen Stelle – oder auch nicht, denn das 1:2 beim Regionalligisten Viktoria Köln in der ersten Runde des nationalen Cupwettbewerbs hatte unter dem Strich nicht wirklich dazu beigetragen, um Pluspunkte zu sammeln. Quaner jedenfalls spielte fortan keine Rolle mehr.

Düwel hat seinen Platz inzwischen für Sascha Lewandowski räumen müssen, die Uhren wurden wieder auf Null gestellt. Für Quaner die Chance, den großen Abstand, den er zu seinen Konkurrenten Bobby Wood oder Sören Brandy gehabt hatte, klein zu halten. „Auch beim neuen Trainer werde ich meinen Platz erkämpfen müssen“, sagte Quaner. Trotzdem habe er gehofft, in Karlsruhe „meine Chance mal wieder zu bekommen. Das ist mir gelungen. Natürlich hat jeder Spieler den Ehrgeiz, von Anfang an oder so häufig wie möglich zu spielen“, erklärte er.

Auf den Spuren der Allofs-Brüder

Lewandowski fand jedenfalls Gefallen am Kurzauftritt des athletisch starken Spielers „Er hatte schon eine sehr laufintensive Rolle. Weil wir auf 4-1-4-1 umgestellt hatten, musste er mehrere Positionen abdecken und zwischen den beiden Innenverteidigern und dem Sechser agieren. Dass er dann da ist, obwohl er eigentlich ein Stürmer ist – das muss man auch erst mal machen.“

Dass Quaner Stürmerblut in sich trägt, mag auch ein wenig an der Aura des Düsseldorfer Stadtteils liegen, in dem er aufgewachsen ist: Gerresheim. Dort, wo auch die früheren Bundesliga-Profis Klaus und Thomas Allofs ihre ersten fußballerischen Meriten sammelten. Nur dass Quaner nicht bei TuS, sondern den Sportfreunden Gerresheim begann.

Es war der Startschuss einer Reise, die bei Union ihren vorläufigen Endpunkt gefunden hat.